Raus aus der Pflege

Alternative Berufe für Pflegekräfte

Lächelnde, junge Pflegerin im grünen Kittel und mit Stethoskop um den Hals
Sabine Stahl | 16.9.2022 | Lesedauer: 5 Minuten

Pflege fordert – emotional und körperlich. Deshalb suchen viele Fachkräfte nach einer beruflichen Alternative. Was Zeitarbeit damit zu tun hat und was es noch gibt, verraten wir hier.

„Ich will nicht mehr in der Pflege arbeiten!“ Wenn Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner diesen Satz denken, dann hat das in der Regel nichts mit ihrem Beruf als solches zu tun. Das gilt genauso für Ärzte und Ärztinnen auf der Suche nach Alternativen. Hier wie dort sind es die Rahmenbedingungen, aufgrund derer Krankenschwestern und -pfleger über das Aufhören nachdenken oder den Schritt sogar vollziehen. Meist sind die Gründe dafür unterbesetzte Stationen, die Belastung durch Schichtarbeit, zu wenig Zeit für PatientInnen oder die eigene Familie oder die hohe emotionale Belastung. Laut einer Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen würden in Deutschland rein rechnerisch rund 300.000 Pflegfachkräfte zur Verfügung stehen, wenn sich an den Konditionen in ihrem Beruf etwas ändern würde. Und diese Zahlen sind konservativ gerechnet.

Gestresst wirkende Krankenschwester stützt ihren Kopf auf ihre Hände.

Viele Pflegekräfte sind aufgrund der hohen körperlichen und seelischen Belastung erschöpft.

Welche alternativen Berufe gibt es für Pflegekräfte?

Entscheidet sich die Pflegekraft tatsächlich dazu, ihren aktuellen Job aufzugeben, bleibt die Frage: Welche Alternativen gibt es für Krankenschwestern und Pflegefachkräfte? Die gute Nachricht für alle, die gerade raus aus der Pflege möchten: Pflegefachkräfte sind qualifizierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte und auch außerhalb ihres erlernten Berufes gefragt. Der folgende Text liefert einen Überblick über berufliche Möglichkeiten, um raus aus der Pflege zu kommen, oder zumindest raus aus der Belastung.

Wer seinen Beruf nicht aufgeben möchte, sondern ausschließlich mit den Rahmenbedingungen hadert, für den kann der Wechsel in die Zeitarbeit eine Möglichkeit sein. Ausführliche Informationen finden Sie weiter unten im Text oder unter folgendem Link.

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Anderer Fachbereich, weniger Stress

Viele Pflegerinnen und Pfleger, die im Krankenhaus oder einer Klinik arbeiten, müssen Schichten arbeiten, also Nachtschichten und Wochenenddienste. Die Schichtarbeit mit dem Privatleben zu vereinbaren, ist für viele Pflegefachkräfte eine große Herausforderung und oft leidet das Privatleben der Fachkräfte unter dem Schichtdienst.

Aus diesem Grund lohnt es sich für so manche Pflegekraft auf der Suche nach Berufsalternativen, einen anderen Fachbereich in Erwägung zu ziehen. Vor allem medizinische Bereiche mit ambulanten Einsätzen wie etwa die Anästhesie oder die Endokrinologie arbeiten ohne Nachtschichten. Auch als Pflegefachkraft bei der Dialyse profitieren Sie davon, keine Nachtschichten mehr machen zu müssen.

Arztpraxis als Alternative für Pflegekräfte

Raus aus der Pflege bedeutet für viele vor allem raus aus dem stressigen Krankenhausalltag. Um dennoch weiterhin mit Patientinnen und Patienten arbeiten und gelerntes Fachwissen anwenden zu können, ist eine Stelle in einer Arztpraxis als medizinische Fachangestellte oder -angestellter (MFA) eine mögliche Berufsalternative für Pflegekräfte.

Für einen Quereinstieg in Bereich der medizinischen Assistenz müssen ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger in der Regel keine Umschulung durchlaufen. Nur im Bereich der Praxisorganisation könnte eine Weiterbildung nötig sein, was auch als Fernkurs möglich ist. Allerdings verdienen MFA weniger Geld als ausgebildete Krankenschwestern und Krankenpfleger, allein schon aufgrund der fehlenden Schichtzulagen.

Junge Arzthelferin arbeitet am Computer.

Eine Alternative zum Pflegeberuf im Krankenhaus kann zum Beispiel eine Tätigkeit in einer Arztpraxis sein.

Raus aus der Pflege, rein in die Verwaltung

Ein Wechsel in die Verwaltung einer Krankenkasse oder in Gesundheitseinrichtungen könnte ebenfalls ein Ausweg aus dem stressigen Pflegealltag sein. Die Voraussetzungen hierfür sind, dass die Pflegekraft genügend Fachwissen hat, um Gutachten zu verfassen. Dann sind ihre Kenntnisse für viele Krankenkassen oder andere medizinische Einrichtungen sehr wertvoll. Eine Umschulung zur Bürokauffrau oder zum Bürokaufmann bzw. zur Verwaltungsfachkraft ist nicht unbedingt notwendig.

Stattdessen ist eine Weiterbildung zur medizinischen Kodierkraft sinnvoll, wie sie zum Beispiel der TÜV Rheinland anbietet. Hier lernen Pflegefachkräfte alles über Dokumentation und die richtige Kodierung gemäß der Deutschen Kodierrichtlinien, die für Abrechnungen notwendig sind. Aber auch Wissen über Prüfaufträge des MDK oder Qualitätssicherung sind Teil der Weiterbildung.

Pflegefachliche GutachterIn beim MDK

Alle Pflegefachkräfte können sich zur Gutachterin oder zum Gutachter für den medizinischen Dienst (MDK) weiterbilden lassen. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger, als Kinderkrankenpfleger oder als Altenpflegerin. Nach der Weiterbildung sind die GutachterInnen im Auftrag des Medizinischen Dienstes (MDK) unterwegs, um Versicherte zu begutachten und deren Pflegegrad einzuschätzen. Oder sie besuchen Pflegeeinrichtungen und beurteilen deren Qualität.  

Weiterbildung zur Arzt-Assistentin oder zum Arzt-Assistenten

Der Beruf des Arztassistenten kann als Bachelor-Studium erlernt werden. In der Medical School in Berlin dauert die Ausbildung in Vollzeit sechs Semester und in Teilzeit 9 Semester. Als Pflegefachkraft mit abgeschlossener Ausbildung (etwa als MFA oder OTA) gibt es häufig die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Ausbildung. Der Landkreis Passau mit seinen 7 Gesundheitseinrichtungen wirbt sogar damit, einen Großteil der Kosten für das berufsbegleitende Studium zu tragen.

Die Hauptaufgabe eines Arztassistenten (Physician Assistant) ist es, die Ärztin oder den Arzt zu entlasten. Zu den möglichen Tätigkeiten, die der Assistent übernehmen darf, gehören z. B.

  • Blutabnahme
  • Notfallbehandlung
  • OP-Assistenz
  • Dokumentation

Selbstständig als Pflegekraft

Eine Pflegekraft kann auch selbstständig auf Honorarbasis arbeiten, ähnlich wie Vertretungsärzte. Das bringt viele Vorteile, da Sie auf diese Weise selbst bestimmen können, wann, wie viel und für wen Sie arbeiten. Allerdings ist ein selbstständiges Arbeiten als Pflegefachkraft nicht in allen Bereichen möglich und der Verwaltungsaufwand sowie das unternehmerische Risiko bei Auftragsflauten sind nicht zu unterschätzen.

Als Fachkraft in Arbeitnehmerüberlassung bei einer professionellen Agentur wie doctari profitieren Sie von den meisten Vorteilen, die selbstständige Pflegekräfte haben. Sie haben aber zusätzlich einen starken und professionellen Partner an Ihrer Seite und somit eine größere Sicherheit. Als Vertretungskraft bei doctari bestimmen Sie selbst, wie viel Sie arbeiten und profitieren von mehr Mitspracherecht beim Dienstplan, das erhöht die Work-Life-Balance. Häufig verdienen Vertretungskräfte in der Pflege noch dazu mehr Geld als festangestellte Kollegen und sie erfahren mehr Wertschätzung.

Bietet doctari Honorar-Tätigkeit an? Nein. doctari bietet für medizinische Fachkräfte ausschließlich Tätigkeiten in Arbeitnehmerüberlassung, als befristete Anstellung in einer medizinischen Einrichtung oder als Festanstellung in einer medizinischen Einrichtung an. Wir verwenden den Begriff „Honorararzt“ bzw. „Honorarpflegekraft“ ähnlich wie ein Deonym und synonym für ÄrztInnen bzw. Pflegefachkräfte, die in Vertretungsjobs der Zeitarbeit tätig sind (vergleichbar damit, wie der Markenname „Tesa“ als Bezeichnung für alle durchsichtigen Klebestreifen oder „Tempo“ für alle Papiertaschentücher genutzt wird).

Titelbild: iStock.com/David-Prado

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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