Krankenhaus-Index 2024

Schlechte Stimmung in den meisten Krankenhäusern

Blick in einen Krankenhausflur, von Weitem ist ein Arzt und eine Krankenschwester zu sehen
Sabine Stahl | 19.6.2024 | Lesedauer: 3 Minuten

61 Prozent der deutschen Krankenhäuser befinden sich in einer schlechten oder sehr schlechten wirtschaftlichen Lage.

Die Frühjahrsumfrage 2024 des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zeichnet ein düsteres Bild: 40 Prozent der befragten Krankenhäuser bewerten ihre eigene wirtschaftliche Lage als schlecht, weitere 21 Prozent sogar als sehr schlecht. Nur ein kleiner Teil von 7 Prozent der befragten Häuser gibt an, dass die finanzielle Lage gut oder sehr gut sei​​.

Umfrageergebnisse im Detail

Besonders stark von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation betroffen sind mittelgroße Krankenhäuser mit 300 bis 599 Betten. Von ihnen bewerten 64 Prozent die eigene Lage als schlecht oder sehr schlecht. Bei kleinen Krankenhäusern (59 %) und großen Einrichtungen ab 600 Betten (60 %) ist die Situation geringfügig besser​​.

Die wirtschaftliche Anspannung führt zu erheblichen Einschränkungen in der Versorgung der PatientInnen. Etwa 29 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser erwarten, ihr Leistungsangebot in den nächsten sechs Monaten reduzieren zu müssen, beispielsweise durch Stilllegungen von Betten oder vorübergehende Schließungen von Stationen. 24 Prozent der Krankenhäuser planen, den Umfang ihrer Leistungen einzuschränken, etwa durch die Verschiebung planbarer Operationen. 31 Prozent rechnen gar mit Personalabbau​​.

Medizinisches Personal auf einem Krankenhausflur.

In den meisten Krankenhäusern fehlt Fachpersonal – das ist einer der genannten Gründe für die aktuell schlechte finanzielle Lage.

Geplante Maßnahmen und Anpassungen

29 Prozent der Krankenhäuser planen infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage, in den kommenden sechs Monaten das eigene Leistungsangebot zu reduzieren. Das bedeutet, dass zum Beispiel Betten gesperrt werden müssen.

24 Prozent gehen davon aus, den Umfang der Leistungen zu reduzieren, also etwa geplante Operationen zu verschieben. 31 Prozent der befragten Einrichtungen sehen sich gezwungen, im kommenden halben Jahr Personal zu reduzieren. Neun Prozent der Krankenhäuser gehen von der Schließung von Standorten aus.

Welche Ursachen hat die schlechte Finanzlage?

Die Hauptgründe für die möglichen Einschränkungen sind laut Aussage der Befragten nicht refinanzierte Kostensteigerungen (87 %) sowie der Fachkräftemangel (65 Prozent). Zusätzlich verschärfe sich die Lage in etwa einem Viertel der Kliniken durch eine veränderte oder geringere Inanspruchnahme von Leistungen​​.

Drohen Schließungen von Standorten und Fachabteilungen?

Laut dem Krankenhaus-Index gehen aktuell 12 Prozent der Krankenhäuser von Standortschließungen aus. 55 Prozent halten eine Schließung für unwahrscheinlich und die restlichen 33 Prozent können hierzu noch keine Angabe machen.

Bei der Frage nach einer möglichen Schließung von Fachabteilungen ergibt sich ein gleichmäßig Bild: Jeweils rund ein Drittel der Befragten hält dies für wahrscheinlich bzw. für unwahrscheinlich, während ebenso viele Häuser noch keine verlässlichen Angaben machen können​​.

Diese Grafik zeigt, wie Krankenhäuser und Psychiatrien ihre wirtschaftliche Lage beurteilen.

Schlechte Stimmung in Krankenhäusern und Psychiatrien – das zeigt der aktuelle Krankenhaus-Index des DKI

Die wirtschaftliche Lage der Psychiatrien

Auch die wirtschaftliche Lage der Psychiatrien in Deutschland hat sich laut dem aktuellen Index verschlechtert. 48 Prozent stufen die eigene Situation als schlecht und 13 Prozent als sehr schlecht ein. In den Psychiatrien sind die erwarteten Einschränkungen ähnlich gravierend wie in den Allgemeinkrankenhäusern. 35 Prozent der psychiatrischen Einrichtung rechnen mit einem schrumpfenden Leistungsangebot innerhalb der nächsten sechs Monate​​.

Düsterer Ausblick

Auch in die Zukunft blicken die Krankenhäuser überwiegend pessimistisch. 44 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung der Versorgung aus, 11 Prozent von einer „viel schlechteren“. Ein besorgniserregendes Stimmungsbild.

Titelbild: iStock.com/upixa

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

Inhaltsverzeichnis
Teilen
Mehr zum Thema
PsychotherapeutInnen
Experten für psychische Gesundheit: Wer macht was?

Alle widmen sich der seelischen Gesundheit, doch PsychotherapeutIn ist nicht gleich PsychotherapeutIn. Welche Unterschiede gibt es?

Zum Artikel >
Eine junge Frau sitzt bei einem Psychotherapeuten auf einer Couch
Tag der Frauengesundheit
Kühler Kopf für heiße Tage: Die Perimenopause am Arbeitsplatz

Zum Tag der Frauengesundheit schreibt Gynäkologin Helen Sange über die Perimenopause und ihre Auswirkungen. Dazu gibt sie Tipps, um die Symptome zu lindern.

Zum Artikel >
Frau fächelt sich Luft zu
Blitzumfrage
Bundes-Klinik-Atlas enthält viele fehlerhafte Angaben

Der Bundes-Klinik-Atlas soll für mehr Transparenz sorgen. Laut einer Umfrage sind die Angaben über die Krankenhäuser aktuell allerdings oft falsch.

Zum Artikel >
Eine Illustration zeigt ein großes Krankenhausgebäude
Interview: Strahlenschutz
„Mit den Auswirkungen ionisierender Strahlung ist nicht zu spaßen"

Kleine Geräte, großer Effekt: Dosimeter zeichnen auf, wie viel ionisierender Strahlung eine Person ausgesetzt ist. Wir sprachen mit unserer Strahlenschutzbeauft…

Zum Artikel >
Jenny (links) und Sabrina arbeiten bei doctari in der Abteilung Arbeitssicherheit.
Vorteile Zeitarbeit
So profitieren Kliniken von Personaldienstleistern

Personalvermittlungen für medizinisches Personal überbrücken personelle Engpässe und können Teil einer strategischen Planung und langfristigen Personalentwicklu…

Zum Artikel >
Ein Arzt in weißem Kittel blickt in die Kamera.
Verwandte behandeln
Wenn Freunde und Angehörige zu Patienten werden

„Du bist doch Arzt“! Als MedizinerIn wird man auch im persönlichen Umfeld oft um Rat gefragt. Vor der Behandlung nahestehender Personen sollte man jedoch einige…

Zum Artikel >
Zwei Erwachsene und sechs Kinder halten sich an den Händen und laufen am Strand entlang.
Werden Sie jetzt Teil von doctari und finden Sie Ihren Traumjob