Tipp der Redaktion

Buch-Vorstellung: Der verlorene Patient

Das Buchcover von "Der verlorene Patient" zeigt Autor Umes Arunagirinathan.
Sabine Stahl | 2.4.2024 | Lesedauer: 2 Minuten

Krankenhäuser stehen unter ökonomischem Druck. Was das für Auswirkungen auf PatientInnen und das Personal hat, beschreibt das Buch „Der verlorene Patient“.

Menschen sind individuell, Krankheiten ebenfalls und so sollten auch Therapien sein. Doch diese Herangehensweise ist durch die Fallpauschalen, mit denen Krankenhäuser seit 2003 abrechnen müssen, schwer zu realisieren. Diese Meinung vertritt Dr. Umes Arunagirinathan, Herzchirurg und Bestsellerautor in seinem Buch „Der verlorene Patient – Wie uns das Geschäft mit der Gesundheit krank macht“.

Unnötige Einweisungen und zu viel Schema F

„Krankenhäuser und Praxen haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu Wirtschaftsunternehmen entwickelt", schreibt Arunagirinathan. Informativ und leicht verständlich beschreibt er in seinem Buch, wie ein Krankenhaus funktioniert, unter welchem ökonomischen Druck viele Häuser stehen und was die Abrechnung nach Fallpauschalen statt nach individueller Behandlung für Folgen hat.
Dazu gehören beispielsweise unnötige Einweisungen von der Notaufnahme auf die Stationen, denn nur wenn Betten belegt sind, nur wenn Untersuchungen durchgeführt und OP-Säle genutzt werden, kann auch abgerechnet werden. Eine intensive Recherche etwa zu einem komplexen Fall kann im System der Fallpauschalen hingegen nicht berücksichtigt und somit nicht vergütet werden.
Neben vielen Informationen zum System gewährt Dr. Arunagirinathan auch Einblicke in seinen Alltag als Arzt in einem Krankenhaus. Dies geschieht etwa durch eine detaillierte Ablaufbeschreibung eines 24-Stunden-Dienstes, bei dem ein Mittagessen nur möglich ist, wenn er in der zweiten OP-Schicht eingeteilt ist.

Fazit: Lesenswert für medizinische Fachkräfte und für PatientInnen

Das Buch „Der verlorene Patient“ beschreibt, wie der ökonomische Druck die Versorgung der Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern verschlechtert hat. Und es thematisiert, was das für Ärztinnen und Ärzte bedeutet, wenn sie ihre PatientInnen in Standards einteilen und Diagnosen sowie Therapien in vorgegebene Schemas pressen müssen.

Podcast mit Dr. Umes

Als Jugendlicher ist er aus Sri Lanka geflohen – heute ist er einer von nur 1.300 Herzchirurg*innen deutschlandweit. Dr. Umeswaran Arunagirinathan – kurz Dr. Umes – erzählt in der vierten Folge von „Stationäre Aufnahme“ von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen.

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Über Dr. Umes

Dr. Arunagirinathan floh mit 13 Jahren vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka und kam über diverse Stationen in afrikanischen Ländern schließlich nach Deutschland. Dort studierte er Medizin und durchlief die Ausbildung zum Facharzt für Herzchirurgie. Mittlerweile hat er bereits 4 Bücher veröffentlicht, in Kürze erscheint Buch Nummer 5 mit dem Titel: Herzensdinge. Aktuell arbeitet Dr. Umes in Zeitarbeit für doctari. In unserem Podcast „Stationäre Aufnahme“ sprachen wir mit ihm über seine Geschichte, seine Flucht, seine Integration und darüber, warum er in der Zeitarbeit arbeitet.

Titelbild: Rowohlt Polaris

Autorin

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

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