Stressoren in der Pflege

Was verursacht Stress in der Pflege und wie geht man mit ihm um?

Eine gestresst wirkende Krankenpflegerin lehnt an der Wand und fasst sich an den Kopf.
Sabine Stahl | 4.7.2023 | Lesedauer: 4 Minuten

Viele Pflegekräfte leiden unter Stress. Welche Ursachen hat das und was können die Betroffenen selbst dagegen tun, um wieder mehr Freude an ihrem Beruf zu haben?

Wie äußert sich Stress in der Pflege?

Jeder Mensch funktioniert anders und jeder reagiert anders auf stressige Situationen. Prinzipiell ist Stress zunächst einmal nichts Negatives. Kurzzeitig erhöht er die Konzentration und die Leistungsfähigkeit, aufgrund freigesetzter Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol. Anhaltender Stress gefährdet jedoch die Gesundheit und führt im schlimmsten Fall zu einem Burnout der Pflegekraft. Erste Warnzeichen eines drohenden Burnouts sind zum Beispiel Gereiztheit, Gleichgültigkeit oder Schlafprobleme, Angstzustände oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Körperliche Reaktionen auf Stress in der Pflege können sein:

  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Hoher Blutdruck
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Was sind die häufigsten Stressoren in der Pflege?

Stress kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen gibt es emotionalen und sozialen Stress, der etwa durch private Konflikte oder durch Konflikte mit PatientInnen oder auch Vorgesetzten ausgelöst wird. Zum anderen kann Stress aufgrund von äußeren Umständen wie Lärm entstehen. Im Folgenden haben wir die häufigsten Stressoren in der Pflege aufgelistet.

1. Stressor: Hohe Arbeitsbelastung

In Deutschland herrscht ein gravierender Fachkräftemangel in der Pflege. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen aufgrund des demografischen Wandels kontinuierlich an. So muss jede einzelne Pflegekraft immer mehr Aufgaben erledigen, Überstunden häufen sich und es bleibt immer weniger Zeit für die einzelnen PatientInnen. Laut einer Umfrage der Arbeitnehmerkammer Bremen liegt der Wunsch nach mehr Zeit für die Pflege sogar auf Platz eins, wenn Pflegekräfte nach besseren Arbeitsbedingungen gefragt werden. Auf Platz drei landen verlässliche Dienstpläne. Ein Fallbeispiel einer unserer Fachkräfte zeigt, warum: Eine Intensivkrankenschwester arbeitete vor ihrem Wechsel in die Zeitarbeit nach eigenen Angaben häufig 16 Tage am Stück. Der Dienstplan fand keine Beachtung mehr. An jedem freien Tag klingelte das Telefon und die Fachkraft wurde zurück in den Dienst geholt.

Die Top 5 der größten Stressoren in der Pflege

2. Stressor: Konfrontation mit Leid und Tod

Wer jeden Tag mit pflegebedürftigen Menschen arbeitet, sieht viel Leid, Schmerz und Trauer. Der Tod von PatientInnen gehört für Pflegefachkräfte zum Alltag. Das heißt jedoch nicht, dass die AltenpflegerInnen oder KrankenpflegerInnen davon nicht berührt werden. Verlust, schlechte Nachrichten oder auch verzweifelte Angehörige können auf Dauer und je nach Situation sehr belastend für die Pflegekräfte sein und führen zu viel emotionalem Stress. Im schlimmsten Fall mündet das in einer sogenannten Compassion Fatigue, einer Mitleidsmüdigkeit.

3. Stressor: Zwischenmenschliche Konflikte

Die Ausnahmesituation, in der sich PatientInnen und deren Angehörigen in der Regel befinden, kann zu aggressivem Verhalten gegenüber Pflegekräften führen. Das ist angesichts der Sorge um die eigene Gesundheit oder die eines geliebten Menschen zwar nachvollziehbar, doch für die Fachkräfte bedeutet es oft, die Angst, Verzweiflung und Verunsicherung der Menschen zu erleben. Auch das Gefühl vernachlässigt zu werden, lässt PatientInnen unzufrieden und dadurch unfreundlich oder sogar teils aggressiv werden. Zusätzlich kommt es im Pflegealltag und dem damit verbundenen Leistungsdruck häufig zu Konflikten mit KollegInnen oder mit Vorgesetzten. All das belastet.

4. Stressor: Mangelnde Wertschätzung

Pflegekräfte setzen sich für das Wohl anderer ein. Doch die Anerkennung für diesen Einsatz erhalten sie nur selten. „Wir opfern unsere Wochenenden, wir sind an Feiertagen nicht bei unseren Familien, um andere Menschen zu pflegen. Dafür wünsche ich mir weder ein Dankeschön noch Geld für die Kaffeekasse, sondern Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung“, sagt Bianca Kohl, Intensivpflegerin bei doctari. Bei der Befragung der Arbeitnehmerkammer landet „mehr Wertschätzung“ auf Platz vier.

5. Stressor: Schichtdienst

Pflegebedürftige benötigen rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, Hilfe. Deshalb arbeiten Gesundheitspfleger, Krankenschwestern und Alternpfleger im Schichtdienst, also auch nachts und am Wochenende. Damit haben sie andere Arbeitszeiten als die meisten, die sowohl das Sozialleben als auch das körperliche und seelische Befinden beeinträchtigen. Wer in Schichten arbeitet, kann sein Privatleben viel schwieriger planen und leidet mitunter auch an Schlafproblemen. Beides löst Stress aus.

Eine medizinische Fachkraft in Kasack hält ein Post-it in die Kamera auf dem "Stop" steht.

3 Tipps für den Umgang mit Stress in der Pflege

Natürlich lässt sich Stress in der Pflege nicht komplett vermeiden, doch viele der Stressoren können reduziert und ein guter Umgang mit Stress kann erlernt werden.

Tipp 1: Achtsamkeit

Pflegekräfte sollten versuchen, gut auf sich selbst zu achten, denn nur Gesunde können sich gut um Kranke kümmern. Wichtig ist hierbei, achtsam zu sein. Das gilt im Beruf wie im Privatleben. Konzentration auf das Hier und Jetzt steht dabei im Mittelpunkt anstelle eines ständigen Grübels über all das, was noch zu tun ist. Genügend Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Entspannung helfen ebenfalls. Letzteres kann mit einem Spaziergang in der Natur gelingen, mit Yoga oder Meditation oder bei einer Verabredung mit schönen Gesprächen abseits der Arbeit.

Tipp 2: Sprechen Sie über Ihren Stress

Wer beruflich so viel psychischem Stress ausgeliefert ist wie Pflegekräfte, muss regelmäßig über das Erlebte sprechen. Viele Arbeitgeber bietet deshalb Supervision an, um mit psychologischen Fachkräften sprechen zu können. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sich anonym an die kostenlose PSU-Helpline wenden, bei der speziell geschultes medizinisches Personal zuhört und Ratschläge gibt. Regelmäßige Gespräche mit KollegInnen können ebenfalls helfen und kleinere Konflikte können behoben werden.

Tipp 3: Neue Arbeitsmodelle

Dauerhafter Stress in der Pflege macht krank. Das zeigt zum Beispiel eine Studie der AOK. Demnach haben Pflegekräfte doppelt so viele Krankheitstage wegen Burnout als der Durchschnitt. Grund genug, um über neue, alternative Arbeitsmodelle nachzudenken. Neben Teilzeit-Verträgen ist ein Wechsel in die Zeitarbeit eine Möglichkeit, den Stress in der Pflege zu reduzieren. Denn in der Zeitarbeit erhalten Pflegekräfte nicht nur mehr Wertschätzung, sondern haben auch mehr Mitsprache beim Dienstplan und somit auch mehr Einfluss auf die eigene Erholung.

Titelbild: iStock.com/Dean Mitchell

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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