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Faktencheck 2024: Pflege und ihre größten Herausforderungen

Mehrere Pflegekräfte im Kasack sitzen nebeneinander auf einer Bank in einem Krankenhausflur.
Sabine Stahl | 25.4.2024 | Lesedauer: 4 Minuten

Der Pflegeberuf ist erfüllend, aber auch fordernd. Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden. Wir schauen uns deshalb den Job samt den größten Herausforderungen genauer an.

Niemand möchte krank oder pflegebedürftig sein. Logisch. Doch früher oder später sind wir fast alle zumindest für einen bestimmten Zeitraum auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen, sei es im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder zu Hause. Das bedeutet: Wir alle brauchen professionelle Pflegekräfte, Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, OP-Personal, Altenpflegekräfte, Hebammen oder andere Pflegefachkräfte. Das ist für uns Grund zu fragen: Wie geht es den Pflegenden in ihrem Job? Welche Probleme haben Pflegekräfte und was sind die größten Herausforderungen in der Pflege?

4 große Herausforderungen für die Pflege

1. Fachkräftemangel

Bereits heute fehlt eine große Menge an Personal im Bereich Pflege – und dieser Mangel wird noch weiterwachsen, allein schon aufgrund der steigenden Zahl an Pflegebedürftigen und dem damit einhergehenden steigenden Bedarf an Personal. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2049 rund 2,15 Millionen erwerbstätige Pflegekräfte benötigt. Das ist ein Drittel mehr als 2019. Die Prognose geht davon aus, dass es zu diesem Zeitpunkt 1,87 Millionen Pflegekräfte geben wird. Somit fehlen 280.000 Fachkräfte.

Der DAK-Pflegereport zeigt, unter welchen Krankheiten Pflegekräfte besonders oft leiden

2. Arbeitsbedingungen in der Pflege

Der Fachkräftemangel auf der einen Seite steht einer Vielzahl an unzufriedenen Pflegekräften gegenüber. Und diese Unzufriedenheit könnte dazu führen, dass diese Pflegekräfte ihren Job aufgeben. Diverse Stimmungsbarometer zeigen, dass tatsächlich viele Pflegende darüber nachdenken, auszusteigen. Dadurch würde sich die Situation in den Kliniken und Krankenhäusern noch verschärfen. Doch warum genau sind Pflegekräfte unzufrieden? Laut der Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ ist die fehlende Zeit für die Pflege am Patienten oder an der Patientin einer der häufigsten Gründe. Aber auch das Gehalt in der Pflege empfinden viele Pflegekräfte als nicht ausreichend, hinzu kommt die schlechte Planbarkeit aufgrund nicht verlässlicher Dienstpläne.

3. Das Alter der Beschäftigten in der Pflege

Während heute schon viele Pflegekräfte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen fehlen, stehen gleichzeitig viele Beschäftigte kurz vor ihrer Rente. 15 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind 60 Jahre oder älter, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes. Etwas mehr als ein Viertel sind 50 bis 60 Jahre alt, 21 Prozent sind zwischen 40 und 50 Jahre.
Betrachtet man allein die Pflegekräfte, sind die Aussichten noch düsterer. Laut dem DAK-Pflegereport 2024 sind rund ein Drittel aller Pflegekräfte in Deutschland 50 Jahre oder älter. Mehr als 20 Prozent der Pflegenden erreichen bereits in den nächsten 10 Jahren das Rentenalter. In einzelnen Bundesländern wie etwa in Bremen liegt der Anteil sogar bei 26,5 Prozent.

4. Mehr Alte, weniger Pflegekräfte

Während auf der einen Seite ohnehin schon viele Fachkräfte fehlen, steigt gleichzeitig die Zahl der Menschen, die pflegebedürftig werden. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden und eine Großzahl von Senioren einer schrumpfenden Zahl von jungen Fachkräften gegenüberstehen. So stieg der Altenquotient in Deutschland, also die Zahl der Rentner und Rentnerinnen im Verhältnis zu Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren, stark an. 1979 gab es 27 RentnerInnen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Im Jahr 2010 waren es 33,8, im Jahr 2020 dann bereits 36,9 RentnerInnen. Zwei Jahre später, 2022, lag der Quotient bei 37,4. 

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3 Fakten aus dem Bereich der Pflege

1. Nachwuchs für den Pflegeberuf

Im Jahr 2020 wurde die Pflegeausbildung reformiert. Seither gibt es eine zweijährige gemeinsame Ausbildung für alle Pflegeberufe. Im Anschluss können sich die Azubis spezialisieren, entweder in Richtung Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege. Alternativ können sie auch die generalistische Ausbildung fortsetzen und den Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann anstreben. Im Jahr 2022 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 52.100 Personen eine Ausbildung in der Pflege begonnen. Das entspricht einem Minus von 7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021. Von den 52.100 Personen waren 38.600 Frauen und 13.500 Männer. Insgesamt befanden sich Ende 2022 über alle Ausbildungsjahre hinweg mehr als 140.000 Personen in der Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann.

2. Die Zahl der Beschäftigten in der Pflege

Lange Zeit stieg die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen an. Im Jahr 2022 blieb sie jedoch nahezu konstant, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Demnach waren Ende 2022 etwa 6,0 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. Das entspricht einem kleinen Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Pflegekräften gab es einen etwas stärkeren Anstieg – und zwar um 1,1 Prozent auf 515.000 Pflegekräfte im Krankenhaus.

Zahl der Beschäftigten im Überblick:

  • ~ 734.000 Beschäftigte in Arztpraxen
  • ~ 557.000 Beschäftigte in Praxen sonstiger medizinischer Berufe wie Physiotherapie oder Ergotherapie
  • ~ 515.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern
  • ~ 474.000 Beschäftigte in sonstigen Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • ~ 243.000 Beschäftigte in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen
  • ~ 184.000 Beschäftigte in der ambulanten Pflege

3. Das Gehalt in der Pflege

Das Gehalt in der Pflege hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Vom Arbeitgeber, der Region und von der eigenen Berufserfahrung. Die Bundesagentur für Arbeit gibt ein mittleres Gehalt von 3.944 Euro pro Monat für ausgebildete Pflegefachkräfte an. Als Gesundheits- und Krankenpflegehelfer beträgt das mittlere Gehalt 2.991 Euro (Stand: 2024).

Bianca Kohl im blauen Kasak lächelt in die Kamera.

Ohne Zeitarbeit wäre ich nicht mehr in der Pflege

Bianca Kohl kennt die Herausforderungen im Bereich der Pflege. Sie war viele Jahre festangestellte Krankenschwester für Intensivpflege. Doch irgendwann möchte sie ihr Leben verändern, ohne ihren Beruf aufzugeben. Sie wechselt in die Zeitarbeit Pflege und arbeitet seither als Leasingkraft für doctari. Dieser Schritt hat ihr Leben zum Positiven verändert, wie sie hier im Interview „Ich hatte noch nie im Leben eine so geile Zeit wie jetzt“ erzählt.

Titelbild: iStock.com/monkeybusinessimages

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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