Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Hilfe für die Kleinsten, wenn die Seele schreit

Die Fachärztin bzw. der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist der Ansprechpartner, wenn die Kleinsten seelische Probleme zeigen. Er nimmt sich selbst den harten Fällen aus dem Familien- und Strafrecht an und leistet somit einen unschätzbar wertvollen Job im Auftrag von Kindern und Jugendlichen. Alles, was es über die anspruchsvolle Weiterbildung zum Kinder- und Jugendpsychiater bzw. -psychotherapeuten zu wissen gibt, ist hier zu lesen.

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Aufgabengebiete und Arbeitsbereiche

Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind Experten für seelische Leiden von Kindern und Jugendlichen. Es handelt sich dabei um einen vielschichtigen Beruf mit umfangreichen Betätigungsmöglichkeiten.

Die Fachärztin bzw. der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie beschäftigt sich – wie es der Name sagt – mit psychischen Problemen von Kindern und Jugendlichen. Die heranwachsenden Mitglieder unserer Gesellschaft verhalten sich bei seelischen Leiden anders als Erwachsene, weshalb es zwingend erforderlich ist, dass sich in diesen Fällen ein Spezialist der Sache annimmt. Etwa 10 bis 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zeigen eine psychische Auffälligkeit oder Störung. Symptome können beispielsweise Aufmerksamkeits-, Denk- und Antriebsstörungen oder eine negative Stimmung sein. Dann rutschen oft auch die schulischen Leistungen ab.

Das Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie beschäftigt sich deswegen nicht nur mit der Erkennung, Behandlung, Vorbeugung und Rehabilitation entwicklungsbedingter, psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen von Menschen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Auch soziale Verhaltensauffälligkeiten unter Beachtung der Einbindung ins familiäre und soziale Lebensumfeld gehören zum Beobachtungsfeld der Fachärzte.

Um das alles einschätzen zu können, führen die Ärztinnen und Ärzte Gespräche mit Kindern und Eltern oder beobachten diese während eines Praxisbesuchs. Außerdem werden speziell für diagnostische Zwecke entwickelte Befragungs- und Beurteilungsbögen eingesetzt. So grenzt die Fachärztin bzw. der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Erkrankungen, die sein Fachgebiet betreffen, von zum Beispiel neurologischen Erkrankungen ab.

Wo arbeiten Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie?

Am häufigsten trifft man die Fachärztin/den Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im ambulanten Bereich. Das bedeutet, dass sie in einer Praxis oder einer Krankenhausambulanz tätig sind, die die Patienten beispielsweise nur vorübergehend (ohne Nachtaufnahme) in Anspruch nehmen. Hier arbeiten über 49 Prozent der betreffenden Fachärzte. Daneben ist die klassische Klinik bzw. das Krankenhaus im stationären Bereich ein häufiger Arbeitgeber. Etwa 45 Prozent arbeiten auf diese Weise, wobei sie auch Nacht- und Wochenendschichten übernehmen. Mehr dazu hier in der Ärztestatisik 2018 der Bundesärztekammer.

Weitergehend können die Fachärzte auch in Erziehungs- und Jugendwohnheimen arbeiten, was sie stark von anderen Ärzten unterscheidet. Dort sind sie ganz nah ans Lebensumfeld der jungen Patienten angebunden, was in Verbindung mit der sogenannten Sozialpsychiatrie steht. Hier beschäftigt sich die Ärztin bzw. der Arzt mit den sozialen Ursachen und Folgen psychischer Störungen ihrer bzw. seiner jungen Patienten. Mit fast 67 Prozent ist die Kinderpsychiatrie bzw. Jugendpsychiatrie ein von Frauen dominierter Facharztbereich Mehr dazu hier in der Ärztestatisik 2018 der Bundesärztekammer.

Wie alle Ärzte können auch Kinderpsychiaterinnen und Kinderpsychiater in der Forschung und Lehre aktiv werden. Dann unterrichten sie an Hochschulen bzw. Universitäten und leiten Studierende der Medizin in ihrer Ausbildung an. Im Forschungsbereich beschäftigen sie sich mit verschiedenen Fragestellungen, die an Fachbereiche wie Psychologie und Neurologie oder Sozialpsychiatrie angrenzen können. So gibt es zahlreiche Beschäftigungsorte, zum Beispiel im Labor bei der Entwicklung von pharmazeutischen Produkten bis hin zur Feldforschung im Lebensumfeld der Patienten.

Grundsätzlich ist die Arbeit als Kinder- bzw. Jugendpsychiater sehr interdisziplinär ausgelegt. Besprechungs- und Behandlungszimmer sind ein ebenso üblicher Arbeitsplatz wie Räume für Kunsttherapie oder tiergestützte Interventionen. Außerdem arbeiten knapp 2,6 Prozent der Fachärzte bei Behörden oder Körperschaften des öffentlichen Rechts wie der Kassenärztlichen Vereinigung. Damit gehört der Titel als Fachärztin bzw. Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie zu den facettenreichsten ärztlichen Betätigungsfeldern. Mehr dazu hier in der Ärztestatisik 2018 der Bundesärztekammer.

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Aus- und Weiterbildung

Wer Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie werden möchte, muss zunächst das Medizinstudium durchlaufen und die Approbation erlangen. Das ist die Berechtigung, um als Arzt arbeiten zu dürfen. Danach kann eine Facharzt-Weiterbildung angeschlossen werden. Hierbei müssen fünf Jahre (60 Monate) an einer geeigneten Weiterbildungsstätte absolviert werden, davon je ein Jahr (12 Monate) in der Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und/oder der Psychosomatik und Psychotherapie. Der alte Titel „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ ohne den Zusatz „Psychotherapie“ wird seit 2018 nicht mehr vergeben. Zwischen 2016 und 2018 wurden 425 neue Titel als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie vergeben. Mehr dazu hier in der Ärztestatisik 2018 der Bundesärztekammer.

Das verdient man als KJP

Das Gehalt des Facharztes Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie richtet sich in öffentlichen Einrichtungen nach den jeweils gültigen Tarifverträgen. Dabei kann sich die Brutto-Vergütung jährlich in folgenden Bereichen bewegen:

  • Assistenzarzt: 54.000-71.000 Euro
  • Facharzt: 70.000-92.000 Euro
  • Oberarzt: 88.000-106.000 Euro
  • Chefarzt: 102.000-122.00 Euro

Je nach Bedarf und Erfahrung sind auch außertarifliche Einigungen möglich, die unter Umständen stark von den oben genannten Angaben abweichen können.

Als approbierter Kinderpsychotherapeut bzw. Jugendpsychotherapeut ist es möglich, sich bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen um einen freien oder zur Nachbesetzung ausgeschriebenen Kassensitz zu bewerben. So kann man sich als selbstständiger Arzt niederlassen. Im Jahr 2015 konnten Ärzte mit eigener Praxis im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. -psychotherapie durchschnittlich einen Reinertrag von 180.000 Euro verzeichnen. Was der selbstständige Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie aber am Ende wirklich als Gewinn auf dem Konto hat, hängt von vielen Faktoren ab, weshalb diese Zahl nur als grober Richtwert zu verstehen ist. Mehr dazu bei destatis.

Spezialisierungen und Fortbildungen für Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist insofern schon sehr vielschichtig, da man wählen muss, ob man sich mehr im Bereich der Psychiatrie oder der Psychotherapie um seine jungen Patienten kümmern möchte. Möglichkeiten der Spezialisierung bestehen beispielsweise im Bereich der suchtmedizinischen Versorgung oder in der Durchführung von Einzel- und Gruppentherapiesitzungen.

Die Fortbildungsmöglichkeiten sind für die Fachärzte genauso umfangreich wie die eigentliche Ausbildung. Grundsätzlich muss sich jeder Arzt regelmäßig fortbilden, um weiter arbeiten zu dürfen. So können Veranstaltungen im Bereich der Traumatherapie oder zur Beratung bei Schicksalsschlägen wahrgenommen werden. Auch Schnittstellenthemen wie Psychosomatik oder Pädagogik können von einer Fachärztin bzw. einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie wahrgenommen werden.