Zum Weltgesundheitstag

WHO – 75 Jahre Weltgesundheitsorganisation

Fabian Hoberg | 7.4.2023 | Lesedauer: 4 Minuten

Damit möglichst viele Menschen ein Höchstmaß an Gesundheit erreichen, gründete die UN vor 75 Jahren die World Health Organization WHO. Ein Portrait.

Gesundheit soll für alle Menschen selbstverständlich sein

Als im April 1948 die World Health Organisation (WHO) gegründet wurde, war die Welt noch eine andere. Rund drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lag Europa noch in Schutt und Asche. Doch nicht nur in Europa grassierten Krankheiten und Hunger, sondern auch in Entwicklungsländern auf der ganzen Welt. Mit Hilfe einer länderübergreifenden Sonderorganisation der Vereinten Nationen, der World Health Organization, kurz WHO, sollten weltweit bessere Gesundheitsbedingungen geschaffen werden. Gesundheit als Grundrecht des Menschen.

Die Idee zur WHO entstand 1945 in San Francisco im Rahmen der Gründungskonferenz der Vereinten Nationen. Ein Jahr später wurde im Anschluss an die International Health Conference die Verfassung der neuen Weltgesundheitsorganisation in New York verabschiedet. 61 Staaten unterzeichneten damals die Verfassung der WHO, die am 7. April 1948 offiziell nach der Ratifikation des 26. Unterzeichnerstaates der Vereinten Nationen in Kraft trat. Als neue Teilorganisation der UN nahm die WHO noch im selben Jahr ihre Arbeit auf. Heute unterstützen 194 Mitgliedstaaten die Arbeit der WHO. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen können der WHO beitreten.

Erde in Herzform hat ein Stetoskop um

Die WHO setzt sich für die Gesundheit aller Menschen auf der ganzen Welt ein

Ihr Ziel hat sich in den vergangenen 75 Jahren nicht verändert: Laut Verfassung strebt die WHO das bestmögliche Gesundheitsniveau bei allen Menschen an und bleibt den in der Präambel der Verfassung niedergelegten Grundsätzen verpflichtet: „Ein Höchstmaß an Gesundheit für alle Völker“ (Artikel 1, Satzung WHO). Dabei definiert die WHO Gesundheit als „ein Zustand von vollständigem physischem, geistigem und sozialem Wohlbefinden, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet“.

Neben der reinen Gesundheit gehört für die WHO dazu auch, Bedürfnisse sowie Wünsche und Hoffnungen befriedigen oder diese mit einer reellen Chance verwirklichen zu können. Und zwar nicht nur für einen einzelnen Menschen, sondern für ganze Gruppen, wie Völker oder Nationen. Außerdem gilt dieser erstrebenswerte Zustand nicht als Lebensziel, sondern als Bestandteil des alltäglichen Lebens – als Normalität und Selbstverständlichkeit.

Infektionskrankheiten im Fokus der WHO

Als Hauptaufgabe der Weltgesundheitsorganisation gilt die Bekämpfung von Erkrankungen mit Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten oder übertragbare Krankheiten wie HIV, Tuberkulose, Hepatitis und Grippe. Ebenso wichtig ist es, Seuchen zu bekämpfen, die Hygiene in vielen Ländern zu verbessern und Krankheiten wie Krebs oder Herzkrankheiten vorzubeugen.  

Zu den größten Erfolgen der vergangenen 75 Jahren gehören unter anderem weltweite Impfkampagnen für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten oder zur Vorbeugung von Pandemien wie die Tropenkrankheit Frambösie in den 1950er-Jahren, die Pocken oder Kinderlähmung (Polio). Dadurch wurden und werden heute immer noch Millionen von Menschenleben gerettet oder eine Behinderung verhindert. Allein bei der Tropenkrankheit Frambösie versorgte die WHO rund 300 Millionen Menschen in 46 Ländern mit Penizillin. Die Pocken gelten mittlerweile weltweit als ausgerottet, die Ausrottung von Polio wird für die nächsten Jahre angestrebt. Auch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria und Schistosomiasis ist die WHO maßgeblich verantwortlich.

Bei „Safe Motherhood“ setzt sich die WHO seit 1987 für Familienplanung und Selbstbestimmung der Frau in Entwicklungsländern ein. Auch bei der Anti-Raucher-Kampagne ab 2003 und damit gegen Krebs war die WHO treibende Kraft.  

Kritik gab es hingegen für zögerliche und zu späte Reaktionen bei der Covid-19-Pandemie. Die WHO stufte Covid-19 erst im März 2020 als Pandemie ein, als sich das Virus schon in vielen Staaten weltweit ausgebreitet hatte und schon mehrere hunderte Menschen daran gestorben waren.

Ein Kind bekommt in Indien eine Schluckimpfung gegen Polio.

Die WHO setzt Standards – und sammelt dafür Daten

Neben der Entwicklung von Leitlinien, Standards und Methoden in gesundheitsbezogenen Bereichen zählt heute weiterhin die globale Koordination von Aktivitäten gegen übertragbare Krankheiten zu den wichtigsten Aufgaben. Dazu gehört auch Aufklärungsarbeit gegen Volkskrankheiten wie das Rauchen, ungesunde Ernährung und Übergewicht. Aber auch das Festlegen von globalen Sicherheitsstandards wie eine Checkliste für Operationen entwickelt die WHO.

Um ihre Arbeit permanent anzupassen und auf Entwicklungen weltweit zu reagieren, sammelt und analysiert die WHO regelmäßig weltweit Gesundheits- und Krankheitsdaten. Nur damit kann die Organisation weltweit frühzeitig Erkrankungen erkennen und gegen sie weltweit vorgehen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der WHO liegt in der Konzeption und im Aufbau eines möglichst wirksamen und kostengünstigen Gesundheitssystems in Entwicklungsländern. Mit der Unterstützung und der Entwicklung von lokalen Gesundheitssystemen lassen sich Gesundheitsstandards in Entwicklungsländern verbessern.

Überall auf der Welt

Die Weltgesundheitsversammlung (WHA) als höchstes Entscheidungsorgan steuert die WHO. Dafür sind 34 RegierungsvertreterInnen in einem Exekutiv-Rat zuständig. Aufgeteilt in sechs Regionen Afrika, östliches Mittelmeer, Europa, westlicher Pazifik, Südostasien und Amerika, mit einem eigenen Regionalbüro, steuert die WHO über 150 Länderbüros mit mehr als 8.000 Mitarbeitenden.  

Für die weltweite Arbeit stehen im Zweijahreshaushalt fast sieben Milliarden US-Dollar bereit. Deutschland gehört der WHO EURO-Region an mit Sitz des Regionalbüros in Kopenhagen (Dänemark). Seit Juli 2017 leitet der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus als Generalsekretär die WHO. Die WHO-Mitglieder treffen sich jährlich in Genf, um finanzielle und organisatorische Aufgaben zu beschließen und künftige Programme festzulegen.

Aktuell beschäftigt sich die WHO mit und forscht zum Corona-Virus, um die Pandemie weiter einzudämmen. Dazu zählen unter anderem die Aufklärungsarbeit über die Symptome und die Verbreitung des Virus sowie gegen Falsch-Informationen, aber auch das Sammeln und die Auswertung von Infos rund um das Virus, um die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten weiter zu beschleunigen, gerade für Länder mit einem schwachen Gesundheitssystem. Heute wie vor 75 Jahren.

Autor

Fabian Hoberg

Inhaltsverzeichnis
Teilen
Mehr zum Thema
Als OP-Schwester in Tansania
Augen-OPs in Tansania und Kinderchirurgie in Somaliland

Als OP-Fachkraft jeden Tag das Gleiche zu machen, wäre nichts für Katja Liebsch. Neben der Zeitarbeit sucht sie die Herausforderung und unterstützt Hilfsprojekt…

Zum Artikel >
Katja Liebsch im OP in Tansania
Hilfsprojekt in Afrika
Als Krankenpfleger im OP-Einsatz in Kamerun

Alexander Derksen verbringt seine freie Zeit regelmäßig mit Hilfsprojekten in Kamerun. Dabei lernt der Fachkrankenpfleger auch viel für seine Arbeit in Deutschl…

Zum Artikel >
Ein Team von ÄrztInnen und Pflegerkräften in einem provisorischen OP-Saal in Afrika
Wertschätzung in der Pflege
Danke sagen an Pflegekräfte

Wie kann man PflegerInnen danken? Am besten mit mehr als Pralinen und Karten, zum Beispiel mit mehr Wertschätzung und besseren Arbeitsbedingungen.

Zum Artikel >
Zwei Hände, die blaue Einweghandschuhe tragen, halten ein Geschenk.
Personalbetreuung
5 Tipps für einen guten Start in die Zeitarbeit

Die Zeitarbeit bringt für viele neue Fachkräfte Fragen mit sich. Deshalb haben wir unsere Expertin Berit Rieger nach Tipps für einen gelungenen Start gefragt.

Zum Artikel >
Berit Rieger leitet die Personalbetreuung im Bereich Pflege bei doctari.
Aggressive PatientInnen
Deeskalation: 7 Tipps für medizinisches Personal

Beschimpfungen, Drohungen und Gewalt gegenüber medizinischem Personal gehören in vielen Kliniken zum Alltag. Wir geben Tipps, wie man solche Situationen entschä…

Zum Artikel >
Junge medizinische Fachkraft kreuzt vor ihrem Körper beide Zeigefinger zur Abwehr
Notfall in Kliniken
Notstromversorgung: Damit im OP nicht das Licht ausfällt

Was passiert, wenn in Krankenhäusern der Strom ausfällt? Wie sind Kliniken auf so einen Notfall vorbereitet, damit auch ohne Strom vom Netz der Betrieb weiter g…

Zum Artikel >
OP-Saal mit Fachkräften
Werden Sie jetzt Teil von doctari und finden Sie Ihren Traumjob