Gut abgestimmte Teams sorgen nicht nur für ein besseres Arbeitsklima, sondern steigern auch die Patientensicherheit. Workshops trainieren Zusammenarbeit, Kommunikation und Führung unter Stress. Was hat ein Drachenboot, ein Filmset oder ein Song mit Teamarbeit im Krankenhaus zu tun? Wir stellen sechs eher ungewöhnliche Angebote vor.
Manchmal retten nicht Medikamente oder eine OP das Leben eines Menschen, sondern gute Zusammenarbeit. Ob in der Notaufnahme, auf der Intensivstation oder bei der täglichen Schichtplanung: Funktioniert ein Team gut, spüren das am Ende auch die PatientInnen.
Teambuilding-Workshops sind eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit zu stärken. Gibt es die Möglichkeit, sie trotz Personalmangels ab und zu in den dichten Klinikalltag zu integrieren, kann sich das langfristig auszahlen. Studien zeigen nämlich: Teamtrainings im Gesundheitswesen haben messbare Effekte. US-Forscher schauten sich für einen Überblicksartikel 23 vorhandene Untersuchungen zu diesem Thema an. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Trainings die Zusammenarbeit von Teams aus der Notfall- und Intensiv-Medizin sowie der allgemeinen Akutversorgung verbessern und dadurch auch Patientenergebnisse positiv beeinflussen können. Die untersuchten Programme schulten die Kommunikation, die Führung im Team, erhöhten das Bewusstsein für bestimmte Alltagssituationen und stärkten die Entscheidungsfindung unter Stress. Besonders wirksam waren sie, wenn neugewonnene Erkenntnisse anschließend in organisatorische Veränderungen einflossen.
Raus aus dem gewohnten Arbeitsumfeld
Viele Teamtrainings sind spielerisch angelegt und haben auf den ersten Blick gar nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun. Das muss auch nicht unbedingt sein: KollegInnen lernen sich auf diese Weise auch mal von einer anderen Seite kennen. In der lockeren Atmosphäre außerhalb des stressigen Arbeitsalltags können sich Spannungen abbauen. Das gemeinsame Erlebnis fördert Verbundenheit, so dass sich das Arbeitsklima insgesamt verbessern kann.
Eine kleine Auswahl an Trainingsprogrammen:
Wie im Flugzeug: Crew Ressource Management (CRM)
Das Trainingskonzept stammt aus der Luftfahrt. Es entstand in den 1970er-Jahren nach mehreren Flugzeugunfällen, bei denen sich zeigte, dass nicht technische Defekte, sondern Fehlentscheidungen im Cockpit eine zentrale Rolle spielten. Ein besonders prägendes Ereignis war die Teneriffa-Flughafenkatastrophe im Jahr 1977, bei der zwei Flugzeuge kollidierten und 583 Menschen starben. Das Programm, das entwickelt wurde, um Piloten systematisch im Umgang mit solchen Situationen zu schulen, wird heute auch für Personal im Gesundheitswesen angeboten. Ziel ist es, Fehler durch schlechte Kommunikation, unklare Rollenverteilung, Hierarchieprobleme und mangelnde Teamkoordination zu verhindern. Anbieter ist zum Beispiel die Berliner Charité.
Rettet die Titanic!
Ein als unsinkbar geltendes Schiff trifft auf eine unerwartete Herausforderung – mit dramatischen Folgen. Bis heute beschäftigt der Untergang der Titanic viele Menschen, weil es nicht nur um Technik geht, sondern auch um Entscheidungen, Kommunikation und Verantwortung des Personals an Bord. Das bietet spannende Perspektiven für die Teamarbeit: Wie werden Informationen weitergegeben? Wer trifft Entscheidungen? Und wer übernimmt das Steuer, wenn es brenzlig wird?
Im Workshop trainieren die Teilnehmenden durch praktische Aufgaben, wie sie auch unter Druck und Stress ruhig, klar und lösungsorientiert bleiben. Es geht auch darum den Mut zu stärken, Verantwortung aktiv zu übernehmen. Anbieter für deutschlandweite Teamtrainings: Rettet die Titanic
Baut zusammen ein Boot!
Beim Drachenbootbau arbeiten einzelne Gruppen von bis zu acht Personen zusammen. Innerhalb einer bestimmten Zeit müssen alle Teile so zusammengefügt werden, dass ein stabiles und schwimmfähiges Boot entsteht. Dafür stehen einfache Materialien wie Holz, Plastikplanen und Seile bereit. Die Teams erhalten außerdem einen Bauplan, der zur Orientierung dient. Die Gruppe muss planen, Aufgaben verteilen und sich gut abstimmen. Einige kümmern sich um den Aufbau der Konstruktion, andere um das Verbinden der Materialien. Auch kreative Ideen sind gefragt: Jedes Team gestaltet einen eigenen Drachenkopf für den Bug. So bekommt jedes Boot ein individuelles Aussehen. Verschiedene Anbieter in Deutschland:
Wer nicht nass werden will, muss gut zusammenarbeiten
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Ein Tag Hollywood: Gemeinsam einen Film drehen
Soll es eine Komödie sein? Oder vielleicht eine Krankenhaus-Soap? Das bestimmt jedes Team selbst. Für ein paar Stunden wird es mit Handkameras, Kostümen und Requisiten ausgestattet und dreht einen Kurzfilm. Die Teilnehmenden können hinter oder vor der Kamera aktiv werden und bekommen Hilfe von Profis. Um das Projekt erfolgreich umzusetzen, müssen sie gemeinsam Entscheidungen treffen, Rollen verteilen und kreativ werden. Am Ende nehmen sie ein Andenken an ihr Teamwork mit, das sie sich immer wieder anschauen können. Deutschlandweit verschiedene Anbieter:
Ein Song für das Team: Zusammen singen
Carlos Tielesch schwört seit 18 Jahren auf Teambuilding durch gemeinsames Singen. Er glaubt an die Kraft von Spaß, Freude und Leichtigkeit, um eine Gruppe zu beflügeln. Durch das Singen will er Vertrauen und das Wir-Gefühl fördern. Jedes Training gestaltet er individuell. Auf Wunsch integriert er wichtige Themen des aktuellen Arbeitsalltags: bevorstehende Herausforderungen, eine neue Strategie, Zusammenarbeit mit Wertschätzung und Vertrauen, Arbeitsbelastung oder auch Stressresilienz. Auch gegenseitiges Dirigieren kann zum Workshop dazugehören. Auf Wunsch entsteht außerdem ein Team-Song, der noch lange nachklingen kann. Anbieter: Carlos Tielesch
Kulinarischer Tag: Ran an die Töpfe!
Warum nicht mal zusammen Kochen? Ein erfahrener Chef-Koch unterstützt und begleitet die Teams, zeigt Tricks, die das Kochergebnis noch besser machen. Außerdem treten verschiedenen Gruppen zu einem Kochduell gegeneinander an. So entsteht ein Mix aus Teamarbeit, Wettbewerb und Spaß. Manche Anbieter kommen mit mobilen Event-Küchen, Küchentransportern oder Kochzelten an den gewünschten Ort. Manche bauen weitere Module zum Teambuilding ein – beispielsweise Aufgaben, um an Kochutensilien heranzukommen oder kleine Wettbewerbe um die größten Pfannen und Töpfe. Wenn alle Gerichte fertig sind, bewertet eine Jury die Ergebnisse. Wer hat es geschafft, die leckersten Speisen zu kreieren? Wer hat Teamgeist und Kreativität am besten umgesetzt? Anbieter deutschlandweit:
Fazit: Gute Teams sind kein Zufall
Funktionierende Teamarbeit im Gesundheitswesen entsteht nicht von allein – sie muss bewusst gefördert und trainiert werden. Teambuilding-Workshops bieten dafür einen wirksamen Rahmen: Sie stärken Kommunikation, Vertrauen und Entscheidungsfähigkeit, auch unter Druck.
Entscheidend ist, dass die gewonnenen Erkenntnisse nicht im Workshop bleiben, sondern in den Arbeitsalltag übertragen werden. Dann können sie nicht nur das Miteinander im Team verbessern, sondern auch die Patientensicherheit nachhaltig erhöhen. Denn am Ende zeigt sich: Gute Zusammenarbeit ist keine Zusatzkompetenz – sondern ein zentraler Bestandteil guter Versorgung.
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