Zentrale Notaufnahmen sind Orte permanenter Verdichtung: Entscheidungen fallen unter Zeitdruck, Symptome sind oft unspezifisch, Zuständigkeiten müssen in Sekunden geklärt werden. ÄrztInnen bewegen sich hier zwischen Akutdiagnostik, Stabilisierung und der Organisation weiterer Behandlungsschritte. Genau für dieses Spannungsfeld wurde die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin (KLINAM) geschaffen.
Sie reagiert auf die Realität moderner Notaufnahmen und verfolgt ein klares Ziel: die innerklinische Akut- und Notfallversorgung fachlich zu stärken, organisatorisch zu strukturieren und bundesweit vergleichbare Qualifikationsstandards zu etablieren.
Was umfasst die Zusatz-Weiterbildung KLINAM?
Die Zusatz-Weiterbildung qualifiziert ÄrztInnen für die interdisziplinäre Versorgung von PatientInnen in Zentralen Notaufnahmen. Im Mittelpunkt stehen eine strukturierte Ersteinschätzung, eine sichere Initialdiagnostik und -therapie sowie die Koordination der weiteren klinischen Versorgung.
Abzugrenzen ist die KLINAM von der Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin, die auf die präklinische Tätigkeit im Rettungsdienst ausgerichtet ist. Die KLINAM hingegen bildet das fachliche Fundament für die klinische Notfallmedizin innerhalb des Krankenhauses.
Rechtlich basiert sie auf der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, die von den Landesärztekammern in eigene Weiterbildungsordnungen überführt wird.
Warum wurde KLINAM eingeführt?
Die Einführung der Zusatz-Weiterbildung ist das Ergebnis einer langjährigen fachlichen Diskussion. Immer wieder genannt werden dabei:
- steigende Anforderungen an Qualität, Transparenz und Standardisierung in Notaufnahmen
- komplexere akute Krankheitsbilder und Versorgungsverläufe
- die gelebte Interdisziplinarität in Zentralen Notaufnahmen
- der Bedarf an klar definierten Rollen und Verantwortlichkeiten
Die KLINAM soll dazu beitragen, Versorgungsprozesse transparenter zu machen und die Rolle speziell qualifizierter ÄrztInnen in der Notaufnahme zu stärken.
Voraussetzungen für den Erwerb
Die genauen Anforderungen ergeben sich aus der Weiterbildungsordnung der jeweils zuständigen Landesärztekammer. Auf Grundlage der Muster-Weiterbildungsordnung gelten folgende Mindestvoraussetzungen:
- abgeschlossene Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren PatientInnenversorgung
- Weiterbildung an einer anerkannten Weiterbildungsstätte
- Anleitung durch eine weiterbildungsbefugte Ärztin oder einen weiterbildungsbefugten Arzt
Häufig vertretene Fachrichtungen sind unter anderem Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesiologie oder Allgemeinmedizin.
Übersichtsgrafik Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin
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Inhalte der Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin
Die Zusatz-Weiterbildung ist bewusst interdisziplinär angelegt und verbindet medizinische Expertise mit organisatorischem Know-how.
Organisation und Struktur der Notaufnahme
Ein Schwerpunkt liegt auf Abläufen und Prozesssteuerung in der interdisziplinären Notaufnahme. Dazu zählen die Zusammenarbeit mit Fachabteilungen, Rettungsdienst und externen Schnittstellen ebenso wie rechtliche Grundlagen, Dokumentation und Qualitätssicherung.
Ersteinschätzung und Priorisierung
Die strukturierte Ersteinschätzung – etwa über Triage-Systeme und klinische Scores – bildet die Basis für sichere Entscheidungen. Ziel ist eine verlässliche Priorisierung auch bei hoher Arbeitsdichte.
Akutdiagnostik und -therapie
Versorgt werden akute internistische, chirurgische, neurologische und traumatologische Krankheitsbilder. Hinzu kommt das Management kritisch kranker oder verletzter PatientInnen sowie deren initiale Stabilisierung und Übergabe an weiterführende Versorgungsstrukturen.
Alle Inhalte orientieren sich an den in der Weiterbildungsordnung definierten Kompetenzzielen und werden im Logbuch dokumentiert.
Dauer und Aufbau der Zusatz-Weiterbildung
Nach der Muster-Weiterbildungsordnung umfasst die Zusatz-Weiterbildung mindestens:
- 24 Monate in einer interdisziplinären Notfallaufnahme
- 6 Monate Intensivmedizin
- 80 Stunden Kurs-Weiterbildung
Abweichungen sind möglich, da jede Landesärztekammer eigene Weiterbildungsordnungen erlassen. In einzelnen Bundesländern werden beispielsweise längere Gesamtweiterbildungszeiten festgelegt. Maßgeblich ist stets die Weiterbildungsordnung der zuständigen Ärztekammer.
Tätigkeitsfelder mit KLINAM
Der zentrale Einsatzort bleibt die Zentrale bzw. interdisziplinäre Notaufnahme eines Krankenhauses. Darüber hinaus übernehmen ÄrztInnen mit KLINAM – abhängig von der Klinikstruktur – häufig weitergehende Aufgaben, etwa:
- koordinierende oder leitende Funktionen in der Notaufnahme
- Mitwirkung an Organisations- und Qualitätsentwicklungsprozessen
- Schnittstellenarbeit zwischen Notaufnahme, Intensivmedizin und Fachabteilungen
Die Zusatz-Weiterbildung positioniert ÄrztInnen damit als fachlich versierte AnsprechpartnerInnen in der stationären Akutversorgung.
KLINAM und Zeitarbeit – eine gefragte Kombination
Mit abgeschlossener KLINAM steigt die fachliche Attraktivität deutlich – auch für Kliniken, die kurzfristig oder projektbezogen Verstärkung in der Notaufnahme benötigen. Die Zusatz-Weiterbildung signalisiert strukturierte Erfahrung in der klinischen Akutversorgung, interdisziplinäre Routine und Prozesssicherheit, was sich auch im Gehalt niederschlagen kann.
Gerade in der Arbeitnehmerüberlassung ist diese Kombination gefragt: Kliniken profitieren von klar ausgewiesener Qualifikation, während ÄrztInnen ihre Expertise flexibel in unterschiedlichen Häusern einbringen können. Die Weiterbildungsordnung selbst macht keine Vorgaben zur Beschäftigungsform – eröffnet aber Spielräume für vielfältige Einsatzmodelle.
Fazit
Die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin schafft eine belastbare Qualifikationsgrundlage für die innerklinische Notfallversorgung. Sie verbindet medizinische Handlungssicherheit mit organisatorischer Kompetenz und stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Für ÄrztInnen, die langfristig in der klinischen Akut- und Notfallmedizin tätig sind – ob festangestellt oder flexibel über Zeitarbeit – ist die KLINAM eine zukunftsrelevante und zunehmend gefragte Zusatzqualifikation.
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