Wie wird man Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie?

Wer Infektiologe oder Infektiologin werden möchte, muss zunächst Medizin studieren und anschließend eine sechsjährige Weiterbildung im Gebiet Innere Medizin mit Schwerpunkt Infektiologie absolvieren. Der genaue Ablauf ist hier erklärt.

Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie

Die Weiterbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie umfasst laut Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO) 72 Monate im Gebiet Innere Medizin. Damit ist sie etwas länger als etwa die Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie (60 Monate), da sie auf dem breiteren Gebiet der Inneren Medizin aufbaut.

Konkret setzt sich die Weiterbildungszeit wie folgt zusammen:

  • 36 Monate im Schwerpunkt Innere Medizin und Infektiologie, davon
    • 24 Monate in der stationären Patientenversorgung
    • bis zu 6 Monate anrechenbar in Hygiene und Umweltmedizin, Mikrobiologie/Virologie/Infektionsepidemiologie oder im Öffentlichen Gesundheitswesen
  • 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets Innere Medizin (z. B. Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie)
  • 6 Monate in der Notaufnahme
  • 6 Monate in der Intensivmedizin

Zu den Kerninhalten der Weiterbildung zählen unter anderem:

  • Diagnostik und Therapie bakterieller, viraler, parasitärer und Pilzinfektionen
  • Betreuung von PatientInnen mit Immunschwäche und HIV-Infektion
  • Umgang mit multiresistenten Erregern und nosokomialen Infektionen
  • Antibiotic Stewardship und rationale Antiinfektivatherapie
  • Reise- und Tropenmedizin
  • Grundlagen der Epidemiologie und Ausbruchsmanagement
  • Interdisziplinäre Konsiliartätigkeit

Nach Erreichen der vorgeschriebenen Mindestweiterbildungszeit und der lückenlosen Dokumentation im Logbuch erfolgt die Anmeldung zur Prüfung bei der zuständigen Landesärztekammer. Nach bestandener Prüfung darf die Facharztbezeichnung "Innere Medizin und Infektiologie" geführt werden.

Die Zusatzbezeichnung Infektiologie als Alternative

Nicht jede Ärztin bzw. jeder Arzt mit Interesse an Infektionskrankheiten möchte oder kann die vollständige, sechsjährige Facharztweiterbildung durchlaufen. Als schnellerer Weg steht die einjährige Zusatz-Weiterbildung Infektiologie zur Verfügung, die bereits seit 2003 in der MWBO verankert ist. Sie kann zusätzlich zu einem bestehenden Facharzttitel erworben werden, etwa in Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin oder einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, in Mikrobiologie/Virologie/Infektionsepidemiologie oder in Hygiene und Umweltmedizin. Von den 12 Monaten Weiterbildungszeit für die Zusatzbezeichnung können bis zu 6 Monate bereits während der vorangegangenen Facharztweiterbildung absolviert werden, etwa im Gebiet Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin.

Zur Orientierung: Die Weiterbildung zum vollständigen Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie wird seit dem 1. Januar 2016 mit bis zu 40.000 Euro pro Weiterzubildendem gefördert. Ein deutliches Signal für den politisch anerkannten Fachkräftebedarf in diesem Bereich.

Spezialisierungsmöglichkeiten als Infektiologe

Bereits während der Facharztausbildung lassen sich durch die Wahl der zwei zusätzlichen internistischen Facharztkompetenzen (z. B. Kardiologie, Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie) inhaltliche Schwerpunkte setzen, die später etwa für die Betreuung immungeschwächter PatientInnen von Vorteil sind.

Nach der Facharztanerkennung bieten sich weitere Spezialisierungsfelder an, etwa die Tropenmedizin (als ärztliche Zusatz-Weiterbildung) oder eine Vertiefung im Bereich Krankenhaushygiene. Auch Leitungspositionen wie die ärztliche Leitung eines Antibiotic-Stewardship-Teams oder einer Krankenhaushygiene-Abteilung liegen häufig in den Händen von FachärztInnen für Infektiologie.

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Stand August 2026