Organspende

Organspende-Register: 80.000 Registrierungen in einer Woche

Zwei Hände halten gemeinsam ein rotes Herz - als Symbol für das Thema Organspende.
Sabine Stahl | 27.3.2024 | Lesedauer: 3 Minuten

Seit 18. März gibt es das Online-Organspende-Register in Deutschland. Seither haben sich fast 80.000 Personen registriert.

In Deutschland warten Tausende Menschen auf ein Spenderorgan. Sehr viele von ihnen vergeblich. Sie werden während der Wartezeit sterben, denn die Zahl der Organe, die transplantiert werden können, liegt weit unter der Zahl der benötigten Organen.

Spanien als Vorreiter im Europa-Vergleich

Prinzipiell gibt es in Deutschland vergleichsweise wenig Organspenden. Laut der Website www.organspende-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben die Spanierinnen und Spanier im EU-Vergleich die höchste Spendenbereitschaft. In Spanien gab es im Jahr 2022 46 OrganspenderInnen je 1 Million EinwohnerInnen. In Österreich und Kroatien lag dieser Wert bei 25 bzw. 24. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 10 OrganspenderInnen je 1 Million EinwohnerInnen.

Organspende-Register: Angst vor Missbrauch

Prinzipiell denken die meisten Deutschen positiv über Organspende. Laut einer repräsentativen Umfrage der BZgA sind 84 Prozent der Befragten positiv eingestellt. Allerdings haben nur 61 Prozent bereits eine Entscheidung für sich selbst getroffen und nur 44 Prozent haben dies dokumentiert, etwa mit einem Organspendeausweis.
Häufig sind Bedenken oder Angst vor Missbrauch der Grund für die Zurückhaltung beim Thema Organspende. Ein weiterer, häufig genannter Grund ist, dass die Person selbst glaubt, nicht als Organspender oder -spenderin geeignet zu sein. In beiden Fällen könnte Aufklärungsarbeit helfen, sagen Experten.
Oder das neue Online-Organspende-Register, das es seit 18. März 2024 verfügbar ist. Seit dem Start haben sich bereits rund 80.000 Personen registriert. Der Vorteil des Registers ist, dass der Zugriff auf den Willen des Verstorbenen für Ärzte, Ärztinnen und anderes medizinisches Personal erheblich erleichtert wird. Denn der bisherige Organspendeausweis in Papierform ist im Notfall möglicherweise nicht auffindbar.

Schneller und einfacher Zugriff

Gibt es keinen solchen Organspendeausweis, dann müssen Angehörige im Ernstfall entscheiden, ob Organe bzw. Gewebe gespendet werden sollen. Das ist in einer solchen Situation belastend, erst recht, wenn man den Willen des Betroffenen nicht kennt.
Das Online-Organspende-Register bietet einen einfachen und vor allem schnellen Zugriff auf mögliche vom Verstorbenen abgegebene Daten, ob und wenn ja, welche Organe oder welches Gewebe gespendet werden sollen.
Allerdings ist die Registrierung bislang nur mit Personalausweis mit Online-Funktion möglich. Dies könnte für viele eine Hürde darstellen, sagen Kritiker. Im Laufe des Jahres sollen deshalb weitere Möglichkeiten zur Eintragung hinzukommen. Der Eintrag selbst kann jederzeit widerrufen oder geändert werden.

Transplantationen vs Wartende

Welche Organe werden in Deutschland am häufigsten transplantiert?

Übersicht

Niere

Leber

Herz

Lunge

Transplantierte Organe

1.966

748

358

254

Wartende PatientInnen

6.683

841

699

286

Statistik: Nieren werden besonders oft benötigt

Pro Jahr werden in Deutschland rund 3.000 Organe transplantiert. Im Jahr 2018 waren es 3.264 Organe – das ist der höchste Wert der vergangenen 10 Jahre. Die wenigsten Transplantationen fanden im Jahr 2017 statt. Damals wurden 2.765 solcher Eingriffe durchgeführt.
Das am häufigsten transplantierte Organ in Deutschland ist die Niere, ein Organ, das auch von Lebenden gespendet werden kann. Im Jahr 2022 wurden rund 2.000 Nieren transplantiert. Allerdings warteten im selben Jahr mehr als 6.600 Menschen auf eine neue Niere. Ebenfalls transplantiert werden kann ein Herz, eine Leber, eine Lunge, eine Bauchspeicheldrüse und, allerdings sehr selten, der Darm.

Gewebespende: Was ist das?

Neben Organen sind auch sogenannte Gewebespenden möglich. Gespendet und somit auf andere Personen übertragen werden können die Augenhornhaut, Herzklappen und Blutgefäße. Auch Knochen und Weichteilgewebe können entnommen und transplantiert werden, genau wie Haut im Allgemeinen, die Eihaut der Fruchtblase und Inselzellen. Gewebespenden können von Verstorbenen oder von Lebenden gewonnen werden.

Wie funktioniert das Organspende-Register?

Seit 18. März können sich Organspender hier online registrieren. Hierfür erforderlich sind ein Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion. Alternativ kann ein elektronischer Aufenthaltstitel oder eine eID-Karte für BürgerInnen der EU oder des europäischen Wirtschaftsraums genutzt werden. Zudem benötigen die Personen die Nummer ihrer Krankenversicherung und eine E-Mail-Adresse. Für das Auslesen des Ausweises wird die Ausweis-App oder ein Kartenlesegerät benötigt. Der bisherige Organspendeausweis bleibt weiterhin gültig.

Titelbild: iStock.com/Khanchit Khirisutchalual

Autor

Sabine Stahl

Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.

Inhaltsverzeichnis
Teilen
Mehr zum Thema
Ärztestatistik 2023
So viele Ärzte wie noch nie und dennoch zu wenige

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt kontinuierlich. Doch das gilt auch für den Bedarf an Medizinern. Es droht eine Lücke.

Zum Artikel >
Junger Arzt im Kasak blickt in die Kamera
Ärztestatistik 2023
Ausländische Ärzte in Deutschland

Das deutsche Gesundheitssystem profitiert Jahr für Jahr von der Zuwanderung ausländischer Ärztinnen und Ärzte.

Zum Artikel >
Mehrere Ärzte stehen im Kreis und legen ihre Hände in der Mitte aufeinander.
Ärztestatistik 2023
Ärztinnen: Gelebte und hart erkämpfte Gleichberechtigung

Die Zeiten, in denen Frauen nicht Medizin studieren durften, sind zum Glück lange vorbei. Heute ist das Verhältnis ausgewogen.

Zum Artikel >
Sechs junge Ärztinnen blicken in die Kamera
Interview mit einer Hebamme
„Wir brauchen für unsere Arbeit Vertrauen“

Der 5. Mai ist der Tag der Hebammen. Aus diesem Anlass haben wir mit Hebamme Viola Bülter über ihre Arbeit und die schönsten Momente dabei gesprochen.

Zum Artikel >
Eine Hebamme tastet den Bauch einer Schwangeren ab
DAK-Pflegereport
Wenn Babyboomer-Pflegekräfte in Rente gehen, kippt die Lage

Wenn mehr Pflegekräfte in Rente gehen als neu ausgebildete nachkommen, wird es kritisch – und das passiert schon 2029, sagt die DAK.

Zum Artikel >
Eine ältere Pflegekraft mit grauen Haaren lächelt in die Kamera
Tag der Hebamme
Wie steht es um die Hebammen in Deutschland?

Hebammen übernehmen wichtige Aufgaben rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Zum Tag der Hebamme schauen wir, wie es ihnen geht.

Zum Artikel >
Mutter wiegt Baby, Hebamme schaut zu
Werden Sie jetzt Teil von doctari und finden Sie Ihren Traumjob