Anzeichen, Ursachen und Prävention

Burnout in der Pflege

Eine Pflegerin sitzt auf dem Boden und stützt den Kopf mit ihren Händen
Sabine Stahl | 7.1.2023 | Lesedauer: 6 Minuten

Das Risiko für einen Burnout als Pflegekraft ist doppelt so hoch wie in der restlichen Bevölkerung. Tendenz steigend.

In Deutschland arbeiten rund 1,8 Millionen Menschen in der Kranken- und Altenpflege. Sie kümmern sich um Menschen, die aufgrund einer Erkrankung, Behinderung oder aufgrund ihres hohen Alters auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Diese Arbeit von Krankenschwestern, Krankenpflegern, AltenpflegerInnen, Hebammen und NotfallsanitäterInnen ist nicht nur körperlich belastend, sondern auch emotional.

Das hat Folgen für die eigene Gesundheit derer, die eigentlich für andere da sein wollen: Das Risiko für einen Burnout in der Pflege ist überdurchschnittlich hoch. Das zeigt eine Studie der AOK aus dem Jahr 2021. Die Krankenkasse stützt ihre Angaben auf rund 700.000 ausgewertete Krankmeldungen und den daraus hervorgegangenen Krankheitstagen in Zusammenhang mit Burnout.

So verzeichnete die AOK im Jahr 2021 je 100 Mitglieder 28,2 Fehltage bei Pflegekräften wegen Burnout. Über alle Berufe hinweg betrug die Fehlzeit 14,2 Tage – und somit etwa die Hälfte. Dass dies keine Ausnahme, sondern vielmehr ein Trend ist, zeigt das kontinuierliche Wachstum der Fehlzeiten von Pflegekräften mit Burnout seit dem Jahr 2013 von 20 auf 28,2 Tage.

Gestresst wirkende Krankenschwester stützt ihren Kopf auf ihre Hände.

Was ist ein Burnout?

Unter Burnout, egal ob bei Pflegekräften oder allgemein, versteht man eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen vor allem unter einer anhaltenden Erschöpfung leiden. Diese ist meist auf privaten und beruflichen Stress zurückzuführen. Eine eindeutige Definition von Burnout gibt es jedoch nicht, ebenso wenig wie ein klares Krankheitsbild. Besonders häufig fühlen sich die Betroffenen, so wie der Name der Erkrankung sagt, ausgebrannt und überfordert, sind erschöpft und gereizt.

Der Begriff Burnout in Zusammenhang mit der hier beschriebenen psychischen Erkrankung wurde aufgrund der Veröffentlichung „Staff Burnout“ von Herbert Freudenberger aus dem Jahr 1974 bekannt. Die Grundlage hierfür waren seine Beobachtungen während einer Tätigkeit in einer Klinik. Das heißt, die ersten als solche bezeichneten Fälle bezogen sich auf Burnout in der Krankenpflege. Bis heute gibt es auffällig viele Fälle von Burnout in der Pflege.

Bessere Pflegejobs in Zeitarbeit

Pflegeberufe können krank machen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. In der Zeitarbeit nehmen viele PflegerInnen die Chance wahr, wieder mehr Kontrolle über ihre Work-Life-Balance zu bekommen, mehr Geld zu verdienen, und mehr.

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Wie erkennt man einen Burnout?

Die Anzeichen eines Burnouts – in der Pflege oder in anderen Berufen ­– können sehr unterschiedlich ausfallen. Deshalb ist es wichtig, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu sprechen. Besonders oft tritt der bereits erwähnte Erschöpfungszustand auf. Das kann sowohl körperlich als auch emotional oder psychisch gelten. Je länger und schwerer der Burnout verläuft, umso massiver werden die Symptome, die im Extremfall sogar zu Suizidgedanken führen können.  

Typische Anzeichen für einen Burnout in der Pflege sind unter anderem:

  • Gereiztheit
  • Zynismus
  • Gleichgültigkeit
  • Reduzierte Leistungsfähigkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Mitleidsmüdigkeit (Compassion Fatigue) und Distanzierung zu den Pflegebedürftigen
  • Angstzustände
  • Aggressionen

Wie die meisten psychischen Erkrankungen kann auch ein Burnout in der Pflege psychosomatische Beschwerden hervorrufen.

Psychosomatische Symptome von Burnout sind unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit
  • Hoher Blutdruck
Ursachen für Burnout in der Pflege Schaubild

Ursachen Burnout in der Pflege: Was sind die Gründe?

Jeder Mensch geht auf seine eigene Weise mit Stress um. Deshalb kann es sein, dass eine Pflegekraft aufgrund des Drucks in ihrem Beruf an einem Burnout erkrankt, während andere KollegInnen mit genau der gleichen Belastung nicht erkranken. Von diesem persönlichen Risikofaktor für einen Burnout in der Pflege abgesehen, gibt es noch weitere, äußere Faktoren, die die Gefahr erhöhen.

Wie bereits erwähnt, ist das Risiko für einen Burnout bei Pflegekräften im Vergleich zu Menschen mit anderen Berufen deutlich erhöht. Woran liegt das? Woher kommt der Zusammenhang vom Beruf als Krankenschwester und Burnout? Warum gibt es so viele Fallbeispiele für Burnouts bei Krankenschwestern? Gilt das Gleiche für Burnout und Altenpflege? Wir haben im Folgenden 10 Gründe für das hohe Risiko eines Burnouts bei Pflegekräften aufgelistet.

#1 Seelische Belastung
Pflegekräfte sehen viel menschliches Leid, wie Krankheit, Schmerz und Tod. Da viele von ihnen sehr empathische Menschen sind, bedeutet das in den meisten Fällen erhöhten emotionalen Stress und somit ein hohes Risiko für einen Burnout beim Pflegepersonal.

#2 Hohe Arbeitsbelastung
Aufgrund von Personalmangel und gleichzeitig wachsender Zahl an Pflegebedürftigen ist die Arbeitsbelastung in der Pflege hoch. Dies äußert sich in Überstunden und in der Zahl der PatientInnen, für die eine Pflegekraft während ihres Dienstes zuständig ist. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Burnout im Pflegeberuf führen.

#3 Körperliche Belastung
Der Pflegeberuf kann körperlich sehr anstrengend sein, etwa bei der Grundpflege von Bettlägerigen. Hinzu kommen Schichtdienst und Nachtschichten, die ebenfalls körperlich belastend sind.

#4 Mangelnde Wertschätzung
Gerade in Pflegeberufen, in denen sich Menschen aufopferungsvoll um andere Menschen kümmern, mangelt es oft an der Anerkennung für die herausfordernde Arbeit. Dies gilt ebenfalls als Risiko für einen Burnout in der Pflege.

#5 Zu geringe Vergütung
Das Thema mangelnde Anerkennung spiegelt sich auch beim Gehalt wider. Trotz der hohen Arbeitsbelastung und der hohen Verantwortung gelten Pflegende, vor allem Altenpflegerinnen und Altenpfleger, als vergleichsweise schlecht bezahlt. Tatsächlich variiert das Gehalt stark je nach Ausbildung, Erfahrung und Arbeitgeber (Link Gehaltsstudie).

#6 Schlechte Work-Life-Balance
Vor allem die Schichtarbeit, aber auch die vielen Überstunden erschweren oft ein gut strukturiertes Privatleben. So gerät häufig die Balance von Arbeit und Freizeit beim Pflegepersonal in eine Schieflage.

#7 Unzufriedene PatientInnen
Zu all diesem Druck können Pflegekräfte auch aufgrund von unzufriedenen PatientInnen leiden. Fühlen sich diese nicht gut genug oder ungerecht behandelt, reagieren sie häufig aggressiv. Das kommt vor allem dann vor, wenn sich Personen in einer Ausnahmesituation befinden. Aus diesem Grund sind NotfallsanitäterInnen und MitarbeiterInnen in der Notfall- und Intensivmedizin häufig Opfer von Aggressionen. Auch ein Burnout in der Intensivpflege kommt häufig vor.

#8 Profit
Eine große Diskrepanz der Werte zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn kann ebenfalls eine Ursache für Burnout in der Pflege sein. Bei einer Studie zum Thema „Ärzte und Burnout“ von Medscape gab fast jeder dritte befragte Arzt an, dass er darunter leide, dass der Fokus zunehmend auf Profit und weniger auf dem Wohl der PatientInnen liege. Pflegende sind vom gleichen Problem betroffen.

#9 Zu viel Bürokratie
Eine weitere Ursache für das Gefühl anhaltenden Stress kann ein hoher bürokratischer Aufwand sein. So haben Pflegekräfte häufig das Gefühl, nicht genügend Zeit für ihre PatientInnen zu haben.

#10 Schlechte Stimmung
Ständig unterbesetzte Stationen und anhaltender Stress können die Stimmung im Team trüben. Statt sich gegenseitig zu unterstützen, kann es auch hier zu aggressivem Verhalten führen.

Burnout Pflegekräfte: Wie kann man vorbeugen?

Um einem Burnout vorzubeugen, muss ein gesundes Verhältnis von Arbeit und Freizeit bestehen, also eine gute Work-Life-Balance. Wer allerdings in einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim arbeitet, hat häufig Schwierigkeiten, sein Privatleben trotz Schichtdienst zu organisieren und ein normales und zufriedenstellendes Privatleben zu führen.

Doch angesichts von Fachkräftemangel, Überstunden und wachsender Zahl an PatientInnen wird die Arbeitsbelastung weiter steigen. Die Folge: Pflegekräfte fallen zunehmend aufgrund von Krankheit aus oder geben ihren Beruf ganz auf. Für die Verbleibenden verschärft sich die Situation weiter.

Burnout und Stress in Pflegeberufen: Das kann man dagegen tun

Um jedoch weiterhin gesund und leistungsfähig zu bleiben, müssen auch Pflegekräfte auf sich selbst achten. Aufgrund des erhöhten Risikos für einen Burnout in der Pflege sollten alle Pflegefachkräfte gut auf sich aufpassen und auf erste Warnsignale reagieren. Um Stress abzubauen, kann es notwendig sein, die Arbeitszeit zu reduzieren. Dies kann zum Beispiel durch einen Wechsel in die Zeitarbeit gelingen, die mehr Autonomie und mehr Wertschätzung bringt und zudem längere Auszeiten ermöglicht.

Auch das Thema Achtsamkeit spielt bei der Prävention eines Burnouts in der Pflege eine Rolle. Kleine, kurze Meditationen können sogar in einen stressigen Krankenhausalltag integriert werden.  

Titelbild: iStock.com/PeopleImages

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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