Fortbildung: Strahlenschutz

Röntgenschein machen: Alle Infos und Kosten für MFA und Co.

Röntgenschein: Ein Finger einer MFA zeigt auf das Röntgenbild eines Kiefers.
doctari Redaktion | 3.9.26 | Lesedauer: 5 Minuten

Der Röntgenschein ist die Voraussetzung und die Befähigung für spezielle radiologische Untersuchungen – und er öffnet oft die Türen zu guten Jobangeboten.

Der "Röntgenschein" ist kein offizieller Rechtsbegriff, sondern die umgangssprachliche Bezeichnung für den Nachweis der "Kenntnisse im Strahlenschutz" nach der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV). Er wird in einem staatlich anerkannten, 90-stündigen Strahlenschutzkurs erworben (kleiner Röntgenschein: 20 Stunden), muss alle 5 Jahre in einem 8-stündigen Kurs aktualisiert werden und berechtigt medizinische Fachangestellte sowie andere Pflege- und Assistenzberufe zur technischen Durchführung von Röntgenaufnahmen. Kostenpunkt: je nach Anbieter meist zwischen 600 und 1.500 Euro.

Was ist ein Röntgenschein?

Der Röntgenschein ist ein Befähigungsnachweis. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um einen offiziellen Rechtsbegriff – in der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) selbst taucht das Wort "Röntgenschein" nicht auf. Gemeint ist der Nachweis der "Kenntnisse im Strahlenschutz", der zur technischen Durchführung von Röntgenaufnahmen berechtigt und regelmäßig (alle fünf Jahre) erneuert werden muss. Der Erwerb bedeutet für medizinische Assistenzberufe, zum Beispiel für Arzthelferinnen (MFA) oder für Pflegekräfte wie Krankenschwestern, eine häufig nachgefragte Zusatzqualifikation, die das berufliche Einsatzprofil deutlich erweitern kann.

Mehr und mehr ärztliche und vor allem zahnärztliche Praxen nutzen Röntgengeräte als bildgebende Diagnoseverfahren. Für Praxisinhaber ist es daher von großem Vorteil, wenn die angestellten MFA oder andere Fachkräfte Kenntnisse im Strahlenschutz haben und das Röntgengerät bedienen dürfen.

Bei der Suche nach einer neuen Stelle verfügt eine Fachkraft mit Röntgenschein somit über einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber KollegInnen ohne die Zusatzqualifikation. Das bedeutet, dass Jobsuchende selbstbewusster auftreten und auch ihre Gehaltsvorstellungen deutlich nach oben anpassen können.

Sie möchten wissen, wie viel eine Krankenschwester verdient? Dann lesen Sie hier alles über das Krankenschwester-Gehalt.

Medizinische Fachkraft stellt Röntgengerät ein, um jungen Mann zu röntgen.

Mit dem Röntgenschein haben Jobsuchende Chancen auf besser bezahlte Stellen.

Wer darf mit Röntgenstrahlung arbeiten?

Der unsachgemäße Umgang mit ionisierenden Röntgenstrahlen und mit radioaktiven Substanzen zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken birgt gesundheitliche Risiken für die PatientInnen und auch für die AnwenderInnen, wenn sie bestimmte Schutzmaßnahmen nicht befolgen. Es handelt sich dabei um vermeidbare Risiken, die bei sachgemäßer Anwendung der Röntgengeräte minimiert sind.

Der Umgang mit Röntgengeräten, radioaktiven Substanzen und anderen Geräten, die ionisierende Strahlung aussenden können, ist in der Strahlenschutzverordnung geregelt. Die Verordnung unterscheidet zwischen Anwendung und technischer Durchführung. Die Anwendung bezieht sich im Wesentlichen auf die Berechtigung, eine Röntgenuntersuchung anzuordnen, und darauf, die Verantwortung für die Durchführung zu übernehmen. Diese Art von Kompetenz und Berechtigung obliegt ausschließlich Ärztinnen und Ärzten mit abgeschlossener radiologischer Fachausbildung.

Die Strahlenschutzverordnung legt fest, dass die praktische Durchführung der angeordneten Röntgenmaßnahmen durch Medizinisch-Technische Radiologieassistenten (MTRA) mit entsprechender Ausbildung durchgeführt werden darf. Auch sonstiges medizinisches Assistenzpersonal ist dazu berechtigt, sofern ein Nachweis über eine anerkannte Schulung mit Befähigungsnachweis (Röntgenschein) absolviert wurde.

Dazu sind MFA mit Röntgenschein berechtigt

Der sogenannte große Röntgenschein berechtigt zur technischen Durchführung von diagnostischen Röntgenaufnahmen und anderen radiologischen Untersuchungen mittels einer geeigneten Apparatur. Das Zertifikat berechtigt im Einzelnen zu folgenden Arbeitsschritten:

  • fachgerechte Lagerung und Positionierung des Patienten, der Patientin
  • fachgerechtes Einstellen der technischen Parameter an der Röntgenapparatur
  • Durchführung und Beachtung der erforderlichen Strahlenschutzmaßnahmen
  • Einschalten der Röntgenstrahlung
Zwei Hände halten das Röntgenbild von Zähnen ins Licht.

In vielen Zahnarztpraxen gibt es mittlerweile ein Röntgengerät

Wie kann der Röntgenschein erworben werden?

Der Erwerb des großen Röntgenscheins ist an die erfolgreiche Absolvierung eines anerkannten Strahlenschutzkurses gebunden. Grundlage ist die Richtlinie "Fachkunde und Kenntnisse im Strahlenschutz beim Betrieb von Röntgeneinrichtungen in der Medizin oder Zahnmedizin" (Fassung vom 27.06.2012). Der Kurs setzt sich aus insgesamt 90 Unterrichtseinheiten zusammen, die sowohl Theorievermittlung als auch Praxis rund um das Thema Strahlenschutz beinhalten. Die 90 Unterrichtseinheiten verteilen sich meist auf einen Zeitraum von insgesamt fünf Monaten.

Der Strahlenschutzkurs schließt mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. Unter bestimmten Voraussetzungen reicht auch der sogenannte kleine Röntgenschein zur Bedienung einfacher Röntgengeräte aus, wie sie beispielsweise in Zahnarztpraxen zum Einsatz kommen. Die erforderlichen Kenntnisse im Strahlenschutz zum Erwerb des kleinen Röntgenscheins werden in 20 Unterrichtseinheiten vermittelt.

Neben dem Nachweis über die Teilnahme am Kurs benötigen alle MFA oder andere Fachkräfte, die einen Röntgenschein erwerben wollen, den Nachweis über eine geeignete Ausbildung sowie über praktische Erfahrungen. Letzteres kann in Form einer schriftlichen Bestätigung derjenigen Person erfolgen, in deren Verantwortungsbereich oder unter deren Aufsicht die praktische Erfahrung erworben wurde (Strahlenschutzverordnung).

Röntgenschein erneuern: Wie und wie oft?

Röntgenscheine sind in Deutschland nur fünf Jahre lang gültig. Entscheidend hierfür ist das Ausstellungsdatum auf dem Schein selbst. Nach fünf Jahren müssen Kenntnisse und Fachkunde im Strahlenschutz gemäß § 48 StrlSchV in einem speziell dafür anerkannten Kurs aktualisiert werden. Dieser Aktualisierungskurs umfasst inzwischen bei den meisten Anbietern 8 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten (rund 6 Zeitstunden), oft aufgeteilt in E-Learning- und Live-Online-Anteile.

Voraussetzungen für den Röntgenschein: Welche braucht man?

Die Absolvierung eines Strahlenschutzkurses zum Erwerb des Röntgenscheins ist an bestimmte Voraussetzungen und Vorbildungen gebunden. Grundsätzlich steht fast allen medizinischen Fachangestellten und ausgebildeten Pflegekräften in der Kranken-, Gesundheits- oder Altenpflege die Teilnahme an der Zusatzausbildung offen.

Auch Notfallsanitäter, ausgebildete MasseurInnen, PhysiotherapeutInnen sowie Hebammen erwerben mit ihrer Ausbildung automatisch die Berechtigung zur Teilnahme an einem Strahlenschutzkurs für den Erhalt des Röntgenscheins. Die Ausbildung in einem der medizinischen Assistenzberufe muss hinsichtlich der Zugangsberechtigung zum Strahlenschutzkurs nicht einmal abgeschlossen sein.

Röntgenschein: Drei Mediziner sitzen an einem Tisch und betrachten gemeinsam ein Röntgenbild

Was kostet der Röntgenschein?

Der Röntgenschein hat uneingeschränkte Gültigkeit im gesamten Bundesgebiet. Das setzt voraus, dass Lehrinstitute für ihre angebotenen Strahlenschutzkurse zum Erwerb des Röntgenscheins eine staatliche Anerkennung vorweisen müssen. Nur solche Institute dürfen die Zertifikate ausstellen.

Die Kosten pro Lehrgangsteilnehmer für den 90-stündigen Kurs bewegen sich je nach Institut aktuell zwischen rund 600 Euro und knapp 1.500 Euro. In der Regel liegen Unterrichtsräume nicht sehr weit von der Wohnadresse entfernt, viele Kurse werden inzwischen auch online oder im Blended-Learning-Format angeboten. Es empfiehlt sich, vorher aktuelle Preise und Formate bei mehreren Anbietern einzuholen, da sich diese regelmäßig ändern.

Bei Bedarf unterrichten einige Institute auch in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers. Das kann unter Umständen sowohl für TeilnehmerInnen als auch für Arbeitgeber von Vorteil sein. Falls der Arbeitgeber großen Wert auf den Erwerb des Röntgenscheins legt, wird er in der Regel auch die anfallenden Kursgebühren übernehmen.

Kleiner vs. großer Röntgenschein: Wo liegen die Unterschiede?

  • Anwendungsbereich: Der kleine Röntgenschein erlaubt die Durchführung von Röntgenaufnahmen unter Aufsicht in bestimmten medizinischen Bereichen, wie zum Beispiel Zahnmedizin, Notfallversorgung oder bei Standarddiagnosen in der Arztpraxis. Beim großen Röntgenschein dürfen auch komplexere Röntgenuntersuchungen und radiologische Verfahren etwa in Krankenhäusern und speziellen radiologischen Abteilungen durchgeführt werden.
  • Ausbildungsdauer: Der kleinere Röntgenschein erfordert meist nur etwa 20 bis 40 Stunden, in denen grundlegende theoretische und praktische Inhalte vermittelt werden. Um den großen Röntgenschein zu erlangen, müssen in der Regel 90 Unterrichtseinheiten absolviert werden.
  • Aufsichtspflicht: Mit dem kleinen Röntgenschein dürfen Röntgenaufnahmen nur unter der Aufsicht eines Arztes oder einer anderen qualifizierten Fachkraft durchgeführt werden. Der große Röntgenschein erlaubt es, Röntgenuntersuchungen eigenverantwortlich und ohne ständige Aufsicht durchzuführen.

Weitere Fragen zum Röntgenschein

Wie bekomme ich einen Röntgenschein?

Die Voraussetzung für den Erhalt eines Röntgenscheins ist der Besuch eines anerkannten Strahlenschutzkurses.

Wie lange dauert der Röntgenscheinkurs?

Der Strahlenschutzkurs umfasst 90 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis - verteilt auf bis zu fünf Monate.

Wie viel verdient man mit einem Röntgenschein?

Der Röntgenschein selbst hat erst einmal keinen Einfluss auf das Gehalt. Er ermöglicht es jedoch, sich auf besser bezahlte Stellen zu bewerben oder nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Was ist ein Röntgenschein?

Der Röntgenschein ist ein Nachweis darüber, dass die MFA oder die Pflegefachkraft einen Strahlenschutzkurs erfolgreich besucht hat. Der Röntgenschein befähigt unter anderem zur technischen Durchführung von Röntgenaufnahmen.

Bildquelle: iStock.com/Branimir76

Inhaltsverzeichnis
Teilen

Mehr zum Thema

Karriere

Kardiotechniker: Alle Infos zu Ausbildung und Gehalt


Abwechslungsreich und verantwortungsvoll: Die Kardiotechnik ist ein spannendes Berufsfeld für Pflegekräfte mit Interesse an Hightech und Herzchirurgie.

Zum Artikel >
Kardiotechniker sind hoch spezialisierte Fachkräfte im OP oder anderen medizinischen Bereichen
OP-Berufe

OTA – und dann? Karrierewege zwischen OP, Lehre und Spezialisierung


Der OP ist erst der Anfang: Wohin es nach der OTA-Ausbildung noch gehen kann: von Spezialisierung über Lehre bis zur Industrie.

Zum Artikel >
Eine lächende OTA als Portrait
Injektionslehre

Spritzenschein: Die Lizenz zum Spritzen


Injektionen darf nur geschultes Personal verabreichen. Sofern man die Berechtigung nicht während der Ausbildung erwirbt, kann man einen Spritzenschein machen.

Zum Artikel >
Hände in blauen Latexhandschuhen ziehen eine Spritze auf
Überblick Fortbildung

Weiterbildung Pflege: Neue Herausforderungen für Fachkräfte


Die Pflegebranche bietet viele Möglichkeiten zur Spezialisierung. Ob Intensivpflege, Anästhesie, Onkologie oder Psychiatrie – jede Weiterbildung hat ihren Reiz.…

Zum Artikel >
Junge PFlegekraft in der Weiterbildung
Karriere

Weiterbildung in der Pflege: Entwicklungsfelder für OP-Fachkräfte


OP-Fachkräfte wie OTA und ATA sind im Operationssaal unverzichtbar. Kontinuierliche Weiterbildung stärkt ihre Karriere zusätzlich.

Zum Artikel >
Op-Fachkraft im OP
Weiterentwicklung

MTLA – und dann? Karrierewege zwischen Labor, Lehre und Life Science


MTLA – wie geht’s weiter? Ob Laborleitung, Studium oder ein Job in der Industrie: Dieser Artikel zeigt echte Karrierewege für alle, die mehr wollen.

Zum Artikel >
Junge, weibliche MTL guckt in ein Mikroskop