2026 wird eine Reihe von tiefgreifenden Reformen das deutsche Gesundheitssystem prägen. Zentrale Elemente werden 2026 die Krankenhausreform mit neuen Leistungsgruppen und Spezialisierungen und die flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Aber auch ein Digitalisierungsschub, die Ambulantisierung von Leistungen, veränderte Personal- und Kompetenzprofile sowie steigende Anforderungen an Qualität und PatientInnensicherheit werden das Jahr 2026 Im Gesundheitssystem bestimmen. Diese Veränderungen wirken alle auf Arbeitsabläufe, Rollenprofile und Belastung im Klinikalltag.
1. Krankenhausreform 2026: Struktur, Spezialisierung, Leistungsgruppen
Kliniken werden ihre Leistungen neu ordnen. Leistungsgruppen werden klarer definiert, spezialisierte Zentren für bestimmte Therapien und Eingriffe sollen entstehen. Die Strukturvorgaben zwingen Krankenhäuser und Kliniken dazu, Kapazitäten effizienter zu nutzen, Abteilungen zu bündeln oder neu auszurichten. Für Teams bedeutet dies eine höhere Schnittstellenarbeit: PatientInnen werden häufiger zwischen Abteilungen und Kliniken verlegt, und die Abstimmung zwischen Fachbereichen intensiviert sich. Gleichzeitig entstehen Chancen, Behandlungswege zu optimieren und Spezialisierungskompetenz aufzubauen. Allerdings bringt das auch einen höheren Abstimmungsaufwand mit sich – und wahrscheinlich auch eine höhere Arbeitsbelastung.
2. Flächendeckende ePA-Pflicht: veränderte Dokumentations- und Informationswege
Die verpflichtende Einbindung der elektronischen Patientenakte (ePA) standardisiert die Dokumentation in allen Einrichtungen. Befunde, Laborwerte, Medikationspläne und Therapiepläne werden digital verfügbar und sektorenübergreifend abrufbar. Für ÄrztInnen und Pflegepersonal verändert sich die Routine: Informationen müssen nicht mehr mehrfach erfasst, dafür aber korrekt eingepflegt, geprüft und interpretiert werden. Die digitale Aktenführung erhöht die Transparenz, erfordert aber zugleich neue Kompetenzen und Aufmerksamkeit bei der Datensicherheit. Am Anfang steht ein erhöhter Lernaufwand und erhöhte Aufmerksamkeit allen Mitarbeitenden, langfristig soll die elektronische Patientenakte für weniger Doppelarbeit und klarere Informationswege sorgen.
Digitalisierung hilft allen
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3. Digitalisierungsschub: digitale Tools, Automatisierung, KI-basierte Diagnostik
Neben der ePA treiben Kliniken auch 2026 weitere digitale Lösungen voran. Automatisierte Prozesse im OP-Management, KI-gestützte Diagnostik in Radiologie und Pathologie sowie digitale Planungs- und Monitoring-Tools werden flächendeckend implementiert. Diese Technologien sollen Informationsflüsse verbessern und evidenzbasierte Entscheidungen unterstützen. Im klinischen Alltag verschiebt sich dafür der Fokus: ÄrztInnen und Pflegefachpersonal übernehmen stärker Aufgaben in Datenbewertung, Prozesssteuerung und Qualitätssicherung, während Routineaufgaben automatisiert ablaufen. Die Analyse und Entscheidungssteuerung sorgen allerdings für eine höhere kognitive Anforderungen der Mitarbeitenden.
4. Ambulantisierung und Hybrid-DRGs: Verschiebung von Leistungen
Immer mehr Eingriffe, Diagnostik und Therapien verlagern sich in ambulante oder tagesstationäre Praxen oder Kliniken. Hybrid-Diagnosis Related Groups (diagnosebezogene Fallgruppen, Hybrid-DRGs) ermöglichen eine flexible Abrechnung, die stationäre und ambulante Leistungen kombiniert. Kliniken können damit kürzere Aufenthalte planen. Das erfordert allerdings präzise Vor- und Nachsorgeplanung, enge Kooperation mit niedergelassenen KollegInnen und klar geregelte Übergaben. Pflege- und ärztliche Teams stehen dadurch stärker in organisatorischen Rollen.
5. Neue Personal- und Kompetenzprofile
Die Reformen schaffen Bedarf an erweiterten Rollenprofilen. Advanced Practice Nurses, Physician Assistants und interprofessionelle Teams übernehmen Verantwortung für Prozesssteuerung, Fallmanagement und PatientInnennahe Koordination. Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegefachpersonen entwickeln sich zu Teamleitenden, die komplexen Abläufe überwachen und Entscheidungen datenbasiert treffen. Die Aufgaben werden stärker verteilt, Teamarbeit und Fallmanagement intensivieren sich. Interprofessionelle Zusammenarbeit wird zur Selbstverständlichkeit, wodurch die Grenzen klassischer Rollen flexibler werden. Durch die steigende Komplexität durch neue Rollen erhöht sich allerdings die Belastung für Mitarbeitende.
6. Anforderungen an Qualität und PatientInnensicherheit
Kliniken unterliegen 2026 höheren Qualitätsanforderungen. Leitlinien, Checklisten, Zertifizierungen und standardisierte Prozesse prägen die Routine stärker als bisher. Digitale Tools helfen, Qualitätsindikatoren zu überwachen, Risiken frühzeitig zu erkennen und PatientInnen sicher zu behandeln. Das erhöht den Anspruch an Fachkräfte, Entscheidungen evidenzbasiert, nachvollziehbar und rechtssicher zu dokumentieren. Fachkräfte werden stärker zu ProzesssteuererInnen und QualitätssichererInnen, was höhere kognitive Anforderungen und Fokus auf Prozesskontrolle mit sich zieht.
7. Belastungstrends und Herausforderungen für Fachkräfte
Die Reformen verschieben die Belastung: Automatisierung und Digitalisierung reduzieren Routinearbeit, die steigende Koordinations- und Planungsverantwortung erhöht jedoch die kognitive und organisatorische Belastung. Sektorübergreifende Abstimmung, kürzere Liegezeiten, Hybrid-DRGs und interprofessionelle Aufgaben erhöhen Stresspotenziale, verlangen zugleich mehr Eigenverantwortung, Kommunikations- und Managementkompetenz. Für Teams bedeutet dies: mehr Dynamik, komplexere Abläufe und neue Rollenanforderungen, aber auch mehr Verantwortung für evidenzbasierte Maßnahmen und sichere Umsetzung.
Fazit
2026 transformiert das Gesundheitssystem die klinische Arbeit nachhaltig. Spezialisierung, Digitalisierung, Ambulantisierung und neue Rollenprofile verändern Abläufe, Verantwortlichkeiten und Belastungen. Personal in Kliniken und Krankenhäusern profitieren von klareren Prozessen, effizienter Datenverfügbarkeit und stärkerer interprofessioneller Zusammenarbeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Prozesssteuerung, digitale Kompetenz und Qualitätsbewusstsein. Auch die Arbeitsbelastung wird wahrscheinlich dadurch steigen.
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