Intensivpfleger in Zeitarbeit

„Jede Station hat ihre eigenen Routinen“

Blick in eine Intensivstation. Im Hintergrund sind verschwommen zwei Intensivflegerinnen am Krankenbett zu sehen
Juliane Beckmann | 2.11.2022 | Lesedauer: 3 Minuten

Als Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin wechselte Eric Böhme vor mehr als 10 Jahren von der Festanstellung im Klinikum in die Zeitarbeit. Hier beschreibt er seine Erfahrungen.

Wir unterhalten uns in unregelmäßigen Abständen mit Menschen, die für doctari in der Arbeitnehmerüberlassung tätig sind. Mal schriftlich, mal persönlich, aber immer ehrlich. Heute kommt Fachpfleger Eric Böhme zu Wort.

Intensivpfleger Eric Böhme

Eric Böhme spricht über seinen Wechsel in die Zeitarbeit und die Vorteile des Arbeitsmodells.

Bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Eric Böhme, ich bin 59 Jahre alt und Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin.

Wie und wie viel arbeiten Sie im Moment?
Zurzeit arbeite ich projektbezogen 40 Prozent, also ca. 70 Stunden im Monat in wechselnden Einsätzen.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?
Die Vielseitigkeit, da es immer um Menschen geht. Und selbst nach 35 Berufsjahren entdeckt man immer wieder Neues.

Sie arbeiten schon lange für doctari. Warum haben Sie sich für den Wechsel in die Arbeitnehmerüberlassung entschieden?
Ich wollte meine Arbeitszeiten und meinen Verdienst selbst bestimmen.

Welche Vorteile hat die Arbeitnehmerüberlassung für Sie?
Ich kann so viel arbeiten, wie ich will. Und ich kann die Menge an Arbeit immer meinem Finanzbedarf anpassen. Steht etwas an, arbeite ich zeitlich begrenzt auch mal mehr als 70 Stunden im Monat.

Wie oft wechseln Sie die Stelle und wie verlaufen die Wechsel für Sie?
In den mittlerweile fast 11 Jahren hatte ich teilweise bis zu 10 Wechsel pro Jahr, aber auch mal ein Jahr ohne Wechsel. Wenn ich lange in einer Einrichtung war, habe ich mich oft auf das Neue gefreut. Die häufigen Wechsel waren meist dem Umstand geschuldet, dass die Einsätze meinem privaten Terminkalender untergeordnet waren.

"Ich wollte meine Arbeitszeiten und meinen Verdienst selbst bestimmen."

Wie verläuft für Sie die Zusammenarbeit mit doctari? Wie sind Ihre Erfahrungen mit uns als Personaldienstleister?
Mit keiner anderen Zeitarbeitsfirma lief die Zusammenarbeit so gut wie mit doctari. Ich habe mich gefreut, die ganzen Menschen auf dem Sommerfest in Hamburg endlich mal persönlich kennenzulernen.

Was würden Sie am System Pflege/Medizin verändern, wenn Sie freie Hand hätten?
Ich habe immer noch die Idee  des „therapeutischen Teams“ im Kopf. Ich erlebe oft unerfahrene Assistenzärzte, die zusammen mit distanzierten Oberärzten und erfahrenen oder auch nicht erfahrenen Pflegekräften viel besser zusammenarbeiten könnten. Ich würde einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Gang setzen. Mit verschiedenen Coaching-Instrumenten. Je nach Analyse gibt es verschiedene Möglichkeiten. Oft ist die Kommunikation untereinander gestört, sodass sich Supervisionsoptionen ergeben. Eine papierlose Dokumentation ist ebenfalls ein wesentlicher Transparenzbaustein zum „therapeutischen Team“.

Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen?
Eine wesentliche Herausforderung war immer, am Anfang des Einsatzes herauszufinden, welche Kompetenzen gefordert sind. Wo verläuft die Grenze zwischen: Das muss jetzt der Arzt entscheiden oder die Pflegekraft. Da gibt es auf jeder Intensivstation unterschiedliche Abläufe.

"Am Anfang des Einsatzes auf jeden Fall: Zuhören. Nur weil auf der Station vieles anders läuft, ist es nicht verkehrt. "

Würden Sie sagen, auch die Kliniken profitieren von Kräften auf Zeit?
Die Kliniken profitieren davon, indem sie weniger Betten schließen müssen. Die Kliniken haben ja auch den Auftrag, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Würden Sie Zeitarbeit bzw. Arbeitnehmerüberlassung grundsätzlich empfehlen?
Auf jeden Fall. Für familiär Ungebundene auch bundesweit. Für Pflegekräfte mit Familie gibt es ja auch die Möglichkeit, den Einsatz regional zu begrenzen.

Welche Tipps haben Sie für Neulinge (im Arbeitnehmerüberlassungs-Business)? Braucht es bestimmte Eigenschaften?
Am Anfang des Einsatzes auf jeden Fall: Zuhören. Nur weil auf der Station vieles anders läuft, ist es nicht verkehrt. Jede Station hat ihre eigenen Routinen. Routinen bedeuten für viele Mitarbeiter Sicherheit. Die ersten Tage auf einer neuen Station muss man es einfach aushalten, beäugt zu werden und dass vielleicht auch hinterfragt wird, was man kann.

Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen!

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Autor

Juliane Beckmann

Online-Redakteurin seit vielen Jahren und seit 2019 Teil der doctari-Redaktion. Lernt gern dazu und macht die Texte rund

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