Pflege-Leasing trägt zur Stabilisierung von Klinikabläufen bei. Pflegefachkräfte wählen es vor allem wegen mehr Flexibilität, Planbarkeit und Selbstbestimmung sowie aus finanziellen Gründen. Wechselnde Einsätze fördern die fachliche Entwicklung, erfordern jedoch Anpassungsfähigkeit. Entscheidend für die Zufriedenheit sind gute Rahmenbedingungen, insbesondere Wertschätzung und klare Abläufe.
Leasing in der Pflege ist ein viel diskutiertes Modell – ökonomisch, organisatorisch und emotional. Doch jenseits von Grundsatzdebatten stellt sich eine naheliegende Frage: Was bewegt Pflegekräfte selbst dazu, diesen Berufsweg zu wählen? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir drei Pflegekräfte aus unterschiedlichen Bereichen interviewt – eine OP- und Anästhesieschwester, eine Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie sowie eine Pflegepädagogin, die zeitweise im Leasing gearbeitet hat. Ihre Erfahrungen zeichnen ein differenziertes Bild zwischen Selbstbestimmung, Belastung und professioneller Neugier.
Die Zahlen zeigen: Von rund 1,83 Millionen Beschäftigten in Pflegeberufen sind laut Bundesagentur für Arbeit deutlich unter zwei Prozent bei Personaldienstleistern angestellt. Im Jahresdurchschnitt 2024 waren es rund 37.000 Leiharbeitende, etwa 6.000 weniger als im Vorjahr. Quantitativ bleibt Leasing damit ein Randphänomen. In vielen Kliniken jedoch trägt es maßgeblich zur Stabilisierung des Betriebs bei. Die individuellen Beweggründe, im Leasing zu arbeiten, sind dabei – jenseits der Systemdebatte – oft sehr konkret und eng mit der jeweiligen Lebensphase verbunden.
Freiheit als Schlüsselfaktor
OP- und Anästhesieschwester Sandra schätzt vor allem die Planbarkeit im Leasing. Sie arbeitet in einem Umkreis von bis zu 400 Kilometern rund um Berlin und übernimmt überwiegend Frühdienste. „Ich kann meine Dienste so legen, wie sie zu meinem Leben passen“, sagt sie. Diese Flexibilität ermögliche ihr ausreichend Erholungsphasen, für sie ein entscheidender Faktor in einem Fachbereich, der unter hohem Leistungsdruck steht.
Auch Intensivpflegekraft Maria beschreibt ihre Entscheidung für das Leasing in der Pflege als bewussten Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung. Nach gesundheitlichen Einschränkungen und konflikthaften Erfahrungen in einer Festanstellung suchte sie nach einem Modell, das ihre Bedürfnisse berücksichtigt. „Die Freiheit, mein Leben selbst zu planen, war der ausschlaggebende Punkt“, sagt sie. Keine verpflichtenden Nachtdienste und eine größere Einflussnahme auf Dienst- und Urlaubsplanung – für sie bedeutet das vor allem Stabilität.
Anne, 36, nutzte Leasing als Übergangsmodell während ihres Studiums der Pflegepädagogik. In Festanstellung sei es nicht möglich gewesen, Studienzeiten zu berücksichtigen. „Die freie Dienstplanung war für mich essenziell.“ Heute ist sie in die Lehre gewechselt. Für keine der drei Frauen ist Leasing eine Dauerlösung, sondern ein Instrument zur individuellen Lebensgestaltung.
Finanzielle Attraktivität – aber nicht vorbehaltlos
Neben der Flexibilität spielt auch die Vergütung eine Rolle. Leasingkräfte in der Zeitarbeit verdienen häufig mehr als Festangestellte. Sandra berichtet: „Verglichen mit einer Festanstellung verdiene ich im Leasing mehr. Das liegt in meinem Fall aber auch daran, dass ich spät gelernt habe und dadurch niedrig eingestuft wurde. Ich kann die Berufserfahrung einer Festangestellten nicht mehr aufholen.“ Für sie macht neben einem attraktiven Stundenlohn im Leasing unter anderem auch die Tagespauschale für die Verpflegung den feinen Unterschied.
Marisa hat sich ausgerechnet, dass sie im Leasing über das ganze Jahr durch die geringere Anzahl an Urlaubstagen und das fehlende Weihnachts- und Urlaubsgeld netto in einer Vollzeitstelle etwa 2.000 bis 3.000 Euro mehr verdient. Der Unterschied zu einem festen Gehalt ist sehr viel geringer geworden seit sie im Leasing anfing. Die finanzielle Attraktivität bleibt ein ausschlaggebender Faktor, ist jedoch selten der einzige Beweggrund. „Selbstbestimmung ist für mich wichtiger als das reine Gehalt“, sagt Maria, ein Motiv, das sich durch alle Gespräche zieht.
Berufliche Vielfalt und professionelle Herausforderungen
Der Arbeitsalltag im Leasing ist geprägt von wechselnden Teams, unterschiedlichen Dokumentationssystemen und variierenden Abläufen. Für manche ist genau das ein Reiz. „Man lernt unglaublich viel“, beschreibt Sandra. Unterschiedliche Häuser, neue Kolleginnen und Kollegen, andere Organisationsstrukturen – das erweitere den professionellen Horizont. Wer länger im Modell arbeitet, kennt viele Systeme, Geräte und kann sich rasch einfinden. Gleichzeitig erfordert diese Flexibilität eine mentale Stärke. Anne beschreibt die ständigen Wechsel als „anstrengend, vor allem mental“. Dennoch habe sie die Erfahrung fachlich wachsen lassen. Leasing verlangt Anpassungsfähigkeit und bietet im Gegenzug Einblicke in verschiedene Versorgungsrealitäten.
Leiharbeitskräfte erleben im Einsatz nicht nur Offenheit, sondern auch Vorurteile – etwa zu Qualität, Motivation oder Arbeitsbedingungen. Vier der häufigsten Annahmen im Faktencheck: Was stimmt wirklich?
Wertschätzung als entscheidender Faktor
Ob eine Leasingkraft im Team ankommt, entscheidet sich oft in den ersten Minuten einer Schicht. Wird sie mit einem knappen „Du bist heute für Zimmer 3 bis 8 zuständig“ begrüßt, oder nimmt sich jemand fünf Minuten Zeit für Übergabe, Abläufe, Besonderheiten? Sandra kennt beides. In manchen Häusern werde sie morgens mit einem ehrlichen „Gut, dass Sie da sind“ empfangen. KollegInnen erklärten Abläufe, zeigten Medikamentenschränke, stellten sie im Team vor. „Dann fühlt man sich nicht wie eine Lückenbüßerin, sondern wie Teil der Mannschaft“, sagt sie. In anderen Einsätzen spüre man Distanz. Manche Festangestellte reagierten reserviert, gelegentlich auch skeptisch. „Da steht dann schnell das Vorurteil im Raum, wir kämen nur wegen des Geldes.“ Für Sandra ist deshalb die Vergütung zweitrangig, sondern die Art, wie miteinander gesprochen wird. Klare Zuständigkeiten, transparente Erwartungen, ein respektvoller Ton – das seien die Faktoren, die über Motivation entscheiden. „Wenn ich weiß, woran ich bin, arbeite ich konzentriert und gerne“, sagt sie. Fehle diese Klarheit, koste das unnötig Energie.
Auch Maria beschreibt, wie stark die Führungsebene das Klima prägt. Stationsleitungen, die externe Kräfte selbstverständlich in Teambesprechungen einbinden oder aktiv Feedback einholen, signalisierten Zugehörigkeit. In Häusern hingegen, in denen Hierarchien strikt gezogen und Leasingkräfte nur als kurzfristige Lösung betrachtet würden, entstünden schneller Spannungen – selten wegen des Vertragsmodells, sondern wegen fehlender Kommunikation.
Zwischen Freiheit und Teamzugehörigkeit
Was das Leasingmodell nicht vollständig ersetzen kann, ist das Gefühl langfristiger Zugehörigkeit. „Ein Heimathafen“, nennt es Anne. Teamgeist und gewachsene Zusammenarbeit entstehen meist über Zeit. Für viele Pflegekräfte ist Leasing daher kein Entweder-Oder, sondern eine Phase im Berufsleben. Manche wechseln zurück in feste Strukturen, andere kombinieren Modelle oder bleiben bewusst flexibel.
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Fazit: Wahlfreiheit als Motiv
Die Interviews zeigen ein klares Bild: Pflegekräfte entscheiden sich selten aus reiner Systemkritik für Leasing, sondern aus dem Wunsch nach Selbstbestimmung, Vereinbarkeit und professioneller Autonomie. In einem Arbeitsfeld, das von hoher Verantwortung und zunehmender Verdichtung geprägt ist, wird Flexibilität zu einem zentralen Wert. Leasing bietet hier einen Rahmen, nicht als Allheilmittel, sondern als Option.
Sandra würde KollegInnen raten, sich vor allem Klarheit über die eigenen Grenzen zu verschaffen. „Man sollte wissen, was man leisten kann und was nicht.“ Wer Flexibilität suche, müsse zugleich bereit sein, sich immer wieder neu einzustellen. Offenheit und fachliche Sicherheit seien Voraussetzung, um in wechselnden Teams souverän zu bleiben. Maria empfiehlt, genau hinzuschauen, welcher Anbieter und welche Einsatzorte passen. „Nicht jede Konstellation ist automatisch besser.“ Entscheidend sei, ob Dienstzeiten, Belastung und persönliche Situation wirklich zusammenpassen. Leasing könne entlasten, aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Anne wiederum rät dazu, das Modell nicht als endgültige Entscheidung zu verstehen. „Man darf ruhig in Phasen denken.“ Für sie war Leasing eine Übergangslösung, um Studium und Beruf zu verbinden. Gleichzeitig betont sie, wie wichtig es sei, den Wunsch nach Teamzugehörigkeit nicht zu unterschätzen.
Gemeinsam ist allen dreien der Gedanke: Es geht weniger um das Vertragsmodell als um Gestaltungsspielräume. Solange Kliniken Personalengpässe überbrücken müssen und Pflegekräfte unterschiedliche Lebensrealitäten haben, wird das Modell eine Rolle spielen. Entscheidend bleibt dabei weniger die Vertragsform als die Frage, wie viel Wertschätzung und Flexibilität Pflegekräfte in ihrem Berufsalltag erfahren.
Wechselnde, neue Stationen erfordern Anpassungsfähigkeit, stärken aber auch die berufliche Entwicklung
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FAQ zum Thema Pflege-Leasing
Warum entscheiden sich Pflegefachkräfte für Leasing?
Die häufigsten Gründe sind mehr Selbstbestimmung, Flexibilität und bessere Planbarkeit. Viele Pflegefachkräfte möchten ihre Arbeitszeiten stärker an ihre Lebensphase anpassen, z. B. bei gesundheitlichen Themen, Weiterbildung oder familiären Verpflichtungen. Finanzielle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle, sind aber selten der einzige Auslöser.
Was bedeuten die verschiedenen Begriffe wie ANÜ, Leasing und Vertretungskraft in der Pflege?
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Modell:
- ANÜ (Arbeitnehmerüberlassung) ist der offizielle rechtliche Begriff. Pflegefachkräfte sind bei einem Personaldienstleister angestellt und werden zeitweise an Einrichtungen überlassen.
- Zeitarbeit ist die gebräuchlichste allgemeine Bezeichnung für dieses Arbeitsmodell.
- Leasing wird umgangssprachlich genutzt, insbesondere im Gesundheitswesen.
- Personalleasing ist eine weitere häufig verwendete Variante, vor allem in organisatorischen oder wirtschaftlichen Kontexten.
- Vertretungskraft beschreibt die konkrete Rolle im Einsatz: Pflegefachkräfte übernehmen zeitlich befristet Aufgaben, etwa bei Ausfällen, Vakanzen oder Belastungsspitzen.
- Poolkraft oder SpringerIn werden teilweise ebenfalls verwendet, beziehen sich aber oft auf interne flexible Kräfte innerhalb eines Klinikverbunds.
- Honorarkraft bezeichnet selbstständig tätige Pflegekräfte auf Rechnungsbasis; allerdings hat die Rechtsprechung (u. a. im Kontext von Entscheidungen des Bundesgerichtshof und des Bundessozialgericht) deutlich gemacht, dass Pflege in der Regel nicht als echte Selbstständigkeit anerkannt wird – mit der Folge, dass Honorartätigkeiten in der Pflege heute stark eingeschränkt sind.
Gemeint ist in der Regel immer dasselbe Grundprinzip: Pflegefachkräfte arbeiten flexibel in verschiedenen Einrichtungen, bleiben jedoch bei einem festen Arbeitgeber angestellt. Anbieter wie doctari sorgen dabei für transparente Rahmenbedingungen, klar definierte Einsätze und eine strukturierte Organisation.
Welche Vorteile bietet Leasing im Arbeitsalltag?
Leasing ermöglicht häufig:
- mehr Einfluss auf Dienst- und Urlaubsplanung
- Einsatzvielfalt und fachliche Weiterentwicklung
- oft eine attraktivere Vergütung
Anbieter wie doctari achten zusätzlich darauf, dass Einsätze vorab klar definiert sind und zu Qualifikation und Verfügbarkeit passen.
Welche Herausforderungen bringt Leasing mit sich?
Der Arbeitsalltag ist geprägt von wechselnden Teams, Abläufen und Anforderungen. Das erfordert fachliche Sicherheit, schnelle Anpassungsfähigkeit und eine hohe Eigenverantwortung. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Wer gut begleitet wird und passende Einsätze erhält – etwa über strukturierte Vermittlung wie bei doctari – kann diese Herausforderungen deutlich besser meistern.
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