Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie (Infektiologe/Infektiologin)
Der jüngste Facharzttitel Deutschlands – mit wachsendem BedarfEine Fachärztin oder ein Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie diagnostiziert, behandelt und verhindert Infektionskrankheiten durch Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten – von komplizierten Krankenhausinfektionen bis zu HIV, Tuberkulose oder importierten Tropenkrankheiten. Alle Infos zum Berufsbild, zur Weiterbildung und zum Gehalt gibt es hier.
Kurzüberblick
Innere Medizin und Infektiologie ist seit Mai 2021 ein eigenständiger Facharzttitel (Beschluss des 124. Deutschen Ärztetags). Die Weiterbildung dauert 72 Monate im Gebiet Innere Medizin, davon mindestens 36 Monate mit Schwerpunkt Infektiologie. Aktuell sind laut Bundesärztekammer bundesweit nur 167 Fachärztinnen und Fachärzte in diesem Gebiet berufstätig, bei gleichzeitig wachsendem Bedarf durch Antibiotikaresistenzen, Pandemievorsorge und eine älter werdende, anfälligere Bevölkerung. Damit zählt Infektiologie zu den kleinsten, aber gesellschaftlich relevantesten Facharztrichtungen Deutschlands.
Was macht ein Facharzt/eine Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie?
Infektiologinnen und Infektiologen diagnostizieren, behandeln und verhindern Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Im klinischen Alltag geht es dabei häufig um komplexe Fälle: schwer therapierbare Krankenhausinfektionen, multiresistente Erreger, Fieber mit unklarer Ursache, Infektionen bei immungeschwächten PatientInnen (wie nach Organtransplantation oder unter Chemotherapie) sowie um importierte Erkrankungen wie Malaria, Dengue-Fieber oder Tuberkulose. Ein zentraler Baustein der Arbeit ist das Antibiotic Stewardship: die gezielte, zurückhaltende und wirksame Steuerung des Antibiotikaeinsatzes im Krankenhaus, um die Ausbreitung resistenter Erreger einzudämmen. Daneben beraten Infektiologinnen und Infektiologen andere Fachabteilungen bei komplizierten Infektionsverläufen, sind an der Betreuung von HIV-PatientInnen beteiligt und wirken an der Pandemievorsorge und am Krankenhaushygiene-Management mit.
Da die Facharztweiterbildung auf der Inneren Medizin aufbaut, verfügen InfektiologInnen zusätzlich über eine breite internistische Grundausbildung. Sie können also auch fachfremde internistische Fragestellungen einordnen, was im interdisziplinären Konsildienst besonders gefragt ist.

Wo arbeiten Infektiologinnen und Infektiologen?
Der überwiegende Teil der aktuell 167 berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin und Infektiologie arbeitet stationär in Kliniken (rund 130 von 167), meist in größeren Häusern und Universitätskliniken mit eigener Infektiologie-Abteilung oder einem entsprechenden Konsildienst. Rund 28 sind ambulant tätig, etwa in spezialisierten Schwerpunktpraxen für HIV/Infektiologie.
Weitere Einsatzfelder sind das Öffentliche Gesundheitswesen wie in Gesundheitsämtern oder der Pandemievorsorge, die Krankenhaushygiene, die Forschung an Universitäten sowie internationale Organisationen im Bereich globaler Gesundheit und Epidemiebekämpfung.
Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik. 31.12.2025
Wie wird man Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie?
Um die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie beginnen zu dürfen, muss ein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen sein. Die Weiterbildung erfolgt an einer von der Landesärztekammer befugten Weiterbildungsstätte, in der Regel in Anstellung als Assistenzarzt bzw. Assistenzärztin. Gemäß Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO) beträgt die Weiterbildungszeit im Gebiet Innere Medizin insgesamt 72 Monate. Davon müssen mindestens 36 Monate im Schwerpunkt Innere Medizin und Infektiologie abgeleistet werden (davon 24 Monate stationär), zusätzlich 24 Monate in mindestens zwei weiteren Facharztkompetenzen des Gebiets Innere Medizin sowie je 6 Monate in der Notaufnahme und in der Intensivmedizin.
Alle Infos zur Facharztweiterbildung Innere Medizin und Infektiologie gibt es hier.

Gehalt Infektiologe: So viel verdienen FachärztInnen für Infektiologie
Da Innere Medizin und Infektiologie ein sehr junger und kleiner Facharzttitel ist, gibt es kaum fachspezifische Gehaltsstatistiken. Wer als angestellte Fachärztin oder angestellter Facharzt in einer Klinik arbeitet, wird nach dem jeweiligen TV-Ärzte-Tarifvertrag vergütet. Das tarifliche Grundgehalt ist dabei unabhängig von der Fachrichtung und entspricht dem einer Fachärztin bzw. eines Facharztes für Innere Medizin. Gehaltsdatenbanken beziffern das Durchschnittsgehalt für Innere Medizin und Infektiologie auf rund 82.000 Euro brutto pro Jahr (Einstieg ca. 73.000 Euro, erfahrene Fachkräfte bis rund 91.000 Euro), was sich mit den allgemeinen Werten für Innere Medizin, Durchschnitt ca. 84.000 Euro/Jahr, deckt.
Weiterbildung für Innere Medizin und Infektiologie
Wer sich für Infektiologie interessiert, aber (noch) keinen Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie anstrebt, hat eine zweite Option: die einjährige Zusatz-Weiterbildung Infektiologie, die zusätzlich zu einem bereits erworbenen Facharzttitel, z. B. in Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin oder einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, erworben werden kann. Sie ist bereits seit 2003 in der MWBO verankert und deutlich kürzer als der vollständige Facharzt.
Für den vollständigen Facharzttitel gilt: Seit 1. Januar 2016 wird die Weiterbildung zum Infektiologen bzw. zur Infektiologin vom Gesetzgeber mit bis zu 40.000 Euro pro Weiterzubildendem gefördert – ein Signal für den politisch erkannten Bedarf an dieser Spezialisierung.

Berufsbild Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
Weitere Infos zum Berufsbild und Tätigkeitsbereich

Weiterbildung Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
So wird man Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie

Gehalt Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
Verdienstmöglichkeiten und abhängige Faktoren

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Stand August 2026