Im Überblick: Facharzt werden
Mit ärztlicher Weiterbildung zum Facharzttitel

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Kaum steckt die Erlaubnis zur Berufsausübung in der Kitteltasche, stellt sich für Ärztinnen und Ärzte die spannende Frage: Welche Fachrichtung bzw. Spezialisierung passt zu mir? Welchen Facharzttitel will ich erwerben? Und will ich das überhaupt? Wir gehen hier darauf ein, was die Facharztausbildung ist, wo man die Weiterbildungsinhalte einsehen kann und ob es Möglichkeiten zur weiteren Spezialisierung im Anschluss an die Facharztausbildung gibt.

Inhaltsverzeichnis

Nach dem Studium folgt die Facharztausbildung

Spätestens nach dem Studium steht die Entscheidung darüber an, welchen Facharzttitel man erwerben möchte, um den Wunschberuf ausüben zu können. Es ist zwar möglich, auch ohne Facharzttitel als Arzt eine Privatpraxis zu gründen bzw. in einer zu arbeiten. Der Erwerb einer Facharztbezeichnung ist jedoch die Voraussetzung dafür, sich als Vertragsärztin bzw. Vertragsarzt niederzulassen oder den Karriereschritt einer Oberarzt- oder Chefarzt-Position in dem gewählten Fachbereich zu gehen.

Mit ärztlicher Weiterbildung zum Facharzttitel: diese Art der Ausbildung wird Facharztausbildung genannt. Diese kann erst nach Abschluss des Studiums und der Erteilung der Approbation begonnen werden und ist in der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern geregelt. Gängige Bezeichnungen für Ärztinnen und Ärzte, die sich aktuell in Weiterbildung befinden, lauten beispielsweise: Arzt in Weiterbildung, Assistenzarzt, Assistenzarzt in Weiterbildung, Weiterbildungsassistent, Assistenzarzt im Fachgebiet XY.

Weiterbildung für Ärzte: Ziel und Zweck

Während das Medizinstudium ein breites, medizinisches Wissen vermittelt und Einblicke in verschiedene Medizinbereiche ermöglicht, verfolgt die Weiterbildung das Ziel, Ärztinnen und Ärzte für einen Fachbereich zu spezialisieren. Die Weiterbildungsbezeichnung ist der Nachweis, dass eine Ärztin bzw. ein Arzt vertiefte ärztliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen in einem Teilgebiet der Medizin besitzt.

Mögliche Gebiete sind:

Die Zulassung zur Facharztweiterbildung Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie setzt neben der Approbation auch das erfolgreiche Bestehen des zahnärztlichen Staatsexamens voraus.

Die Weiterbildungsordnung als Ausgangspunkt der ärztlichen Weiterbildung

Die Landesärztekammern der einzelnen Bundesländer definieren die Inhalte der einzelnen Facharzt-Weiterbildungen und erstellen so die Weiterbildungsordnung. In der Regel orientieren sich diese stark an der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, können jedoch Abweichungen bei den Weiterbildungsinhalten enthalten. Für eine Ärztin, einen Arzt in Weiterbildung gilt die Weiterbildungsordnung jener Ärztekammer, bei der die Prüfungszulassung beantragt wurde und eine Mitgliedschaft besteht.

In der jeweils geltenden Weiterbildungsordnung ist geregelt, was die angehende Fachärztin, der angehende Facharzt nach der Ausbildung in dem angestrebten Fachgebiet können und wissen muss. Die geforderte Anzahl der Anwendung bestimmter Behandlungsmethoden etc. kann je nach Fachrichtung stark variieren. Das hat auch Einfluss auf die Weiterbildungszeiten. Im Durchschnitt erstreckt sich die Weiterbildungsdauer etwa über vier bis sechs Jahre. Unterbrechungen wie Elternzeit, wissenschaftliche Aufträge oder Krankheit verlängern die Ausbildungszeit entsprechend.

Es ist auch möglich, die Facharztweiterbildung in Teilzeit zu absolvieren. Voraussetzung für die Anerkennung ist, dass die Teilzeittätigkeit mindestens die Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit beträgt. Die Inhalte der Facharztweiterbildungen unterliegen regelmäßigen Evaluationen und werden aufgrund neuer Entwicklungen und Erkenntnisse stetig angepasst. Die aktuelle Fassung kann auf der Website der jeweiligen Landesärztekammer abgerufen werden.

Neben den Weiterbildungsinhalten enthält die Weiterbildungsordnung den Vermerk, dass eine Ärztin, ein Arzt in Weiterbildung angemessen vergütet werden muss. Die Gehälter gestalten sich je nach Tarifvertrag wie folgt:

Tarifvertrag kommunale Krankenhäuser

Bei Einstellung1. Jahr2. Jahr3. Jahr4. Jahr5. Jahr
4.512,45€4.768,62€4.950,92€5.267,58€5.645,15€5.800,44€

Tarifvertrag Unikliniken

1. Jahr2. Jahr3. Jahr4. Jahr5. Jahr
4.631,23€4.893,74€5.081,23€5.406,25€

5.793,73€

Welche Weiterbildungsformate prägen die ärztliche Weiterbildung?

Im Rahmen der Facharztweiterbildung kommen verschiedene Weiterbildungsformate zum Einsatz. Voraussetzung ist, dass die medizinischen Einrichtungen zugelassene Weiterbildungsstätten sind und die ausbildenden Ärztinnen und Ärzte über eine Weiterbildungsermächtigung (WBE) bzw. Weiterbildungsbefugnis verfügen. Eine Übersicht über weiterbildungsbefugte Ärzte bieten die zuständigen Ärztekammern.

Der größte Teil der Facharztausbildung ist praktischer Natur und erfolgt als Unterweisung am Arbeitsplatz durch eine Ärztin oder einen Arzt mit WBE. Auch Fortbildungsveranstaltungen von verschiedenen Fort- und Weiterbildungsanbietern können auf die Facharztweiterbildung angerechnet werden. Darüber hinaus werden stations- und klinikinterne Fortbildungen genutzt, um sich fachliche Expertise im jeweiligen Fachgebiet oder Schwerpunkt anzueignen.

Keine Prüfung ohne Beweis: Um das Erlernen von neuen Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten zu dokumentieren, muss der angehende Facharzt ein Facharzt-Logbuch führen. Hierin sind die erforderlichen Weiterbildungsinhalte festgehalten sowie die Richtzahlen dafür, wie oft diese mindestens durchgeführt werden sollten, um die entsprechende Facharztkompetenz zu erwerben.

Der zur Weiterbildung befugte Arzt muss die Dokumentation mindestens einmal im Jahr unterzeichnen. Idealerweise erfolgen aber regelmäßige Gespräche am Ende eines Weiterbildungsabschnittes. Der Arzt in Weiterbildung kann somit am Ende der Facharztausbildung nachweisen, dass er die vorgeschriebenen Behandlungsmethoden in der nötigen Anzahl angewandt hat. Hat er die Richtzahlen bzgl. der Anwendung bestimmter Behandlungsmethoden etc. erfüllt, muss der weiterbildungsbefugte Arzt in einem ausführlichen, schriftlichen Facharztzeugnis die Facharztreife bestätigen.

Dann kann der Antrag auf die Facharztprüfung gestellt werden, die den Abschluss der Facharztweiterbildung bildet. Das ist eine etwa 30-minütige mündliche Prüfung. Die Mitglieder des Prüfungsausschusses werden durch die jeweils zuständige Landesärztekammer bestellt. Besteht der Prüfling die Facharztprüfung, darf er den Facharzttitel entsprechend seinem Fachgebiet tragen und als Facharzt für sein Gebiet arbeiten.

Die Vielfältigkeit der ärztlichen Weiter- und Fortbildung

Auch nach der Facharztausbildung gilt es, sich weiterzubilden. Eine Weiterbildung kann somit nicht nur zu einer bestimmten Facharztbezeichnung führen, sondern auch zu einer Schwerpunktbezeichnung im Schwerpunkt eines Fachgebietes. Hier spezialisiert sich der Facharzt innerhalb seiner Fachrichtung weiter, zum Beispiel wenn sich eine Chirurgin mit dem Schwerpunkt Gefäßchirurgie weiterbildet.

Darüber hinaus kann durch eine Weiterbildung eine Zusatzbezeichnung erlangt werden.

Potenzielle Zusatz-Weiterbildungen sind beispielsweise:

  • Akupunktur
  • Balneologie und Medizinische Klimatologie
  • Betriebsmedizin
  • Homöopathie
  • Klinische Akut- und Notfallmedizin
  • Naturheilverfahren
  • Notfallmedizin
  • Palliativmedizin
  • Psychotherapie
  • Sportmedizin

Fortbildungspflicht mit Nachweisverpflichtung

Natürlich kann eine Ärztin oder ein Arzt mehrere Zusatzbezeichnungen erwerben und sich so immer weiter spezialisieren und Schwerpunkte in seiner oder ihrer Tätigkeit setzen. Aber auch wenn sich eine Fachärztin bzw. ein Facharzt dagegen entscheiden sollte, eine Zusatzweiterbildung o. Ä. zu absolvieren, bleibt Lernen ein wichtiger Bestandteil des ärztlichen Berufsalltags.

So sind Fachärztinnen bzw. Fachärzte gesetzlich zur kontinuierlichen Fortbildung verpflichtet, um für die Ausübung ihrer Tätigkeit immer auf dem wissenschaftlich neuesten Stand zu sein. Neue Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft, Wissen über Krankheitsbilder, neue Medikamente oder Behandlungsmethoden etc. machen eine berufslange Weiterbildung im Gesundheitsbereich nötig.

Im Jahre 2004 wurde die Fortbildungspflicht für Fachärzte im Sozialgesetzbuch (SGB V) verankert. Fachärztinnen und Fachärzte sind seither dazu verpflichtet, den Kassenärztlichen Vereinigungen gegenüber Fortbildungen zu belegen. Dazu müssen sie innerhalb von fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte nachweisen. 150 Fortbildungspunkte müssen fachspezifisch erworben werden. Im Rahmen der restlichen 100 Punkte können beispielsweise auch überfachliche oder berufsübergreifende Fortbildungen etc. angerechnet werden. Ob eine Fortbildung anerkannt wird, hängt in der Regel von der Entscheidung der zuständigen Ärztekammer ab.

Neben Fortbildungsveranstaltungen können Ärztinnen und Ärzte auch andere Fortbildungsmöglichkeiten nutzen, um Punkte zu sammeln, wie Kongresse, Hospitationen oder Workshops.

Fortbildungsnachweis nicht rechtzeitig erbracht? Das hat Konsequenzen

Schafft es ein Vertragsarzt innerhalb der fünf Jahre nicht, die erforderlichen Fortbildungspunkte vollständig zu belegen, müssen die Punkte innerhalb von zwei Jahren nachgeholt werden. Zudem kürzt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) das Ärztehonorar im ersten Jahr um 10 Prozent, ab dem 5. Quartal um 25 Prozent. Kommt ein Facharzt seiner Fortbildungspflicht auch dann nicht nach, erfolgt der Antrag auf Entzug der Zulassung bzw. der Ermächtigung bzw. Anstellungsgenehmigung. Die Verweigerung der ärztlichen Fortbildung gilt als grobe Verletzung der vertragsärztlichen Pflichten.


Alle Medizin-Fachgebiete im Überblick

Einen Überblick zu allen Fachbereichen, dem jeweiligen Berufsbild, dem Weg dahin sowie zum Gehalt als Arzt haben wir hier zusammengefasst. Von A wie Allgemeinmedizin bis U wie Urologie.

Medizinische Fachrichtungen im Überblick