Fachkräftemangel in der Pflege

„Du wirst gebraucht!”: Perspektiven für Pflegekräfte auf dem Absprung

Junge Pflegerin im Kasack lächelt in die Kamera
Dominik Broßell | 16.12.2022 | Lesedauer: 4 Minuten

Zu wenig Geld, zu wenig Freizeit und wenig Wertschätzung: Viele PflegerInnen hängen ihren Kasack an den Nagel. Dabei braucht Deutschland jede einzelne Pflegekraft!

Der Mangel an Pflegepersonal wächst weiter

Die Lage in deutschen Krankenhäusern und Kliniken ist dramatisch. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) warnt vor einem Notstand und spricht von „der schlimmsten Lage seit 50 Jahren”. Er mahnt, dass die „pflegerische Versorgung in Deutschland nicht mehr aufrechterhalten” werden kann, sollten „nicht schnell grundlegende Reformen” kommen. Grob schätzt der Verband, dass man sofort 200.000 zusätzliche Vollzeitkräfte in Pflegeberufen brauche, um den Bedarf zu decken. Eine unfassbare Zahl.

Für jede einzelne Pflegekraft in Deutschland bedeuten diese Zahlen: Du wirst gebraucht! Ohne Dich verschlechtert sich die Lage weiter und Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, bekommen sie im schlimmsten Fall nicht. Dennoch kehren viele Pflegekräfte ihrem Beruf den Rücken, obwohl sie ihn im Grunde gerne ausüben.  

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Warum hören immer mehr Pflegekräfte auf?

Die Gründe dafür, dass viele Pflegende ihre Arbeitszeit reduzieren, aufhören oder aufhören möchten, sind vielfältig. Ganz oft liegt es vor allem an mangelnder Wertschätzung, hoher Arbeitsbelastung und schlechter Bezahlung. Die Studie „Ich pflege wieder, wenn …” aus dem Frühjahr 2022 zeigte, dass viele – an die 300.000! – ehemalige Pflegekräfte wieder in den Beruf einsteigen würden, sollten sich grundlegende Dinge ändern. Als Gründe für ihren Ausstieg oder die Reduktion der Arbeitszeit gaben die Befragten Folgendes an:

  • Zu wenig Zeit für die zu Pflegenden
  • Zu wenig Gehalt
  • Unzuverlässige Dienstplanung
  • Zu geringe Wertschätzung
  • Keine Tarifbindung
  • Zu hohe körperliche Belastung
  • Selbst oft krank
  • Ausstieg in die Frührente
  • Kaum Aufstiegsmöglichkeiten
  • Kaum Unterstützung für mentale Gesundheit
  • Kaum Mitbestimmung im Betrieb

Die Großzahl der Befragten übt ihren Beruf gerne aus. Die Pflege ermöglicht persönliche Entfaltung, der Job und damit das eigene Tun haben spürbare Wirkung, man hilft Menschen und bekommt das in Form von Dankbarkeit und Wertschätzung zurückgezahlt. Mit dieser Vorstellung entscheiden sich viele für einen Beruf in der Pflege. Doch die Realität sieht oft anders aus. 

Die aktuelle Situation lässt für solche Hingabe und solche Lichtblicke jedoch wenig Zeit. Die Folge: Aus Leidenschaft für die Pflege hilfsbedürftiger Menschen wird harte, repetitive und wenig erfüllende Schwerstarbeit. Viele wollen einfach nur noch raus aus der Pflege.

Altenpflegerin hilft zu pflegender Person dabei, ihre Strickjacke anzuziehen

Die Pflege muss sich verändern! Aber wie?

Die Rechnung für die Zukunft ist einfach und die Aussicht düster: Ohne Reform werden sich immer weniger PflegerInnen um immer mehr Pflegebedürftige kümmern müssen. Die Pflegekräfte werden an einen Punkt kommen, an dem sie keine weiteren pflegebedürftigen Personen betreuen können. Dann steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps

Um das zu verhindern, gibt es einige politische Initiativen. Die Krankenhausreform werde laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu einer „Revolution im System” führen. Zudem sollten Krankenhäuser durch den Wegfall der sogenannten Fallpauschalen entlastet werden.

Ganz konkret für die Pflegefachkräfte in Krankenhäusern plant Lauterbach ein Reformpaket, das unter anderem „schwere Schichtdienste” wie Nachtschichten überflüssig machen soll. Die Probleme des Berufsstands werden laut Kritikern dabei allerdings nicht an der Wurzel gepackt. Die Unzufriedenheit des Personals bleibt.

Schaubild über die Gründe, warum Pflegekräfte ihren beruf aufgeben

Mehr Selbstbestimmung dank Zeitarbeit

Wer als Pflegefachkraft nach Veränderung strebt, muss nicht gleich seinen (geliebten) Beruf aufgeben. Es gibt nicht nur ganz oder gar nicht. Stattdessen wechseln viele PflegerInnen in die Zeitarbeit bzw. in die Arbeitnehmerüberlassung. Das bedeutet, dass nicht mehr die medizinische Einrichtung der Arbeitgeber der Pflegekraft ist, sondern eine Vermittlungsagentur wie doctari oder lichtfeld. Diese übernehmen alle Formalitäten und vermitteln medizinische Fachkräfte auf Honorarbasis für Vertretungseinsätze an medizinische Einrichtungen. 

Fachkräfte können dabei temporär (Arbeitnehmerüberlassung oder befristete Anstellung) oder festangestellt arbeiten. Aber was sind die Vorteile an diesem Arbeitsmodell gegenüber der klassischen Anstellung in einer Einrichtung?

Mehr Geld und mehr Freizeit dank Wechsel in die Zeitarbeit

Zeitarbeitskräfte in der Pflege verdienen in der Regel mehr im Vergleich zu ihren festangestellten KollegInnen in medizinischen Einrichtungen. Sie gehören zur zweiten Gruppe? Testen Sie doch einmal das kostenlose Pflege-Gehaltsvergleich-Tool, um zu sehen, wie sich Zeitarbeit für Sie lohnen könnte.

Für viele Pflegekräfte in der Zeitarbeit liegt der größte Vorteil im Gewinn an Selbstbestimmung. Intensivpflegerin Arnhild Tontsch verrät im Interview, dass sie „wieder selbstbestimmt arbeiten kann, in einem für [sie] gesunden Pensum”. Bei ihrer letzten Arbeitsstation wurde sie „an jedem [ihrer] freien Tage angerufen und zurück in den Dienst geholt.” Durch das schlechte Gewissen gegenüber dem Arbeitgeber und den KollegInnen kam es bei Tontsch zur Überarbeitung und dann zum Nervenzusammenbruch. Der Wechsel in die Zeitarbeit gab ihr die Kontrolle über Arbeit und Freizeit zurück.

Das von Tontsch beschriebene Schicksal teilen viele Pflegekräfte in Deutschland. Sie trauen sich nicht, „Nein” zu sagen, wenn es um Überstunden und Extraschichten geht. Mit Zeitarbeit bekommt das Wort Dienstplanung eine neue Bedeutung. Einsätze werden mit Unterstützung des Arbeitgebers geplant und auch planmäßig beendet. So muss man das Treffen mit FreundInnen oder den gemeinsamen Abend mit der Familie nicht absagen, wenn der Arbeitgeber anruft. Weil das nicht passieren kann. Tontsch sagt: „Ich bestimme, wie viel ich im Monat arbeiten möchte und dabei bleibt es auch.”

Zeitarbeitskräfte entlasten auch die Einrichtungen

PflegerInnen in Zeitarbeit sammeln viele unterschiedliche Erfahrungen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich schnell in neuen Situationen zurechtfinden und im neuen Arbeitsumfeld funktionieren. Davon profitieren auch medizinische Einrichtungen. Sie schließen dank Zeitarbeitskräften schnell und unkompliziert Lücken im Personalplan. Das entlastet wiederum festangestellte PflegerInnen. So kann Zeitarbeit in der Pflege ein Mittel sein, um das strauchelnde Gesundheitssystem in Deutschland und seine Pflegekräfte zu entlasten. Es gibt Gewinner auf allen Seiten.

Mehr Geld, mehr Freiheit

Ein Wechsel in die Zeitarbeit lohnt sich insbesondere für Pflegekräfte. Der erste Schritt ist, Teil der doctari-Community zu werden. Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen und einen Job für Sie zu finden, der zu Ihnen passt!

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Titelbild: iStock.com/kupicoo

Autor

Dominik Broßell

Der Online-Redakteur von doctari widmet sich allen möglichen Themen im Gesundheitswesen und hat dabei ein besonderes Augenmerk auf die aktuellen Herausforderungen für die Pflege und ihre Fachkräfte.

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