Neue Prognose

2049 fehlen in Deutschland mindestens 280.000 Pflegekräfte

Eine verschwommen zu sehende Person im weißen Kittel läuft über einen ansonsten leeren Krankenhausflur
Sabine Stahl | 27.1.2024 | Lesedauer: 2 Minuten

Schon heute fehlt jede Menge Pflegepersonal. Doch die Zahl wird weiter steigen. Laut einer aktuellen Prognose auf 280.000, wenn es gut und auf 690.000, wenn es schlecht läuft.

Die Statistiker haben ihre Rechenmaschinen angeworfen und neue Prognosen für den Pflegebereich veröffentlicht. Demnach fehlen, wenn es gut läuft, im Jahr 2049 „nur“ 280.000 Kräfte. Läuft es nicht so gut, dann fehlen den Statistikern zufolge sogar 690.000 Fachkräfte. Was genau bedeutet gut bzw. schlecht?

Die Statistiker gehen davon aus, dass der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland von Jahr zu Jahr steigen wird. Denn die Menschen werden immer älter und somit häufig auch pflegebedürftig. Im Jahr vor Corona, 2019, lag der Bedarf an erwerbstätigen Pflegepersonen bei 1,62 Millionen. 2049, also 30 Jahre später, werden in Deutschland 2,15 Millionen Fachkräfte gebraucht.

Im schlimmsten Fall fehlen sogar 690.000 Fachkräfte

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der erwerbstätigen Pflegekräfte an. Wird dies bei den Prognosen berücksichtigt, dann kann die große Lücke aufgrund der vielen Renteneintritte der Babyboomer-Generation etwas abgemildert werden.  Steigt die Zahl der Pflegekräfte auf 1,74 Millionen bis 2034 und weiter auf 1,87 Millionen bis 2049, dann fehlen bis dahin rund 280.000 Fachkräfte aus der Pflege. Werden keine Trends berücksichtigt, dann wird die Zahl der Pflegenden bis 2049 auf 1,46 Millionen sinken. Das ergibt, rein rechnerisch, eine Lücke von 690.000 Pflegekräften.

Gleicher Job, bessere Bedingungen

Als Vertretungskraft bei doctari, der Nr. für Zeitarbeit in der Medizin, profitieren Sie von einer hohen Wertschätzung, mehr Gehalt und mehr Mitspracherecht. Registrieren Sie sich kostenlos und unverbindlich.

Jetzt registrieren

Bereits heute fehlen hunderttausende Pflegekräfte

Der Bedarf an Pflegekräften übersteigt bereits heute massiv die Zahl der erwerbstätigen Pflegenden. Nach Schätzungen des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe müssten aktuell rund 200.000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden, um alle Pflegebedürftigen adäquat verpflegen zu können. Fast alle Krankenhäuser melden, sie hätten Probleme, offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Für die aktuell Beschäftigten verschlechtert sich die Situation stetig. Sie leisten jede Menge Überstunden, müssen zusätzliche Schichten übernehmen und es bleibt immer weniger Zeit für die eigentliche Arbeit an den PatientInnen.

Doch was kann gegen den Fachkräftemangel getan werden?

Es gibt viele Bemühungen, dem stetig steigenden Fachkräftemangel zu begegnen. Zum einen wurde die Ausbildung im Jahr 2020 reformiert, unter anderem mit dem Ziel, durch eine höhere Akademisierung den Beruf und sein Ansehen aufzuwerten. Seit 2024 gibt es darüber hinaus eine Vergütung für Studierende im Bereich Pflege. Auch das geplante Pflegekompetenzgesetz soll den Beruf attraktiver machen, denn es sieht unter anderem mehr Kompetenzen für die Pflegenden vor.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage nehmen viele Kliniken die Sache selbst in die Hand und investieren selbst in die Ausbildung von Pflegekräften. 45 Prozent der befragten Einrichtungen gaben an, die Ausbildungskapazitäten auszubauen und 41 Prozent setzen auf Fachkräfte aus dem Ausland. Jeweils rund ein Viertel der Kliniken stellt vermehrt Altenpflegekräfte ein bzw. schafft zusätzliche materielle Anreize. All das geschieht in der Hoffnung, das Dauerproblem Personalmangel etwas abmildern zu können.

Titelbild: iStock.com/upixa

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

Inhaltsverzeichnis
Teilen
Mehr zum Thema
Organspende
Organspende-Register: 80.000 Registrierungen in einer Woche

Seit 18. März gibt es das Online-Organspende-Register in Deutschland. Seither haben sich fast 80.000 Personen registriert.

Zum Artikel >
Zwei Hände halten gemeinsam ein rotes Herz - als Symbol für das Thema Organspende.
DAK-Pflegereport
Wenn Babyboomer-Pflegekräfte in Rente gehen, kippt die Lage

Wenn mehr Pflegekräfte in Rente gehen als neu ausgebildete nachkommen, wird es kritisch – und das passiert schon 2029, sagt die DAK.

Zum Artikel >
Eine ältere Pflegekraft mit grauen Haaren lächelt in die Kamera
Ärztedichte Deutschland
Wie viele Ärzte gibt es in Deutschland und wie sind sie verteilt?

Die in Deutschland arbeitenden ÄrztInnen sind ungleich verteilt. Hinzu kommt, dass viele niedergelassene Mediziner bald in Rente gehen werden.

Zum Artikel >
Zehn Ärztinnen und Ärzte stehen im Kreis und jeder hält ein Puzzleteil in der Hand.
Mythos oder Wahrheit?
5 Vorurteile gegenüber Zeitarbeit: Was ist dran?

Zeitarbeit in der Medizin hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Wir haben die fünf häufigsten davon mit unserer Datenbank gegengecheckt.

Zum Artikel >
112: Tag des Notrufs
Medizinische Rettungsfahrzeuge: Welche gibt es?

Wer die 112 wählt, braucht dringend Hilfe. Doch was genau muss der Anrufer an Infos weitergeben und welche Fahrzeuge rücken bei welchem Notfall aus?

Zum Artikel >
Ein Rettungswagen fährt auf einer Landstraße. Auf den Hecktüren steht "Notruf 112"
Klinikreport 2024
Wie nachhaltig sind Krankenhäuser in Deutschland?

Für Krankenhäuser spielt das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Doch was genau setzen die Einrichtungen schon um und was planen sie?

Zum Artikel >
Klinikmitarbeitende halten gemeinsam ein kleine, grüne Pflanze.
Werden Sie jetzt Teil von doctari und finden Sie Ihren Traumjob