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Alternativen zum Arztberuf

Welche beruflichen Alternativen haben Ärzte?

Alle Alternativen zum Arztberuf im Überblick
Kim Kernbichler | 16.5.2022 | Lesedauer: 7 Minuten

„Ich will kein Arzt mehr sein!“ Leider treffen immer mehr Ärztinnen und Ärzte diese Aussage. Die Gründe dafür sind vielfältig und verständlich. Doch es geht auch anders.

Überlastung durch Dauerstress, Überstunden, unterbesetzte Stationen und wenig Zeit für das Privatleben. Viele MedizinerInnen suchen einen Ausweg und Alternativen zum Arztberuf bzw. zu ihrem stressigen Alltag im Krankenhaus. Dieser Artikel liefert einen Überblick über alle möglichen Alternativen zum Arztberuf. Zudem erfahren Sie hier, wie Sie wieder glücklich Arzt sein können und das bei einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

Warum wir Ärzte den Beruf wechseln

Jeder fünfte Arzt denkt über einen Berufswechsel nach

Aus einer Umfrage des Marburger Bundes (2019) geht hervor, dass 21 Prozent der befragten Klinikärzte und -ärztinnen über einen Berufswechsel nachdenken. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Druck und die Überbelastung durch extreme Arbeitszeiten zusammen mit dem fehlenden Ausgleich führen am häufigsten dazu, dass sich viele MedizinerInnen umorientieren. Dabei ist das oberste Ziel, den stressigen Klinikalltag hinter sich zu lassen.

Hierfür wollen viele Ärzte und Ärztinnen so weit weg vom bisherigen Berufsalltag wie möglich, um nicht in alte Muster zu verfallen. In der Tat bieten sich für Ärztinnen und Ärzte auch außerhalb des klassischen Arztberufs interessante Tätigkeitsfelder, welche in den folgenden Kapiteln zusammengefasst sind. Bevor wir auf diese Alternativen zum Arztberuf eingehen, zeigen wir zunächst die Faktoren, die ÄrztInnen zu einem Wechsel veranlassen.

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Dauerstress seit dem Abitur

Nicht viele wissen, dass Maria Furtwängler, Tatort-Kommissarin und bekannte deutsche Schauspielerin, ursprünglich Medizin studiert, promoviert und als Ärztin gearbeitet hat. Genau wie Maria Furtwängler entschließen sich viele Mediziner im Laufe ihres Berufslebens jedoch, den weißen Kittel an den Nagel zu hängen – und das oft, obwohl Arztsein für die meisten nach wie vor ein Traum ist, den sie sich selbst erfüllt haben.

Die Möglichkeit, Menschen zu helfen und Krankheiten zu bekämpfen, motiviert und gibt vielen einen Lebenssinn. Zudem haben Ärzte ihr Leben, teilweise seit dem Beginn der Oberstufe, komplett oder zu weiten Teilen auf das Arztsein ausgerichtet und dafür auf vieles verzichtet.

"Ich will kein Arzt mehr sein"

Am Ende dieses langen Ausbildungswegen sehen sich viele vor einer neuen Realität: Viel Bürokratie, wenig Zeit für die PatientInnen, Überlastung, schlechte Patientenversorgung, leidendes Privatleben und somit ein viel zu geringes Wohlbefinden als Arzt und auch als Mensch. Kein Wunder, dass viele MedizinerInnen Gedanken haben wie: "Ich möchte kein Arzt mehr sein". Viele ÄrztInnen stehen unter solch enormen Druck, dass sie sich nur schlecht mit dem Gedanken anfreunden können, bis zur Rente Mediziner zu bleiben.

Gestresst wirkende Ärztin stützt ihren Kopf auf ihre Hände.

Zu viel Stress kann krank machen – psychisch und physisch

Arztberuf, Familie und Freizeit

Natürlich kommt dieser Druck auch von den langen Arbeitszeiten, die dazu führen, dass man keine Zeit mehr für sich selbst, die Familie und Freunde hat. Bei einer Umfrage des Marburger Bundes gaben 75 Prozent der ÄrztInnen an, dass ihr Familienleben unter dem Arztberuf leidet.

Unser Leben wird aber von sozialen Kontakten geprägt und wir müssen Zeit in Freundschaften und familiäre Beziehungen investieren, damit es uns gut geht. Durch Schichtdienst, Überstünden, den Druck und die zu geringen Ausgleichsmöglichkeiten ist es für ÄrztInnen jedoch schwierig, Freundschaften und andere Beziehung aufrecht zu erhalten. Doch genau diese brauchen wir aber dringend für unsere mentale Gesundheit.

Die Verantwortungen und Aufgaben im Krankenhaus- und Praxisalltag können ÄrztInnen nur bewältigen, wenn sie unterstützt werden und auf ein stabiles soziales Netzwerk zurückgreifen können. Wenn man nicht genug Zeit für Freunde und Familie hat, setzt man seine Gesundheit aufs Spiel und es gibt viele Studien, die belegen, wie wichtig der soziale Ausgleich ist. Soziale Isolation ist ein enormer Risikofaktor für viele Kreislauferkrankungen und steht auf gleicher Stufe wie andere Risikofaktoren wie z. B. erhöhter Blutdruck, Übergewicht und Rauchen.

Arztberuf und die eigene Gesundheit

Der Mangel an ausreichen sozialen Kontakten und Freizeit in Verbindung mit dem konstanten Druck führen häufig zu chronischem Stress. Viele KollegInnen leiden bereits an gesundheitlichen Problemen wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Genauer gesagt geben 74 Prozent der ÄrztInnen in der Umfrage des Marburger Bundes an, dass ihre Gesundheit durch den Stress als Arzt beeinträchtigt ist.

Aber chronischer Stress kann weitaus schlimmere Folgen haben als Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Stress kann ernsthaft krank machen und zu schweren Depressionen oder Burnout führen. Und laut Marburger Bund waren 15 Prozent der angestellten ÄrztInnen schon einmal in psychotherapeutischer Behandlung.

Stress wirkt sich übrigens nicht nur negativ auf die Psyche aus, er kann auch die Durchblutung beeinflussen und sich dadurch negativ auf Organfunktionen und das Immunsystem auswirken. Auch der Zwang zum Perfektionismus und der daraus resultierende Druck sind sicherlich schwerwiegende Gründe, wieso jeder fünfte Arzt in Deutschland über einen Berufswechsel nachdenkt.

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Pharmaindustrie als Alternative zum Arztberuf

Die Pharmaindustrie bietet für Ärzte und Ärztinnen viele Vorteile, darunter gute Jobperspektiven, Aufstiegschancen und finanzielle Sicherheit. Wen Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente genauso faszinieren wie betriebswirtschaftliche Fragen, für den ist die Pharmaindustrie richtig.

Pharmaunternehmen bieten ÄrztInnen eine breite Auswahl an Funktionen. ÄrztInnen können beispielsweise in der Entwicklung neuer Medikamente oder auch der Qualitätssicherung arbeiten. Durch ihr medizinisches Know-how sind sie auch als Medical Advisor, also als Berater, bei Pharmaunternehmen sehr gefragt. Wer als Arzt oder Ärztin Interesse an der Projektleitung hat, kann auch Teil des Managements eines Pharmabetriebs werden.

Forschung als Alternative zum Arztberuf

Viele Ärzte und Ärztinnen wenden sich im Laufe ihrer Karriere voll und ganz der Forschung zu. Dabei können sie in der klinischen Forschung arbeiten, um neue Therapieformen zu entwickeln. Dies findet häufig in enger Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Pharmafirmen statt. Für FachärztInnen sind zudem Clinician-Scientist-Programme interessant, hier können Forschung und Klinikalltag miteinander verbunden werden.

Wer sich eher für die molekularen Ursachen von Krankheiten interessiert, der ist in der Grundlagenforschung gut aufgehoben. ÄrztInnen können hierfür beispielsweise als GruppenleiterIn von Forschungsgruppen an Universitäten arbeiten. Wissbegierige MedizinerInnen, die viel Engagement mitbringen und etwas in der Medizin bewirken wollen, sind wiederum im Labor gut aufgehoben.

Ärztin im Gespräch mit einer Patientin

Als Betriebsarzt arbeitet man vor allem präventiv

Betriebsarzt als Alternative zum Arztberuf

Wer sich als Arzt für präventive und ganzheitliche Arbeit interessiert, für den ist eine Position als Betriebsarzt oder Betriebsärztin in einem Unternehmen eine gute Alternative zum Klinikalltag. Aufgaben von BetriebsärztInnen sind es, die MitarbeiterInnen eines Unternehmens zu versorgen und zu beraten, sodass es zu keinem Arbeitsausfall oder anderen Problemen kommt.

Außerdem haben Betriebsärzte und -ärztinnen eine Beraterfunktion dem Arbeitgeber gegenüber. Vor allem auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit und der menschengerechten Arbeitsgestaltung. Um die umfassenden Aufgaben eines Betriebsarztes gut zu meistern, sind effektives Arbeiten, Organisation und Verantwortungsbewusstsein wichtig. Hier finden Sie weitere Informationen rund um das Thema: Wie werde ich Betriebsarzt?

Medizinjournalismus als Alternative zum Arztberuf

Interessieren Sie sich für Journalismus? Haben Sie vielleicht schon seit dem Studium Interesse am Schreiben? Dann könnten Sie darüber nachdenken, als Medizinjournalist zu arbeiten. Auch im Bereich des Medizinjournalismus gibt es viele verschiedene Tätigkeitsfelder für ÄrztInnen. ÄrztInnen können zum Beispiel für Verlage arbeiten und an Lehrbüchern mitschreiben oder Lehrmaterial erstellen. Außerdem können Sie in Pressestellen großer Kliniken und Gesundheitsbehörden oder PR-Agenturen arbeiten. Natürlich sind Medizinjournalisten auch gefragt, um neueste Erkenntnisse für die Bevölkerung verständlich zu erklären. Dies geschieht häufig auf Onlineplattformen von Zeitschriften.

Alternativen zum Arztberuf sind keine Garantie fürs glücklich sein!

Für Ärzte und Ärztinnen, die sich nach neuen Herausforderungen sehnen, gibt es eine Vielzahl an interessanten Berufsalternativen. Wer allerdings den Beruf nur wechseln will, um ein stressfreieres Leben zu führen, der muss vorsichtig sein. Natürlich bieten die oben genannten Alternativen einige Vorteile gegenüber dem Klinikalltag – sie sind jedoch keine Garantie dafür, dass man glücklicher wird oder dafür, dass die Probleme, wegen derer man das Arztsein aufgibt, weniger werden. Viele KollegInnen, die sich beruflich umorientiert haben, vermissen den Patientenkontakt.

In der Forschung und Pharmaindustrie muss man darüber hinaus sehr geduldig sein. Erfolge zeigen sich oft erst nach einigen Jahren. Außerdem sind die Arbeitszeiten in der Forschung letztlich meist genau so umfangreich wie in der Klinik, wenn auch flexibler. Wer als Medizinjournalist oder in der Forschung arbeiten will, der muss sich auch auf viel Frustration und Konkurrenzkampf einstellen – vor allem der Einstieg in diese Berufsfelder ist anstrengend und verlangt der psychischen Gesundheit viel ab. Man muss sich also fragen, aus welchen Gründen man den Arztberuf verlässt und ob man nicht doch als Arzt glücklich werden kann.

Wie man doch glücklich Arzt sein kann

Glücklich und gesund Arzt sein ist möglich! Liebe Arztkolleginnen und Arztkollegen, an dieser Stelle möchte ich gerne einen persönlichen Appell an Sie richten, das Arztsein nicht aufzugeben. Nicht, weil wir es unseren PatientInnen, KollegInnen oder irgendwem anders schulden – sondern weil wir es uns selbst schulden. Gerade für uns sollten wir einen Weg einschlagen, der uns erlaubt, glücklich, gesund und ausgeglichen Arzt zu sein! Wir haben nicht unsere Schulzeit, unsere Studienzeit, unser PJ und unsere Assistenzarztzeit dafür aufgeopfert, um am Ziel kaputt zu gehen. Unser Wohlbefinden und ein erfülltes Privatleben sind unbedingt notwendig, um weiter Arzt sein zu können und zu wollen.

Viele der Vorteile, aufgrund derer wir das Arztsein aufgeben wollen, können wir auch als Arzt bekommen. Lassen wir daher das Arztsein, das uns krank und unglücklich macht, hinter uns für eine Form des Arztberufes, die mehr Freizeit, geregelte Arbeitszeiten, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Vieles mehr bietet.

Das doctari-Team hilft Ihnen dabei. Wir finden gemeinsam heraus, wie Ihre beruflichen und privaten Ziele zusammenpassen müssen, damit Sie glücklich Arzt sein können. Wir verhelfen Ihnen zu genau der Arztstelle, die ideal zu Ihren Bedürfnissen passt, zum Beispiel als Vertretungsarzt mit den von Ihnen gewünschten Arbeitszeiten, Einsatzorten und Ausgleichsmöglichkeiten.

Glücklich und gesund Arzt sein ist möglich! Wir zeigen Ihnen wie und entlasten Sie auf dem gesamten Weg dorthin.

Titelbild: iStock.com/SDI Productions

Autor

Kim Kernbichler

Arzt und Executive Vice President Candidates bei doctari

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