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Faktencheck: Pflege in Deutschland und ihre größten Herausforderungen

Drei Pflegerinnen und ein Pfleger lächeln in die Kamera.
Sabine Stahl | 12.5.2023 | Lesedauer: 5 Minuten

Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai schauen wir genauer hin: Was sind die größten Herausforderungen der Branche? Welche Entwicklungen gibt es?

Niemand ist gerne auf die Hilfe anderer angewiesen. Doch die meisten Menschen benötigen in ihrem Leben früher oder später für einen gewissen Zeitraum professionelle Unterstützung aus dem Bereich Pflege, sei es im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder zuhause, sei es für einen selbst oder für Angehörige. Kurz gesagt: Wir alle brauchen die Pflegenden. Doch wie genau geht es ihnen? Welchen Problemen stehen sie mit ihrer Branche gegenüber? Wir haben uns die größten Herausforderungen der Pflege angeschaut und fünf interessante Fakten aus diesem Bereich zusammengetragen.

1. Fachkräftemangel

Bereits heute fehlt eine riesige Menge an Personal im Bereich Pflege. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe geht davon aus, dass im Moment 200.000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden müssten, um den Bedarf zu decken. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht von 90 Prozent der Krankenhäuser, die Probleme haben, ihre offenen Stellen auf den Allgemeinstationen zu besetzen. Eine Besserung ist aufgrund des demografischen Wandels nicht in Sicht. Für die Beschäftigten, die aktuell als Pflegekraft arbeiten, verschlechtert sich die Situation somit stetig. Sie leisten viele Überstunden, müssen zusätzliche Schichten übernehmen und es bleibt immer weniger Zeit für die eigentliche Arbeit an den PatientInnen.

2. Arbeitsbedingungen

Der bestehende Fachkräftemangel steht einer Vielzahl an unzufriedenen Pflegekräften gegenüber. Stimmungsbarometer zeigen, dass viele Pflegekräfte darüber nachdenken, ihren Job aufzugeben. Das würde die Situation der Verbleibenden weiter verschlechtern. Einer der Hauptgründe für die Unzufriedenheit der Pflegekräfte ist laut der Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ die fehlende Zeit für PatientInnen, gefolgt von der schlechten Bezahlung und den wenig verlässlichen Dienstplänen. Sind die Pflegekräfte unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen, leidet zum einen die Qualität der Pflege, zum anderen sinkt die Freude an der Tätigkeit. Das kann wiederum dazu führen, dass sie ganz aus der Pflege raus wollen. Gleichzeitig leidet das Privatlieben unter Schichtdiensten und Überstunden.

3. Demografischer Wandel

Während auf der einen Seite ohnehin schon viele Fachkräfte fehlen, steigt gleichzeitig die Zahl der Menschen, die pflegebedürftig werden. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden und eine Großzahl von Senioren einer schrumpfenden Zahl von jungen Fachkräften gegenüberstehen. So stieg der Altenquotient in Deutschland, also die Zahl der Rentner und Rentnerinnen im Verhältnis zu Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren, stark an. 1979 gab es 27 RentnerInnen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter. 2021 waren es bereits 37 RentnerInnen.  

4. Finanzierung

Das deutsche Gesundheitssystem kostet sehr viel Geld. Im Jahr 2021 betrugen die Ausgaben laut dem Statistischen Bundesamt mehr als 474 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor.  Das entspricht fast 5.700 Euro pro EinwohnerIn. Auf die pflegerischen Leistungen entfallen von der Gesamtsumme etwa 107 Milliarden Euro. Finanziert wird das deutsche Gesundheitsweisen aus den Beiträgen zur Krankenversicherung von Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen, Steuergeldern und Eigenleistungen der Versicherten. Die hohen Ausgaben sind eine große Herausforderung für das System und die einzelnen medizinischen Einrichtungen. Laut der DKG bewerteten nur sechs Prozent der Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Lage als gut. Mehr als die Hälfte rechnet mit weiteren Verschlechterungen unter anderem aufgrund der gestiegenen Energiekosten.

5. Nachwuchs

2020 startete die neue Pflegeausbildung. Seither werden zunächst alle Auszubildenden gemeinsam zwei Jahre lang in den Grundlagen der Pflege ausgebildet. Nach zwei Jahren können sich die Azubis auf Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Kinderkrankenpflege spezialisieren oder bei der generalistischen Ausbildung bleiben und den Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann anstreben. Im Jahr 2021 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 56.300 Auszubildende eine Ausbildung in der Pflege begonnen. Im Jahr 2022 sank die Zahl auf 52.300 neue Ausbildungsverträge. Während der Ausbildung wird eine Vergütung bezahlt, die im Median 1.166 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr beträgt (destatis) und damit auf einem recht hohen Niveau im Vergleich zu anderen Ausbildungsgehältern liegt. Die Ausbildung kann in Vollzeit innerhalb von drei Jahren absolviert werden oder alternativ in Teilzeit innerhalb von maximal fünf Jahren.

Top 5 Fakten rund um die Pflege in Deutschland

1. Das Gehalt in der Pflege

Das Gehalt in der Pflege hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: Vom Arbeitgeber, der Region und von der eigenen Berufserfahrung. Die Bundesagentur für Arbeit gibt ein mittleres Gehalt von 3.807 Euro pro Monat für examinierte Pflegefachkräfte an. Als Gesundheits- und Krankenpflegehelfer beträgt das mittlere Gehalt 2.867 Euro pro Monat.

2. Zahl der Pflegebedürftigen

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Von rund zwei Millionen im Jahr 2000 auf aktuell fast 5 Millionen. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass seit einer Reform im Jahr 2017 mehr Menschen als „pflegebedürftig“ eingestuft werden als zuvor. Bis zum Jahr 2055 wird die Zahl kontinuierlich steigen. Laut der Pflegevorausberechnung gibt es im Jahr 2035 in Deutschland 5,6 Millionen Pflegebedürftige und 20 Jahre später 6,8 Millionen Pflegebedürftige. Am stärksten wird die Zahl in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein ansteigen.

3. Die Betreuung von Pflegebedürftigen in Deutschland

Der größte Teil, 63 Prozent, aller Pflegebedürftigen in Deutschland wird zuhause von Angehörigen betreut. Weitere 21 Prozent werden zuhause mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten versorgt. 16 Prozent sind in vollstationären Pflegeeinrichtungen untergebracht.

4. Die Zahl der Beschäftigten in der Pflege

Seit Jahren steigt die Zahl der Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Laut dem Mikrozensus arbeiteten im Jahr 2019 5,7 Millionen Menschen in diesem Bereich. Im Jahr 2000 waren es 4,0 Millionen. Die größte Gruppe der Beschäftigten stammt aus dem Bereich Pflege:

  • ~ 881.000 Gesundheits- und KrankenpflegerInnen und -helferInnen
  • ~ 660.000 AltenpflegerInnen und -helferInnen
  • ~ 438.000 medizinische Fachangestellte
  • ~ 403.000 ÄrztInnen
  • ~ 242.000 PhysiotherapeutInnen
  • ~ 213.000 zahnmedizinische Fachangestellte
  • ~ 80.000 RettungsdienstlerInnen

5. Hebammen-Nachwuchs

In Deutschland gibt es zu wenig Hebammen. Die gute Nachricht: Die Zahl der Nachwuchs-Hebammen und -Entbindungspfleger steigt. Während im Schuljahr 2008/09 knapp 1.900 Personen eine einschlägige Ausbildung machten, waren es zehn Jahre später fast 2.700 Personen und 2019/2020 mehr als 3.000 SchülerInnen. Ab Anfang 2020 wurde die schulische Ausbildung nach und nach in ein Studium mit Bachelor-Abschluss überführt. Ende 2022 endete die Übergangsfrist. Seither ist das Studium der einzige Ausbildungsweg.

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Titelbild: iStock.com/kali9

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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