Facharzt für Anatomie

Wie ist der menschliche Körper aufgebaut?

Die Anatomie befasst sich mit dem Aufbau des menschlichen Körpers einschließlich seiner Gewebe. Dementsprechend geht es in diesem medizinischen Spezialgebiet um Aussehen, Lage und Struktur sowie Funktion von Körperteilen und Organen – bis auf Zellebene. Alle Infos zum Beruf sind hier zusammengefasst.

Aufgaben und Tätigkeiten von Fachärzten für Anatomie

Fachärzte und Fachärztinnen für Anatomie setzen sich mit Fragen auseinander, die den Aufbau und das Aussehen des menschlichen Organismus sowie das Zusammenwirken der einzelnen Organe betreffen. Hierzu untersuchen sie sowohl gesunde als auch krankhaft veränderte Körperteile und Organe und nehmen auch Leichenöffnungen (Sektionen) vor.

Die Anatomie umfasst verschiedene Bereiche. Die makroskopische Anatomie beschreibt beispielsweise den mit bloßem Auge sichtbaren Aufbau des menschlichen Organismus. Hierzu zählen auch die Strukturen, die erst nach dem Auf- und Auseinanderschneiden des Körpers zu erkennen sind.

Anatomen, die im Bereich der Histologie tätig sind, erörtern unter anderem Fragestellungen zur Frühdiagnostik und zur Klassifizierung von Tumoren (gut- oder bösartig), zum Nachweis von Stoffwechselerkrankungen sowie zu bakteriellen, parasitären und entzündlichen Erkrankungen. Hierfür untersuchen sie zum Beispiel im Labor mikroskopische Gewebeschnitte mithilfe spezieller Färbetechniken. Ein relativ neuer Zweig der Histologie, die sogenannte In-vivo-Histologie, befasst sich mit der vergrößerten Betrachtung und Bewertung lebender Gewebe.

Mit der Entwicklung befruchteter Eizellen und des daraus hervorgehenden neuen Lebens beschäftigt sich die Embryologie, die ebenfalls zu den Teilgebieten dieses Fachgebiets gehört. Ein weiterer Zweig ist die radiologische Anatomie, in der sich die Fachärztinnen und Fachärzte für Anatomie mit der Beschreibung von Körperstrukturen auseinandersetzen, wie sie mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder MRT zu sehen sind.

Neben ihren wissenschaftlichen Aufgaben haben Fachärzte und Fachärztinnen für Anatomie eine Vielzahl verwaltender und organisatorischer Arbeiten zu erledigen, wie das Erstellen von Befunden und Gutachten, die Dokumentation von Versuchsabläufen und die Aufbereitung und Interpretation von Versuchsergebnissen. Ihre Schlussfolgerungen präsentieren sie beispielsweise in Forschungsberichten, die sie zum Teil auch in Verlagen publizieren oder im Rahmen von Vorlesungen oder Vorträgen veröffentlichen.

Wo arbeitet ein Facharzt, eine Fachärztin für Anatomie?

Fachärztinnen und Fachärzte für Anatomie sind in erster Linie in Seziersälen und in Laboren tätig. Verwaltungsaufgaben erledigen sie im Büro. Eine Lehrtätigkeit kann sie außerdem in Unterrichtsräume und Hörsäle führen.

Da Fehler wie etwa in Forschungsgutachten sich negativ auf künftige Behandlungen von Patienten und Patientinnen auswirken können, müssen Anatominnen und Anatomen sehr sorgfältig und präzise arbeiten und stets hochkonzentriert sein. Sie sollten sowohl mit feinen medizinischen Instrumenten als auch mit komplexen Geräten und Apparaturen der Medizintechnik umgehen können. Zum Schutz vor Infektionen tragen sie in der Regel Schutzkleidung wie Kittel, Handschuhe und Mundschutz. Zum Teil haben sie Umgang mit konservierenden Flüssigkeiten und Desinfektionsmitteln, die bei unsachgemäßer Verwendung die Atemwege und die Haut belasten können.

Fachärzte für Anatomie arbeiten vor allem:

  • in Universitäts- und Hochschulkliniken,
  • an anatomischen Instituten sowie
  • in der medizinischen Forschung und Lehre.

In Kliniken angestellte Fachärzte, Fachärztinnen für Anatomie arbeiten in festgelegtem Wechsel auch an Wochenenden und Feiertagen. Zudem leisten sie Bereitschafts-, Schicht- und Nachtdienste.

Dauer und Inhalte der Facharztweiterbildung

Die Ausbildung zum Facharzt für Anatomie dauert vier Jahre. Ein Jahr davon können die angehenden Anatomen in der Pathologie oder der Rechtsmedizin absolvieren. Von diesen 12 Monaten sind sechs in anderen Gebieten wie der Physiologie anrechenbar.

Die Weiterbildung vermittelt Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in folgenden und weiteren Bereichen:

  • grundlegende wissenschaftliche Methoden zur Klärung morphologisch-medizinischer Fragestellungen, der mikroskopischen und makroskopischen Anatomie sowie der Embryologie,
  • Vorschriften des Leichentransports und des Bestattungswesens einschließlich entsprechender Hygienevorschriften,
  • systematische und topografische Anatomie inklusive der Zusammenhänge von Struktur und Funktion,
  • Röntgenanatomie und deren bildgebende Verfahren,
  • klinische Anatomie,
  • Konservieren und Aufbewahren von Leichen,
  • Licht- und Fluoreszenzmikroskopie,
  • Morphometrie mit Statistik- und Quantifizierungsmethoden,
  • Gewebezüchtung und experimentelle Zytologie.

Darüber hinaus üben die angehenden Fachärzte und Fachärztinnen für Anatomie Verfahren wie makroskopische Präparationsmethoden, die Herstellung und Pflege anatomischer Sammlungspräparate sowie Schnitt-, Färbe- und Fixationstechniken.

 

Fachärzte für Anatomie: Perspektiven und Gehalt

Die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft basiert in weitem Umfang auf den im Laufe der Jahrhunderte gewonnenen Erkenntnissen der Anatomie. Auch in Zukunft wird dieses Fachgebiet einen großen Anteil an der Erforschung neuer Heilmethoden haben. Im Zuge der Digitalisierung können sich jedoch die Aufgabenfelder und Anforderungsprofile von Fachärztinnen und Fachärzten für Anatomie ändern. Daher kann es für künftige Anatominnen und Anatomen sinnvoll sein, sich frühzeitig mit modernen Technologien wie den folgenden zu befassen:

  • Herstellung medizinischer Präparate im 3D-Druck-Verfahren,
  • Untersuchung von Gewebeproben unter einem 3D-Laserscanning-Mikroskop,
  • Trainieren anatomischer Untersuchungen mittels Simulationsverfahren,
  • Simulieren pathologischer Veränderungen von Bewegungsabläufen am „virtuellen Patienten“,
  • Planen von Sektionen mithilfe von 3D-Modellen, Robotern und chirurgischer Navigation.

Während die Vergütung von Ärztinnen und Ärzten in kommunalen Kliniken und Krankenhäusern nach dem TV-Ärzte/VKA erfolgt, gilt für Universitätskliniken ein eigener Tarifvertrag, der für Hochschulmediziner einen höheren Verdienst, aber auch eine höhere Regelarbeitszeit vorsieht. Grund hierfür ist, dass die Mediziner an diesen Einrichtungen ihren Arbeitsalltag häufig zwischen der Patientenversorgung, der Forschung und der Lehre aufteilen. Überwiegt der forschende Teil für mehr als ein Jahr, gelten automatisch die Tarifverträge der Länder, welche die Gehälter beispielhaft wie folgt ansetzen (Quelle: Marburger Bund 2020):

  • Facharzt: circa 75.000 bis 94.000 Euro,
  • Oberarzt: circa 94.000 bis 107.500 Euro,
  • Chefarzt-Vertreter: circa 110.500 bis 125.000 Euro

Gegebenenfalls kommen hierzu noch Gratifikationen für Schicht-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sowie für die Rufbereitschaft.

Fachärztinnen und Fachärzte für Anatomie können auch den Weg in die Eigenständigkeit wagen und sich mit einem eigenen Institut bzw. als Teilhaber eines solchen selbstständig machen. Hier hängt das Einkommen unter anderem von der genauen Tätigkeit sowie von der Struktur und der Auftragslage der Einrichtung ab.

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Stand: Dezember 2020