Dokumentarfilm

Krankenhaus mit Concierge und Humidor

Der Neubau der Waldkliniken Eisenberg hat eine Holz-Glas-Fassade.
Sabine Stahl | 22.9.2022 | Lesedauer: 3 Minuten

In Thüringen ist ein ungewöhnliches Krankenhaus entstanden: Hier sollen sich PatientInnen wie Hotelgäste fühlen. Ein Film zeigt die Geschichte dahinter.

Vom Krankenpfleger zum Geschäftsführer

Bio-Essen, drei Restaurants, Kaminfeuer, begehbarer Humidor und ein Concierge: Was nach Wellnesshotel klingt, ist ein kommunales Krankenhaus in Thüringen, allerdings eines mit offizieller Auszeichnung der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Dieser hat den besagten Neubau in die Kategorie „Vier Sterne Superior“ einsortiert.

Die Idee, ein Krankenhaus zu bauen, das den Komfort eines guten Hotels bietet und den Patienten zum Gast macht, stammt von David-Ruben Thies, Geschäftsführer der Waldkliniken Eisenberg. Der gelernte Krankenpfleger ist seit 2008 CEO der Kliniken und hatte eine ganz besondere Vision für den ohnehin anstehenden Neubau des Krankenhauses. Er träumte von einer Klinik mit Hotel-Standard und nannte dies selbst „Patienten-Hotel“. Doch dies ist nur ein Aspekt seiner Vision. Noch viel wichtiger ist es Thies, nach eigener Aussage, die glücklichsten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die zufriedensten Gäste, äh Patienten, zu haben.

David-Ruben Thies vor den Waldkliniken Eisenberg.

David-Ruben Thies ist seit 2008 Geschäftsführer der Kliniken

Synagoge und koschere Küche

Der Blick in den Wald von jedem Zimmer des Rundbaus, die gute Versorgung durch das (glückliche) Pflegepersonal mit wenigen, festen Ansprechpartnern und das Wohlfühlambiente sollen dem Krankenhaus im Idealfall einen nationalen und am besten sogar einen internationalen Ruf bescheren. All das mitten in einer eher strukturschwachen Region. Die kürzlich eröffnete hauseigene Synagoge und die koschere Küche sind eine weitere Besonderheit in der Krankenhaus-Landschaft und sollen auch jüdische Patienten und Patientinnen von weit her in die Kliniken locken.

Wer nun denkt, all das sei ausschließlich für Privatpatienten und Selbstzahler, der irrt. Der vom italienischen Architekten Matteo Thun entworfene Krankenhaus-Neubau mit Lärchenholzfassade ist zwar in erster Linie ein Zentrum für Orthopädie, es gibt im Klinik-Komplex aber auch eine Grundversorgung – und zwar für alle Patientinnen und Patienten. Von 246 Betten sind nur 13 reserviert für Privatpatienten bzw. Selbstzahler, betont Thies.

Dieser Bereich erschien zunächst recht großzügig geplant. Doch heute, zwei Jahre nach der Eröffnung, ist der Bereich, der einen eigenen Concierge hat, ausgebucht. Laut Thies wäre er auch bei der doppelten Anzahl an Betten voll belegt. Häufig seien die PatientInnen dort normale Kassenpatienten, die sich etwas Luxus gönnen.

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Nicht teurer als ein normales Krankenhaus

David-Ruben Thies kann manchmal selbst nicht glauben, dass all das wirklich funktioniert, dass aus seiner Idee und seiner Vision ein reales und vor allem funktionierendes Krankenhaus geworden ist – und all das mitten in der Pandemie und für das gleiche Geld wie ein herkömmlicher Neubau. Das moderne Bettenhaus in Eisenberg hat nach Angaben der Kliniken 62,5 Millionen Euro gekostet. „Damit ist es pro Quadratmeter nicht teurer als ein gängiger Krankenhaus-Neubau in gleicher Größe“, betonte der Geschäftsführer bei der Eröffnung des Neubaus im Herbst 2020.

Ein ungewöhnlicher Weg, eine besondere Idee und ein willensstarker Manager: Die Regisseurin Antje Schneider hat gemeinsam mit Kameramann Carsten Waldbauer Thies' Weg von der Vision zum fertigen Krankenhaus über mehrere Jahre begleitet. Das Ergebnis heißt „Vier Sterne plus“, ein 94-minütiger Dokumentarfilm, der im April 2022 in den deutschen Kinos lief und aktuell in der Mediathek des ZDF zu sehen ist.

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Titelbild: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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