Karriere

Kardiotechniker: Alle Infos zu Ausbildung und Gehalt

Kardiotechniker sind hoch spezialisierte Fachkräfte im OP oder anderen medizinischen Bereichen
Sabine Stahl | 22.8.2026 | Lesedauer: 4 Minuten

Abwechslungsreich und verantwortungsvoll: Die Kardiotechnik ist ein spannendes Berufsfeld für Pflegekräfte mit Interesse an Hightech und Herzchirurgie.

Kardiotechniker, offiziell auch Perfusionist genannt, bedienen und überwachen Herz-Lungen-Maschinen und andere lebenserhaltende Geräte während herzchirurgischer Eingriffe. Der zuständige Fachverband, die Deutsche Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM, bis 2025 "Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik"), verwendet seit 2020 offiziell die Bezeichnung "Perfusionist:in". In Deutschland arbeiten aktuell rund 670 klinisch tätige PerfusionistInnen an rund 79 Kliniken mit herzchirurgischer Fachabteilung. Der Zugang erfolgt meist über eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege oder als ATA/OTA, gefolgt von einer Zusatzqualifikation an einer Hochschule oder einem akkreditierten Ausbildungszentrum. Das Gehalt liegt bei rund 4.500 Euro brutto im Monat, mit Berufserfahrung bei 6.000 Euro und mehr.

Die moderne Herzchirurgie wäre ohne Fachkräfte nicht denkbar. Die Kardiotechnik ist ein hochspezialisiertes Feld innerhalb der Medizin, das sich mit der Anwendung und Überwachung von Herz-Lungen-Maschinen und anderen lebenserhaltenden Geräten während herzchirurgischer Eingriffe befasst.

Für Pflegefachkräfte, die ihre Karriere erweitern und sich in einem technisch anspruchsvollen Bereich spezialisieren möchten, bietet die Weiterbildung zum Kardiotechniker, auch Perfusionist genannt, eine attraktive Möglichkeit. Der folgende Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen rund um die Ausbildung, inklusive Ausbildungsinhalte, Voraussetzungen, Kosten, Einsatzorte und Verdienstmöglichkeiten.

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Berufsbild: Was macht ein Kardiotechniker, eine Kardiotechnikerin?

Kardiotechniker sind verantwortlich für den Betrieb und die Überwachung von Herz-Lungen-Maschinen, die während Operationen die Funktion von Herz und Lunge übernehmen. Die Fachkräfte arbeiten eng mit Herzchirurgen, Anästhesisten und dem Pflegepersonal zusammen, um die Vitalfunktionen der Patienten und Patientinnen während eines Eingriffs sicherzustellen.

Darüber hinaus betreuen Kardiotechniker und Kardiotechnikerinnen auch andere wichtige Geräte, wie die ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung), künstliche Herzsysteme, Herzschrittmacher oder Defibrillatoren. Die Fachkräfte sind sowohl im OP als auch auf der Intensivstation tätig. Neben dem technischen Know-how ist für diesen Beruf auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein für die Sicherheit und das Leben der Patienten erforderlich.

International und zunehmend auch in Deutschland hat sich für diesen Beruf die Bezeichnung "Perfusionist" durchgesetzt. Der zuständige deutsche Fachverband, die Deutsche Gesellschaft für Perfusiologie und Technische Medizin (DGPTM) – bis zur Umbenennung 2025 "Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik" (DGfKT) –, beschloss bereits 2020 per Mitgliedervotum, offiziell den Begriff "Perfusionist:in" zu verwenden. In der Praxis werden beide Bezeichnungen weiterhin parallel genutzt. Laut DGPTM sind aktuell rund 670 PerfusionistInnen klinisch tätig, verteilt auf rund 79 Kliniken mit herzchirurgischer Fachabteilung in Deutschland (Stand 2026).

Ausbildung: Wie wird man Kardiotechniker?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Kardiotechniker oder Kardiotechnikerin zu werden. Dabei sind immer theoretischer Unterricht und praktische Ausbildungsabschnitte in herzchirurgischen Kliniken oder Zentren enthalten.

Bundesweit ist "Kardiotechniker" kein einheitlich staatlich geregelter Ausbildungsberuf. Eine Ausnahme bildet Berlin, wo der Beruf über das dortige "Gesetz über Medizinalfachberufe" staatlich geregelt ist. In allen anderen Bundesländern erfolgt die anerkannte Qualifikation stattdessen über ein EBCP-Zertifikat (European Certificate in Cardiovascular Perfusion) nach einer Ausbildung an einem von der DGPTM bzw. dem European Board of Cardiovascular Perfusion (EBCP) akkreditierten Ausbildungszentrum.

Voraussetzungen: Wer kann Kardiotechniker werden?

Die Ausbildung zum Kardiotechniker setzt in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung in einem relevanten Beruf voraus. Hierzu zählen etwa eine examinierte Pflegefachfrau oder ein Pflegefachmann, aber auch ein ausgebildeter ATA oder OTA.

An der FH Münster wird der Masterstudiengang "Cardiovascular Perfudion" angeboten. Zugangsvoraussetzung hierfür ist ein Abschluss in Biomedizintechnik, Pflege, Medizin oder Pharmakologie inklusive mindestens einem Jahr Berufserfahrung. Der Studiengang dauert 5 Semester und schließt mit dem Titel Master of Science ab.

Alternativ bietet die FH Münster einen Hochschulzertifikatskurs in Kardiotechnik an. Voraussetzung hierfür ist entweder ein einschlägiger, erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss wie etwa in Biomedizintechnik oder eine Ausbildung zum Notfallsanitäter, Krankenpfleger oder einem vergleichbaren Berufsabschluss oder aber drei Jahre Berufserfahrung in der Kardiotechnik.

Folgende Voraussetzungen müssen in der Regel erfüllt werden:

  • Abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen
  • Einschlägige Berufserfahrung
  • Technisches Verständnis und Interesse an Medizinphysik
  • Psychische und physische Belastbarkeit
  • Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein

Ausbildungsorte: Wo kann man die Weiterbildung machen?

In Deutschland bieten mehrere Einrichtungen eine einschlägige Ausbildung an:

  • Die FH Münster bietet einen Hochschulzertifikatskurs in Kardiotechnik und einen Masterstudiengang in „Cardiovascular Perfusion" an.
  • Die Berliner Hochschule für Technik bereitet einen Studiengang „Cardiovascular Perfusion" vor. Aktuell wird das Studienangebot nochmal überarbeitet. Ziel ist es, das Studium kostenfrei anbieten zu können.
  • Klinikinterne Ausbildungen an Herzzentren: Traditionell und weiterhin verbreitet ist die praktische Ausbildung direkt an einem der über die DGPTM/EBCP akkreditierten Herzzentren, die eigene Ausbildungsplätze für angehende Perfusionist:innen anbieten. Eine Übersicht akkreditierter Zentren und aktueller Ausbildungswege stellt die DGPTM auf ihrer Karriereseite bereit.

Kosten und Finanzierung: Was kostet die Ausbildung – und wer zahlt?

Die Kosten für die Weiterbildung variieren je nach Anbieter. An der FH Münster fallen pro Semester 350 Euro Gebühren (zzgl. 3.000 Euro allgemeine Studiengebühren pro Semester). Teilweise werden die Gebühren vom Arbeitgeber übernommen. Es gibt auch Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung durch Bildungsgutscheine oder Stipendien, unter anderem vergibt auch die DGPTM eigene Stipendien für den Nachwuchs. Zu den Gebühren für die Ausbildung kommen gegebenenfalls noch Ausgaben für Literatur, Prüfungen oder Unterkunft hinzu.

Gehalt: Was verdient ein Kardiotechniker oder eine Kardiotechnikerin?

Während der Weiterbildung erhalten Kardiotechniker und Kardiotechnikerinnen kein Gehalt. Nach abgeschlossener Fortbildung variiert das Einkommen je nach Einrichtung, Region und Berufserfahrung. Der Entgeltatlas der Arbeitsagentur gbt für Kardiotechniker einen Median von 6.834 Euro an (Stand 2026).

In der Zeitarbeit verdienen Kardiotechniker noch mehr Geld. Bei doctari, der Nr. 1 für Zeitarbeit in der Medizin, erhalten Kardiotechniker und Kardiotechnikerinnen bis zu 38 Euro pro Stunde.

Zusätzlich sind Zuschläge für Bereitschaftsdienste, Rufbereitschaft oder Wochenendarbeit üblich.

Arbeitsorte: Wo arbeiten Kardiotechniker?

Kardiotechnikerinnen und Kardiotechniker arbeiten hauptsächlich in Herzzentren und Universitätskliniken. Andere Einsatzsorte sind:

  • Spezialkliniken für Herz- und Gefäßchirurgie
  • Intensivstationen mit ECMO-Programmen
  • Rehabilitationszentren
  • Forschungseinrichtungen
  • Medizintechnische Unternehmen

Die Arbeit erfordert hohe Konzentration, technisches Verständnis und Entscheidungsstärke. Gleichzeitig bietet sie ein abwechslungsreiches und hochverantwortungsvolles Umfeld.

Fazit: Lohnt sich die Weiterbildung „Kardiotechnik“ für Pflegefachkräfte?

Für Pflegefachkräfte, die sich technisch weiterentwickeln und eine verantwortungsvolle Position im medizinischen Team übernehmen möchten, bietet die Weiterbildung zum Kardiotechniker bzw. zur Perfusionist:in hervorragende Perspektiven. Sie ermöglicht den Einstieg in ein spezialisiertes Feld mit hoher Nachfrage und attraktiven Verdienstmöglichkeiten – bei aktuell nur rund 670 klinisch tätigen Fachkräften bundesweit ein Berufsfeld mit überschaubarer, aber sehr gefragter Fachkräftebasis.

Titelbild: iStock.com/kadmy

FAQ: Häufige Fragen zu Kardiotechnik und Perfusionist

Was ist der Unterschied zwischen Kardiotechniker und Perfusionist:in?

Inhaltlich handelt es sich um denselben Beruf. Der zuständige deutsche Fachverband (heute DGPTM, bis 2025 DGfKT) hat 2020 beschlossen, offiziell die Bezeichnung "Perfusionist:in" zu verwenden, in Anlehnung an den international gebräuchlichen Begriff. In der Praxis werden beide Bezeichnungen weiterhin parallel genutzt.

Wie viele Kardiotechniker bzw. Perfusionisten gibt es in Deutschland?

Laut DGPTM sind aktuell rund 670 Perfusionist:innen klinisch tätig, verteilt auf rund 79 Kliniken mit herzchirurgischer Fachabteilung (Stand 2026).

Ist Kardiotechniker ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf?

Nur in Berlin ist "Kardiotechniker" über das dortige Gesetz über Medizinalfachberufe staatlich geregelt. In den übrigen Bundesländern erfolgt die anerkannte Qualifikation über ein EBCP-Zertifikat nach einer Ausbildung an einem akkreditierten Ausbildungszentrum oder über einen Hochschulabschluss wie an der FH Münster.

Was verdient ein Kardiotechniker/ein Perfusionist?

Laut Entgeltatlas liegt der Median bei 6.834 Euro und mehr.

Redakteurin und Contentmanagerin

Sabine Stahl

Sabine Stahl Redakteurin und Contentmanagerin

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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