Facharzt für Kinder- und Jugend­psychiatrie und -psychotherapie

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Die Fachärztin bzw. der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie hilft seinen jungen Patienten bei psychischen Störungen und Erkrankungen. Kinder und Jugendliche verhalten sich bei seelischen Problemen anders als Erwachsene und haben andere Bedürfnisse, was den Beruf besonders verantwortungsvoll und komplex macht.

Facharzt für Kinderseelen

Während der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sich Kindern und Jugendlichen widmet, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden Erwachsene von Ärzten für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Psychosomatik behandelt. Die Aufteilung in Psychiatrie und Psychosomatik, wie es für erwachsene Patienten üblich ist, existiert in der Behandlung der Heranwachsenden nicht. Bei Entwicklungsverzögerungsstörungen kann es vorkommen, dass die Fachärzte auch Menschen bis zum 21. Lebensjahr behandeln.

Den eigenständigen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es in Deutschland erst seit 1968 (Kinder- und Jugendpsychiater). Die Facharztbezeichnung wurde 1992 um „und -psychotherapie“ ergänzt, um deutlich zu machen, dass psychotherapeutische Kompetenzen inklusive der sogenannten Richtlinienpsychotherapie ein Bestandteil der Weiterbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist.

Das kann der Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Neben einer allgemeineren Wissensvermittlung, zum Beispiel zu den Entstehungsbedingungen psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, umfasst die Weiterbildung zum Facharzt drei spezielle Teile: Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Unter anderem beschäftigen sich die Psychiater bzw. Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche mit folgenden Inhalten:

  • Krankheitslehre neurologischer Krankheitsbilder sowie Anamnese und Untersuchung
  • Behandlung psychischer Erkrankungen und Störungen mit der Formulierung von Behandlungszielen
  • Sozialpsychiatrische Behandlung und Rehabilitation
  • Diagnostik und Therapie geistiger Behinderungen
  • Psychotherapieverfahren wie autogenes Training oder Hypnose
  • Einzel- und Gruppenselbsterfahrung

Aufgrund der zahlreichen Fachgebiete, die in die Arbeit der Fachärzte einfließen, ist diese Liste nicht vollständig.

KJP-Ärzte helfen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien

Die Fachärzte helfen betroffenen Kindern und Jugendlichen unter Einbeziehung ihrer Familien und des sozialen Umfeldes. Probleme können Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten oder seelische Probleme sein. Häufige Anlässe sind Schwierigkeiten beim Füttern oder Essen, Ängstlichkeit, Schulprobleme bis hin zu selbstverletzendem Verhalten und Suchtproblemen (z. B. überhöhter Medienkonsum, Drogensucht). Dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden, sondern gemeinsam mit den Angehörigen zu überlegen, was genau zu tun ist, um dem Kind oder Jugendlichen zu helfen.

FAQ Berufsbild KJP

FachärztInnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind bundesweit stark nachgefragt. Die Zahl psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, während die Versorgungsstrukturen regional unterschiedlich ausgebaut sind. Besonders in ländlichen Regionen bestehen häufig lange Wartezeiten auf Therapie- und Diagnostikplätze. Entsprechend gelten KJP-FachärztInnen als gesuchte SpezialistInnen im ambulanten und stationären Bereich mit einem entsprechend guten Gehalt.

Voraussetzung ist die Approbation als Arzt/Ärztin. Anschließend erfolgt die fünfjährige Facharztweiterbildung gemäß Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Teile der Weiterbildung können in angrenzenden Disziplinen wie Psychiatrie und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendmedizin absolviert werden.

Psychotherapeutische Kompetenzen sind ein zentraler Bestandteil der Facharztweiterbildung. ÄrztInnen erlernen anerkannte Therapieverfahren wie Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Verfahren und wenden diese unter Supervision an. Ziel ist eine ganzheitliche Behandlung psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.

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