Ausbildung und Weiterbildung in der Orthopädie und Unfallchirurgie (2026)

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Die Weiterbildung zum Facharzt bzw. zur Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie dauert insgesamt 72 Monate und vermittelt umfassende Kompetenzen in Diagnostik, konservativer Therapie, Unfall- und Traumatologie sowie operativen Verfahren. Für angehende ChirurgInnen beginnt der Weg bereits mit dem Medizinstudium und der Approbation. Im Folgenden sind alle zentralen Zahlen, Inhalte und Stationen der Weiterbildung übersichtlich dargestellt.

Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Hat der angehende Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie das Medizin-Studium gemeistert und die Prüfung zum Erhalt der Approbation bestanden, kann er die Facharzt-Weiterbildung beginnen. Sie dauert insgesamt sechs Jahre (72 Monate). Wie in allen chirurgischen Facharzt-Ausbildungen muss die Ärztin bzw. der Arzt zunächst eine zweijährige (24 Monate) Basisweiterbildung in Chirurgie durchlaufen (Common Trunk). Vier Jahre (48 Monate) sollen dann schwerpunktmäßig in der Orthopädie und Unfallchirurgie einer weiterbildungsbefugten Einrichtung verbracht werden. Zusätzlich stehen sechs Monate in der Notfallaufnahme und weitere sechs Monate in der Intensivmedizin an. Ein Jahr (12 Monate) der Weiterbildung darf in einem frei wählbaren Fachgebiet erfolgen.

Die Weiterbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen wurde in der Vergangenheit schon mehrfach überarbeitet. Auch aktuell passen die Landesärztekammern ihre Ordnungen zur Weiterbildung im chirurgischen Bereich an die neuesten Beschlüsse an, der Prozess ist allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen (Stand Juli 2020). Bis 2005 waren der Facharzt für Orthopädie und der Facharzt für Unfallchirurgie zwei eigenständige Fachgebiete. Mit der Änderung wurden sie zusammengelegt, um ihre Kompetenzen zu vereinen. Trotz der Neuregelungen wurden im Zeitraum zwischen 2016 und 2018 immerhin noch 13 Facharzttitel für Orthopädie anerkannt. Im Vergleich wurden im selben Zeitraum 2.747 neue Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung „Unfallchirurgie“ anerkannt. Quelle Bundesärztekammer.

Diese Regelung hat jedoch in der Praxis dazu geführt, dass es zu Problemen bei der Nachbesetzung von Fachärzten im Schwerpunktbereich Unfallchirurgie gekommen ist. Im Bereich Chirurgie herrscht ein regelrechter Fachärztemangel. Damit bereits verliehene Facharzttitel nicht an Berechtigungen in der Ausführung ihrer Arbeit einbüßen müssen, existieren Übergangsregelungen für die Weiterbildung.

Dauer und Aufbau der Weiterbildung zum Orthopäden

Die Weiterbildung zum Facharzt bzw. zur Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie dauert 72 Monate (6 Jahre) in Vollzeit. []

Struktur der 72 Monate:

  • 24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie („Common Trunk“), davon:

    • 6 Monate in der Notfallaufnahme

    • 6 Monate in der Intensivmedizin

    • 12 Monate allgemeine chirurgische Tätigkeit

  • 48 Monate spezialisierte Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie

  • Zulässige Anrechnungszeiten:

    • bis zu 12 Monate Weiterbildungszeit in anderen chirurgischen Fachgebieten oder Neurochirurgie oder im ambulanten Bereich. []

Nach Abschluss wird die Facharztprüfung bei der zuständigen Landesärztekammer abgelegt, die zur Führung des Titels „Facharzt/Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie“ berechtigt. []

Weiterbildungsinhalte für Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie

Weiterbildungsinhalte nach aktueller Weiterbildungsordnung (Auswahl):

  • Die Weiterbildung vermittelt medizinische, chirurgische und organisatorische Kompetenzen, darunter:
  • Basis- und gemeinsame Chirurgiekompetenzen
  • Grundlagen chirurgischer Techniken und perioperativer Behandlung
  • Kenntnisse zu Gesetzen und Verordnungen
  • Schmerztherapie und Lokalanästhesie
  • Notfall- und Intensivmedizin
  • Diagnostische Verfahren
  • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren und Durchgangsarztverfahren 

Fortlaufende strukturierte Weiterbildung erfolgt im Rahmen von klinischen Tätigkeiten, Lehrveranstaltungen und dem Weiterbildungs-Logbuch.

Spezialisierte Orthopädie- und Unfallchirurgie-Kompetenzen

  • Versorgung von Frakturen, Verletzungen und Knochenbrüchen
  • Gelenkchirurgie (inkl. Endoprothetik)
  • Arthroskopische Verfahren
  • Traumatologie und Akutversorgung
  • prä- und postoperative Betreuung

Pflichtstationen im Detail

  • Notfallaufnahme (6 Monate): frühe Akutbehandlung und Erstversorgung von verletzten PatientInnen. []

  • Intensivmedizin (6 Monate): Management kritisch erkrankter PatientInnen, inklusive Überwachung und Therapie komplexer Verläufe. []

  • Chirurgische Basisweiterbildung (12 Monate): allgemeinchirurgische Tätigkeiten zur Vorbereitung auf fortgeschrittene operative Aufgaben. []

Die restlichen 48 Monate sind schwerpunktmäßig der orthopädisch-unfallchirurgischen Spezialisierung gewidmet.

Zusatz- und Spezialisierungsweiterbildungen

Nach erfolgreichem Abschluss der Facharztweiterbildung können zusätzliche Qualifikationen angestrebt werden, z. B.:

  • Spezielle Unfallchirurgie

  • Handchirurgie

  • Orthopädische Rheumatologie

  • Sportmedizin

Diese setzen in der Regel den Facharzttitel voraus und verlängern die Ausbildungszeit je nach Regulierung.

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