Songs zu Medizin und Pflege

5 Lieder über das Krankenhaus – und ihre besonderen Geschichten

Pflegerin hört Musik mit Kopfhörern
Dominik Broßell | 10.6.2023 | Lesedauer: 4 Minuten

Kaum eine Einrichtung bringt so viele Geschichten und Facetten hervor wie das Krankenhaus. Logisch, dass sich Musiker immer wieder dem Thema widmen.

Das Krankenhaus bietet einen unglaublich guten Nährboden für Geschichten. Hier vermischen sich Not und Leid mit Freude und Hoffnung. Hier treffen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft mit unterschiedlichsten Anliegen. Kurz gesagt: Das Krankenhaus steht niemals still. Es ist eigentlich kein Wunder, dass das Krankenhaus einen großen kulturellen Einfluss auf die Gesellschaft hat. 

In der Geschichte der Popmusik widmeten sich Musikerinnen und Musiker immer wieder dem Thema Krankenhaus. Bei vielen Songtexten ist der Bezug nicht ganz so eindeutig, wenn man den Kontext dazu nicht kennt. Manchmal sind die Texte kryptisch und bedürfen Interpretation, in wiederum anderen Fällen achtet man schlicht nicht so genau auf das, was gesungen wird.

Wir stellen fünf Songs vor, die sich rund um das Thema Krankenhaus drehen.

1. Bee Gees – „Stayin’ Alive”

Den Nummer-1-Superhit von den Bee Gees kann fast jeder mittanzen und mitsingen. Er ist eine Ode an das Leben und untermalt John Travolta in den Straßen von New York im 70er-Film Saturday Night Fever. Den Songtitel darf man dabei durchaus wörtlich nehmen: Es geht darum, am Leben zu bleiben, egal wie. Aus diesem Grund gilt der Song seit jeher als Motivationslied für medizinische Fachkräfte, die jeden Tag genau dafür kämpfen.

Um die Entstehung des Songs ranken sich viele Mythen und Legenden. Hervorzuheben sei der Beat, der mit 120 BPM den durchschnittlichen Herzrhythmus eines Menschen nachahmt. Angeblich nutzten die Bee Gees einen Herzmonitor, um den Rhythmus eines am Boden liegenden Bandmitglieds aufzuzeichnen, damit Schlagzeuger Colin Petersen darum den Beat aufbauen konnte.

"Stayin’ Alive"

Whether you're a brother or whether you're a mother/ You're stayin' alive, stayin' alive/ Feel the city breakin' and everybody shakin'/ And we're stayin' alive, stayin' alive/ Ah, ah, ah, ah/ Stayin' alive, stayin' alive

2. The Prodigy – „Take Me to the Hospital”

Die legendäre englische Breakbeat-Band The Prodigy hat einen eher brachialen Ansatz. „Take Me to the Hospital” bekam aufgrund des Musikvideos mediale Aufmerksamkeit, in dem die Band in einen Krankenwagen einbricht und diesen demoliert. Das könnte man durchaus als Kritik am Gesundheitssystem verstehen, auf das die Briten historisch eher stolz sind. Eine andere mögliche Interpretation ist, dass der Song ein Warnruf zum Thema mentale Gesundheit ist – eine These, die nach dem Freitod des Sängers Keith Flint im Jahr 2019 neue Aufmerksamkeit bekam.

The Prodigy spielen in puncto Songtexten mit vielen Wiederholungen und legen das Hauptaugenmerk eher darauf, dass sie gut zum Rhythmus und Leitmotiv des Songs passen. Der Aufruf von Flint, „take me to the hospital!” wird im Verlauf des Songs immer obsessiver – man könnte dies als aggressiven Hilfeschrei deuten, der gegen Ende regelrecht gegen die Musik zu kämpfen scheint. 

"Take Me to the Hospital"

Take me to the hospital/ Push up your hand if you love the fashion

3. Pink Floyd – „Comfortably Numb”

Die britische Rockband Pink Floyd veröffentlichte Ende der 70er-Jahre ihr wegweisendes Konzeptalbum The Wall. Das epische Werk beleuchtet die tiefenpsychologische Wechselwirkung aus Selbstzweifeln, Isolation und Depressionen, aufgrund derer der Musiker Pink eine imaginäre Mauer um sich herum baut. Als zentraler Song von The Wall beschreibt „Comfortably Numb” (deutsch: „Angenehm taub”), wie ein Arzt versucht, Pink mit Beruhigungsmitteln zu behandeln, damit er später auf einem Konzert auftreten kann.

„Comfortably Numb” ist ein vielschichtiger Song mit hohem kulturellen Einfluss. Für die einen ist er ein Anti-Drogen-Song, für die anderen sogar ein gutes Argument für die Abhilfe, die Beruhigungsmittel bieten können, und ihre Rolle bei der Behandlung von Depressionen. Der Songtext – und natürlich der Songtitel – beschreiben das „angenehm taube” Abtauchen in den Zustand, in den man mit Beruhigungsmitteln versetzt wird. Die sanfte, schwebende Rockmusik bietet dafür das perfekte Polster. Kein Wunder, dass „Comfortably Numb” unter AnästhesistInnen ein Hit ist.

"Comfortably Numb"

There is no pain, you are receding/ A distant ship, smoke on the horizon/ You are only coming through in waves/ Your lips move, but I can't hear what you're saying/ [...]/ I have become comfortably numb

4. Cold War Kids – „Hospital Beds”

Die kalifornische Indie-Rock-Band nahm sich für diesen Song klinische Studien zum Thema. Bei diesen müssen fremde Menschen im Krankenhaus unverhofft viel Zeit miteinander verbringen. Viele Freiwillige nahmen in den 2000ern aus Geldnot an diesen (oftmals auf Placebo-Effekte ausgelegten) Studien teil, darunter auch klamme Künstler aus dem Umfeld der Band. Im Text erforschen die Cold War Kids das Wechselspiel aus Freude und Leid im Krankenhaus, die sehr nah beieinander liegen und sich sprunghaft gegenseitig ersetzen können. Selbst bei denen, die nicht in gesundheitlicher Not sind.

"Hospital Beds"

I got one friend laying across from me/ I did not choose him, he did not choose me/ We've got no chance of recovery/ Sharing hospital joy and misery/ The joy and misery

5. The Antlers – „Kettering”

Auf dem Konzeptalbum „Hospice” erforscht die US-amerikanische Indie-Rock-Band The Antlers eine emotional toxische Beziehung im Kontext eines Hospizes. In den Songs erzählt Sänger Peter Silberman die Geschichte eines Hospiz-Pflegers und einer todkranken Patientin. 

Der eröffnende Song „Kettering” schildert das erste Treffen zwischen Pfleger und Patientin. Das geschieht zum einen mit klinisch präziser Beschreibung („Walking in that room when you had tubes in your arms/Those singing morphine alarms out of tune”) und zum anderen mit erschütternd emotionaler Metaphorik („Kept you sleeping and even, and I didn't believe them/When they called you a hurricane thunderclap”).

Das Album erforscht in einer emotionalen Achterbahnfahrt die tiefe, komplexe Beziehung zwischen dem machtlosen Pfleger und der hoffnungslosen Patientin. Aber die Antlers lassen immer wieder Licht durchschimmern, kleine Momente der Freude und Hoffnung, für die sich der tägliche Kampf in medizinischen Einrichtungen letzten Endes lohnt.

"Kettering"

But something kept me standing by that hospital bed/ I should have quit, but instead, I took care of you/ You made me sleep and uneven, and I didn't believe them/ When they told me that there was no saving you

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Autor

Dominik Broßell

Der Online-Redakteur von doctari widmet sich allen möglichen Themen im Gesundheitswesen und hat dabei ein besonderes Augenmerk auf die aktuellen Herausforderungen für die Pflege und ihre Fachkräfte.

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