Neue Möglichkeiten

Telemedizin verändert Diagnose und Therapie

Patientin hält Tablet in den Händen, auf dem eine Ärztin zu sehen ist
25.7.2022 | Lesedauer: 5 Minuten

Dank der Telemedizin können Diagnosen über weite Entfernungen gestellt werden, ÄrztInnen auf der ganzen Welt können sich austauschen und auf geballtes Fachwissen zugreifen.

Was ist Telemedizin?

Eine einheitliche und in medizinischen Fachkreisen allgemein anerkannte Definition der Telemedizin existiert (noch) nicht. Der Begriff selbst könnte vereinfacht ausgedrückt mit Fernmedizin übersetzt werden. Diese Bezeichnung wird der modernen Telemedizin jedoch nicht gerecht, da die aktuellen Möglichkeiten hinsichtlich Diagnose und Therapie weit über die auch früher bereits üblichen ärztlichen Konsultationen per Telefon hinausgehen.

Prinzipiell handelt es sich immer dann um Telemedizin, wenn in medizinischen oder therapeutischen Praxen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Überwindung räumlicher Distanzen und zur Konsultation von Personen mit besonderem Fachwissen eingesetzt werden. Die Telemedizin berührt mittlerweile praktisch alle medizinischen Fachrichtungen.

Diagnostische und therapeutische Methoden der Telemedizin

Zur angewandten Telemedizin gehört mittlerweile ein breites Spektrum an Verfahren. Dabei geht es fast immer darum, Diagnosen mit Hilfe sogenannter objektiver, meist bildgebender Technik zu stellen. In vielen Fällen können dank der Objektivität der Befunde zusätzlich und ohne großen Aufwand Spezialisten konsultiert oder Zweitmeinungen eingeholt werden.

Neben der Diagnose kann die moderne Telemedizin auch zur Therapie genutzt werden. Dies gilt vor allem dann, wenn bei der Therapie irgendeine Art von Monitoring gefragt ist, beispielsweise bei schlaftherapeutischer Überwachung oder beim Monitoring bestimmter Herzprobleme wie Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen verschiedenster Art. Zur Überwachung des Herzens dienen in solchen Fällen etwa miniaturisierte EKG-Geräte, die Aufzeichnungen speichern, aber auch übertragen können. Einige Modelle übermitteln die Daten per Smartphone.

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Videosprechstunde – so beliebt wie nie

Während der Corona-Pandemie erlebte die ärztliche Videosprechstunde einen regelrechten Aufschwung. Als Ergänzung zur Präsenzsprechstunde kann das virtuelle Gespräch einen wichtigen Beitrag für einen Therapieverlauf leisten. Es funktioniert, rein technisch gesehen, ähnlich wie eine Videokonferenz. Ärztin oder Arzt, Therapeutin oder Therapeut wählen einen zertifizierten Videodienstanbieter. Der Patient oder die Patientin benötigt lediglich einen Computer mit Monitor, Kamera und Mikrofon sowie eine stabile Internetverbindung.

Besonders im ländlichen Raum mit zum Teil langen Anfahrtswegen profitieren Patientinnen und Patienten von dieser Form des Gesprächs, da sie nicht wegen jeder Kleinigkeit den eventuell weiten Weg zu ihrem Arzt auf sich nehmen müssen. Zusätzlich entfallen für Arzt und Patient mögliche Infektions- und Übertragungsrisiken.

Die Videosprechstunde als alleinige Therapieform wurde in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert. Im Frühsommer 2018 beschloss der Deutsche Ärztetag, das bis dahin noch geltende Fernbehandlungsverbot zu lockern, und die Ärztekammer hat das Fernbehandlungsverbot mit bundesweiter Geltung aufgehoben.

Telemedizin – Vorteile für Ärztinnen und PatientInnen

  • Lange Anfahrtswege entfallen. Das spart Zeit und Geld
  • Mögliche Infektions- oder Übertragungsrisiken entfallen
  • Spezialisten können trotz großer Entfernung konsultiert werden
  • Monitoring kann zu Hause in gewohnter Umgebung durchgeführt werden
  • Kontinuierliche Überwachung möglich
  • Patientendaten stehen in Echtzeit zur Verfügung
  • Notrufe oder Alarme möglich
  • Internationaler Austausch und geballtes Fachwissen verfügbar

Mit der Telemedizin in all ihren Formen lässt sich nicht nur Zeit und Geld durch den Wegfall des Anfahrtsweges sparen, sie ermöglicht auch signifikante Therapieverbesserungen. Denn beim Monitoring mit Hilfe der Telemedizin werden die zu überwachenden Parameter in gewohnter Umgebung zu Hause und bei Bedarf kontinuierlich ermittelt. Das hat den Vorteil, dass die Werte direkt aus dem Alltag der Patienten stammen. Denn die meisten Personen reagieren auf fremde Umgebungen wie das Schlaflabor sensibel und weisen einen veränderten Blutdruck und veränderte Herz- und Atemfrequenzen auf.

Ein Vorteil für Arzt, Ärztin oder TherapeutIn besteht darin, dass die Patientendaten bei Bedarf in Echtzeit zur Verfügung stehen. Wenn erforderlich, kann auch beim Auftreten bestimmter Zustände automatisch ein Alarm per Smartphone ausgelöst werden. Erfolg und Fortschritt einer Langzeittherapie lassen sich so deutlich besser beurteilen als bei einer mühsamen Datenakquisition anlässlich des Patientenbesuchs in der Praxis. Ein grundsätzlicher Vorteil der Telemedizin liegt in den Netzwerken, die geballtes, medizinisches Fachwissen enthalten und weltweit zugänglich machen.

Sie möchten als Arzt oder Ärztin in der Telemedizin arbeiten? Dann lesen Sie unseren Beitrag "Als Arzt oder Ärztin in der Telemedizin arbeiten".

Nachteile der Telemedizin

  • Keine Multisensorik beim Gespräch
  • Keine Körpersprache
  • Kein Abhören mit dem Stethoskop möglich
  • Datenschutz als große Herausforderung

Kritiker und Gegner der Telemedizin führen an, dass im Patientengespräch die Multisensorik inklusive körperlicher Berührungen sowie das Abhören mit dem Stethoskop eine wichtige Rolle für die Diagnose spielen. Bei einem Video-Gespräch käme außerdem die Körpersprache des Arztes oder der Ärztin nicht zur Geltung. Diese sei jedoch wichtig für einen Therapieerfolg. Einige Kritiker befürchten, dass beispielsweise mit der Zulassung von Videosprechstunden der hohe Standard der Präsenzsprechstunde unwiederbringlich verlassen wird.

Ärztin untersucht kleines Mädchen mit dem Stethoskop.

Telemedizin und Datenschutz

Bei Gesprächen mit dem Arzt oder der Ärztin geht es häufig um sensible Inhalte. Aus diesem Grund stellt sich bei der Telemedizin die Frage, wie sicher sind diese Daten bei einem Arztgespräch per Videokonferenz. Hinzu kommen schützenswerte Gesundheitsdaten, die aus der Ferne erhoben und übertragen werden. Arbeitgeber, Krankenkassen und die Pharmaindustrie könnten in den Besitz dieser Daten gelangen, was unbedingt vermieden werden muss.

Diagnostisches und therapeutisches Arbeiten mit den apparatemedizinisch erhobenen Daten bei gleichzeitigem Schutz vor unbefugtem Zugriff stellt eine der größten Herausforderungen der Telemedizin dar. Das Problem ist in etwa vergleichbar mit der Entwicklung der Gesundheitskarte, die sensible, persönliche Daten enthält, die ebenfalls vor unbefugtem Zugriff geschützt werden müssen.

Ausblick: Was ist von der Telemedizin zu erwarten?

Schon jetzt ist die Telemedizin in Diagnose, Therapie und sonstiger Patientenversorgung integraler Bestandteil der täglichen Praxis und nicht mehr wegzudenken. Durch die Corona-Pandemie erfuhr die Digitalisierung im Allgemeinen einen enormen Schub, der in den kommenden Jahren anhalten wird. Der technische Fortschritt bei der Hardware mit weiteren Miniaturisierungen erlaubt zukünftig noch kleinere Geräte zur Messung bestimmter Parameter.

Die zugehörige Software wird auch Algorithmen enthalten, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) noch besser werden. All das führt dazu, dass in der Telemedizin der Zukunft nicht nur Daten erhoben und daraus eine Therapie erstellt wird, sondern dass dank der eingebauten KI auch Diagnosen gestellt und Therapien angeboten werden können.

Titelbild: iStock.com/Ridofranz

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