Tipps: Besser schlafen

Schlafstörungen bei Schichtarbeit: Das kann man tun | Teil 2

Eine müde Pflegefachkraft lehnt sich gegen eine Wand und schließt die Augen.
Amely Schneider | 21.6.2024 | Lesedauer: 4 Minuten

Schlafprobleme nach der Schichtarbeit? Das kann zu gesundheitlichen Problemen führen und zu sozialen. Zum Tag des gesunden Schlafs (21.6.) geben wir Tipps.

Für Pflegekräfte und ÄrztInnen gehört Schichtarbeit inklusive Nachtschicht zum Alltag. Nachts zu arbeiten, wenn der Körper eigentlich schlafen sollte, kann aber zu Schlafproblemen bzw. Schlafstörungen führen. Zum einen kann es dazu kommen, dass die medizinischen Fachkräfte nach dem Spätdienst oder der Nachtschicht Probleme beim Einschlafen haben. Gleichzeitig kann extreme Müdigkeit während der Arbeit zu Problemen führen. Denn Müdigkeit mindert Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Zudem leiden Menschen mit schlechtem oder zu wenig Schlaf oft unter Stimmungsschwankungen, sind angespannt und leicht reizbar. Das kann wiederum zu Problemen mit der Familie, den KollegInnen oder anderen Mitmenschen führen.

Gesundheitliche Folgen bei Schlafstörungen

Wer häufig schlecht schläft, nicht einschlafen oder durchschlafen kann, entwickelt laut der Deutschen Herzstiftung eher Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Menschen mit gängigen und regelmäßigen Arbeitszeiten.

Zudem deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass eine kurze Schlafdauer mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden sein könnte. Auch bestimmte Krebsarten könnten von Schichtarbeit begünstigt werden. Darüber hinaus steigt das Unfallrisiko mit jeder Stunde weniger Schlaf.

Ein Chirurg liegt im grünen Kittel und mit pinkfarbenen Schlappen in einem Krankenhausbett und schläft.

Viele Menschen haben nach einer Spät- oder Nachtschicht, Probleme beim Einschlafen

Schichtarbeiter-Syndrom: Was ist das?

Ist der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus aufgrund von Schichtarbeit dauerhaft gestört, spricht man mitunter vom Schichtarbeitersyndrom, einer Störung des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus. Betroffene sind in der Regel sehr müde und schlafen teilweise auch tagsüber ungewollt ein, etwa in sehr monotonen Situationen.

Gleichzeitig leiden Betroffene an Schlafstörungen. Sie können etwa nach der Nachtschicht oder dem Spätdienst schlecht einschlafen oder sie finden tagsüber nach der Nachtschicht nicht genügend Schlaf, um ausgeruht zu sein. Weitere mögliche Symptome des Schichtarbeitersyndroms sind Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen.

Schlafstörungen bei Schichtarbeit: Was tun?

Sanfte Übergänge schaffen

Wer in wechselnden Schichten im Krankenhaus oder einer Klinik arbeitet, kann sich das Anpassen an neue Schichten erleichtern, indem er oder sie die Schlaf- und Wachzeiten in den letzten Tagen der jeweiligen Schicht um ein bis zwei Stunden nach vorne schiebt. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Diese Methode helfe dem Körper, sich langsam an den veränderten Rhythmus zu gewöhnen. So kommen Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte besser durch die nächste Nacht- oder Frühschicht.

Wer mehr über den eigenen Schlaf wissen möchte, kann ein Schlaf-Wach-Tagebuch führen. Darin sollten Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte das eigene Wohlbefinden je nach Schicht notieren. Nicht jeder Mensch hat die gleichen Bedürfnisse. Wer darüber mehr weiß, kann gezielter damit umgehen.

Schlafprobleme: Mit Vorgesetzten sprechen

Auf die Gestaltung der Schichtpläne haben MitarbeiterInnen im Krankenhaus meist nur wenig oder gar keinen Einfluss. Der Personalmangel lässt vielerorts zudem wenig Spielraum. Trotzdem kann es sich lohnen, das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten zu suchen, wenn die Schichtarbeit zu Schlafproblemen führt. Möglicherweise lassen sich individuelle Bedürfnisse doch berücksichtigen. Schließlich haben Gesundheits- und Krankenpfleger, OTAs, ATAs, ÄrztInnen und alle anderen medizinischen Fachkräfte einen sehr verantwortungsvollen Job.

Ein Wecker steht auf einem Schreibtisch, im Hintergrund schläft eine Ärztin

Schlafstörungen nach der Schichtarbeit: So mancher greift dann zu Hilfsmitteln wie Tabletten. Doch ist das eine gute Idee?

Schlafmittel gegen Schlafprobleme? Ja oder nein?

Schlaftabletten schaffen zwar kurzfristig Erleichterung, bekämpfen aber nicht die Ursache der Schlafprobleme bei Schichtarbeitenden. Sie sollten maximal zwei Wochen eingenommen werden. Schlafmittel haben oft unerwünschte Nebenwirkungen. Zudem lässt ihre Wirkung mit der Zeit nach, sodass die Dosis gesteigert werden muss. Dadurch können Abhängigkeiten entstehen.

Besser sind pflanzliche Sedativa wie Baldrian, die Anspannungen lösen und dadurch den Schlaf fördern. Sie können über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Ihre volle Wirksamkeit entfalten sie erst nach einigen Tagen bis Wochen.

Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin sind umstritten

Seit einiger Zeit gibt es auf dem Markt freiverkäufliche Tabletten oder Sprays, die Melatonin enthalten. Melatonin ist ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Zyklus reguliert. Es wird im Gehirn gebildet und signalisiert dem Körper, dass es Zeit ist, müde zu werden.

Über Nutzen und Wirksamkeit der Melatonin-Produkte wird noch viel diskutiert. Eine Gruppe von Forschenden hat vor einigen Jahren alle bisherigen Untersuchungen dazu gesichtet und kam zu dem Urteil: „Wer Melatonin einnimmt, schläft nach der Nachtschicht tagsüber eventuell 24 Minuten länger, jedoch gibt es möglicherweise keine Auswirkungen auf andere schlafbezogene Endpunkte wie die Einschlafdauer.“

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So können Krankenhäuser Schichtarbeit gesünder gestalten

Auch Krankenhäuser und Kliniken können etwas dafür tun, dass Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte besser schlafen. So sollte sich die langfristige Planung der Schichten, wenn möglich, am zirkadianen Rhythmus im Uhrzeigersinn orientieren. Das empfehlen ExpertInnen der DGSM. So erfolge der Wechsel am besten von der Tag- über die Abend- zur Nachtschicht.

Umgekehrte Schichtpläne könnten Schlafstörungen verstärken. Die Zahl aufeinanderfolgender Nachtschichten sollte auf maximal drei begrenzt werden. Geblockte Freizeiten seien besser als einzelne freie Tage.

Weitere, alltagstaugliche Tipps gegen Schlafprobleme nach dem Schichtdienst gibt es in unserem ersten Teil.

Titelbild: iStock.com/Korrawin

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Amely Schneider

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