Der Arztberuf: Früher und heute

Das Arztbild im Wandel der Zeit

Der Arztberuf im Wandel der Zeit
30.11.2022 | Lesedauer: 4 Minuten

Der Arztberuf gehört zu den ältesten Professionen der Geschichte. Im Laufe der Zeit hat er sich häufig gewandelt, doch nie so rasant wie in den vergangenen 30 Jahren.

Der Arztberuf: Seit der Antike bekannt

Skelettfunde bezeugen, dass bereits in der Steinzeit Kranke gepflegt, Frakturen behandelt und sogar Schädel trepaniert wurden. Zuständig hierfür waren SeherInnen, HeilerInnen und SchamanInnen. Mit dem Sesshaftwerden des Menschen vor rund 10.000 Jahren entwickelte sich aus diesen Ständen der Arztberuf. Schon in der Antike gab es Schulen für Ärzte, die sich bezüglich der Wissensvermittlung an verschiedenen ärztlichen Theorien und philosophischen Strömungen orientierten.

Die moderne Arztausbildung begann im 18. Jahrhundert im Zuge der Erweiterung des naturwissenschaftlichen Wissens. Die Einführung von systematischem, praktischem Unterricht und der Fortschritt der Medizin, vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ließen die Fähigkeiten und das Ansehen der überwiegend männlichen Ärzte steigen. Als „Halbgötter in Weiß“ bestimmten sie fortan gemeinsam mit Pfarrern, Lehrern und Politikern das Leben der Gesellschaft.

Chefärztinnen und Chefärzte genießen das höchste Ansehen

Zwar haben MedizinerInnen diesen Status als der Spitze der Gesellschaft heutzutage nicht mehr inne, dennoch gehört der Arztberuf in Deutschland weiterhin zu den Metiers mit dem höchsten gesellschaftlichen Ansehen. Die höchste Reputation genießen dabei diejenigen, die in der Krankenhaushierarchie am weitesten oben stehen, also Chefärzte und Chefärztinnen, oder die Angehörige der Fachrichtungen Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Orthopädie sind.

An der Spitze der Krankenhaushierarchie steht die Chefärztin oder der Chefarzt.

An der Spitze der Krankenhaushierarchie steht die Chefärztin oder der Chefarzt.

Der Arztberuf heute: Mehr PatientInnen, weniger Freiheiten

In früheren Zeiten war es die Hauptaufgabe von Ärztinnen und Ärzten, sich um ihre PatientInnen zu kümmern. Ihre Arbeit war dabei in aller Regel sehr autonom. Niemand stand über den Ärztinnen und Ärzten und sie mussten niemandem Rechenschaft über ihr Tun ablegen. Ihre Entscheidungen wurden weder hinterfragt noch infrage gestellt. Ob im Guten oder im Schlechten: Sie hatten die volle Kontrolle über ihre berufliche Tätigkeit.

Technologischer Fortschritt beeinflusst den Arztberuf massiv

Diese Autonomie für das ärztliche Tun gibt es heutzutage in dieser Form kaum noch. Die Rolle der Ärztin und des Arztes hat sich vor allem in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Die Gründe hierfür sind:

  • neue gesundheitspolitische und wirtschaftliche Strukturen und Weichenstellungen
  • begrenzte Budgets
  • die Ausrichtung am Wettbewerb
  • einen immer rasanteren medizinischen und technologischen Fortschritt

Untersuchten ÄrztInnen ihre PatientInnen früher mit ihren eigenen Sinnen und verbrachten hin und wieder freiwillig eine Nacht im Krankenhaus, um besonders schwere Fälle zu betreuen, gehören die Arbeit mit Computern, Robotern und Hightech sowie der Schichtdienst bei vielen ÄrztInnen zum Alltag. Hinzu kommt, dass die Zahl der PatientInnen und der Verwaltungsaufwand im Vergleich zu früher deutlich gestiegen sind. Dadurch wuchsen auch Stress und Belastung für die MedizinerInnen.

Hohe Belastung führt häufig zu psychischen Erkrankungen

Schon vor Beginn der Corona-Pandemie sahen sich viele ÄrztInnen an der Grenze des Machbaren. Zu wenig Zeit für die einzelnen PatientInnen, häufig zu wenig Schlaf, hoher Druck, kaum Freizeit und somit eine schlechte Work-Life-Balance. Nicht ohne Grund leiden MedizinerInnen deutlich häufiger an depressiven Störungen, Burn-out und Suchtproblemen als die Durchschnittsbevölkerung.

Ein Ende dieser massiven Belastung ist aktuell nicht in Sicht. Schon in zehn Jahren werden über vierzig Prozent der Arztstellen nicht mehr besetzt sein. Eine Entwicklung, die kaum aufzuhalten ist und riesige Versorgungslücken zur Folge haben wird. Das wiederum bedeutet eine noch höhere Belastung für die verbleibenden MedizinerInnen.

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Die Herausforderungen der Zukunft und mögliche Lösungen

Angesichts dieser Aussichten werden der Arztberuf und sein berufliches Umfeld in den kommenden Jahren zahlreichen weiteren Veränderungen unterworfen sein. Wohin genau die Reise letztlich geht, muss sich erst noch zeigen. So würde eine Akademisierung der Pflegeberufe die Möglichkeit schaffen, ärztliche Aufgaben stärker zu delegieren. Angehörige neuer Berufsbilder wie etwa der Physician Assistants (PAs) könnten Tätigkeiten übernehmen, die bislang ÄrztInnen vorbehalten blieben und diese dadurch entlasten. Zudem geht der Trend hin zu mehr und zu besseren digitalen Systemen, die Diagnosen stellen und Operationen durchführen.

Ein weiterer interessanter Ansatz ist die Telemedizin, die im Zuge der Corona-Pandemie einen rasanten Aufschwung erfuhr. Fanden im Jahr 2019 bundesweit nur knapp 3.000 Videosprechstunden statt, waren es allein im zweiten Quartal 2020 fast 1,2 Millionen. Auch die Zahl der ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen, die eine solche Sprechstunde anbieten, stieg um ein Vielfaches. Waren es im vierten Quartal 2019 gerade einmal 168, nutzten im zweiten Quartal 2020 bereits 31.397 Praxen diese Möglichkeit.

Dass irgendwann „Dr. Roboter“ den Job von ÄrztInnen übernimmt und den Arztberuf überflüssig macht, ist indes nicht zu befürchten. Schließlich kommt es in diesem Metier nicht nur auf medizinisches Wissen an, sondern auch auf Empathie, Mitgefühl und die Fähigkeit, Vertrauen zu vermitteln.

Titelbild: iStock.com/Sergei Pivovarov + iStockcom/whyframestudio

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