Facharzt für Nuklearmedizin

Strahlen im Auftrag der Medizin

Nuklearmediziner nutzen zur Diagnostik und Therapie radioaktive Substanzen und kernphysikalische Verfahren. Bei Krebserkrankungen, Schilddrüsenentzündungen, Rheuma und Nierenerkrankungen spielt ihr Fachgebiet ebenso eine Rolle wie bei Herzerkrankungen, Skelettkrankheiten sowie Untersuchungen des zentralen Nervensystems und des Gehirns. Folgender Text gibt einen Überblick über das Arbeitsgebiet, das Gehalt und die beruflichen Perspektiven von Fachärztinnen und Fachärzten für Nuklearmedizin.

Facharzt Nuklearmedizin: Radioaktivität als Medizin

Fachärztinnen und Fachärzte für Nuklearmedizin können sowohl diagnostisch als auch therapeutisch tätig sein. Neben ihren fachübergreifenden medizinischen Kompetenzen verfügen sie über ein weitreichendes naturwissenschaftliches und technisches Verständnis. Großer Beliebtheit erfreut sich diese Fachdisziplin vor allem wegen ihrer Vielseitigkeit, des stetigen technischen Fortschritts und der meist guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Facharzt für Nuklearmedizin: Tätigkeitsinhalte und Arbeitsbedingungen

Nuklearmediziner und Nuklearmedizinerinnen verwenden radioaktive Substanzen und kernphysikalische Verfahren, um beispielsweise die Funktion der Schilddrüse oder die Ausscheidungsleistung der Nierenbeurteilen zu können. Zur Diagnosestellung verabreichen sie ihren PatientInnen kurzlebige radioaktive Isotope und bringen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder verschiedene Szintigrafiemethoden zum Einsatz.

Im Rahmen der nuklearmedizinischen Therapie applizieren die MedizinerInnen höherenergetische Radiopharmaka, um das betroffene Organ von innen her zu bestrahlen. Hierbei bestimmt die Art des eingesetzten Radiopharmakons, wo sich dieses anreichert. Die Radioiodtherapie zielt beispielsweise auf die Schilddrüse ab, da Iod bevorzugt von den hormonproduzierenden Follikelzellen dieses Organs aufgenommen wird.

Erkrankte Gelenke behandeln Fachärzte für Nuklearmedizin mit Radionukliden. Darüber hinaus setzen sie radioaktive Strahlung zur Bekämpfung von Tumoren ein.

Zu ihrem Aufgabengebiet gehört es:

  • Messungen und Untersuchungen durchzuführen und zu veranlassen, z. B. Ultraschall, PET (Positronen-Emissions-Tomografie) und SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography),
  • pathologische Veränderungen des Körpers und Ausdehnungen von Tumoren zu ermitteln,
  • die Verteilung von Medikamenten an den vorgesehenen Wirkungsorten zu erkennen,
  • die Organdurchblutung sowie den Knochen- und Zellstoffwechsel zu beurteilen,
  • degenerative Veränderungen an Knochen und Gelenken festzustellen.

Wie arbeiten Nuklearmediziner und Nuklearmedizinerinnen?

Fachärztinnen und Fachärzte für Nuklearmedizin setzen radioaktive Substanzen ein und nutzen komplexe Geräte der Medizintechnik. Um ihre PatientInnen und sich selbst zu schützen, beachten sie die Strahlenschutzregelungen und die allgemeinen Hygienevorschriften. Da eine fehlerhafte Analyse und der falsche Einsatz der Radiopharmaka schädliche Auswirkungen haben können, tragen die MedizinerInnen eine hohe Verantwortung und müssen stets präzise und gewissenhaft agieren.

In erster Linie arbeiten Nuklearmediziner in Untersuchungs- und Behandlungsräumen sowie in PatientInnenzimmern. Sind sie in Forschungsvorhaben involviert, kann auch das Labor zu ihren Arbeitsorten gehören. Dokumentations-, Verwaltungs- und gutachterliche Aufgaben erledigen sie im Büro.

Zu den wichtigsten Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen dieser Berufsgruppe zählen:

  • Untersuchungsobjekte wie Blutproben und Ausscheidungen,
  • Medikamente, insbesondere Radiopharmaka,
  • medizinische Geräte und Apparaturen wie Gammakameras, Positronen-Emissions- Tomografie-Scanner, Ultraschallgeräte, Szintillationsdetektoren, Desinfektions- und Sterilisationsmittel, Kanülen und Nadeln,
  • Dokumente wie Patientenakten, Arztbriefe, Befunde und Therapiepläne, ärztliche  Gutachten und Rechtsvorschriften.

Während Fachärzte für Nuklearmedizin in Kliniken und Krankenhäusern eng mit anderen Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten, erstellen sie Diagnosen und Therapiepläne in Arztpraxen meist eigenständig. In Kliniken arbeiten Fachärzte für Nuklearmedizin häufig in festgelegtem Wechsel an Wochenenden und Feiertagen oder leisten Bereitschafts-, Schicht- und Nachtdienst. In Arztpraxen richtet sich die Arbeitszeit nach der Organisation der Einrichtung und der Terminvorgabe. Die familienfreundlichste Variante ist der Weg in die Selbstständigkeit, da die Fachärzte hierbei selbst bezüglich ihrer Arbeitszeiten entscheiden können.

Wie riskant ist die Arbeit mit Strahlung?

Insbesondere in der Behandlung bestimmter Krebserkrankungen kann die Nuklearmedizin beachtliche Erfolge erzielen. Zum Einsatz kommen vor allem Beta-Strahlen, die eine geringe Reichweite und eine niedrige Gewebedurchdringung aufweisen. Anwendung finden auch Nuklide, die sowohl Beta- als auch Gammastrahlen abgeben.

Das im April 2019 in Kraft getretene Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) stellt sicher, dass der Einsatz radioaktiver Substanzen unter dem größtmöglichen Schutz der PatientInnen, der ÄrztInnen und deren Mitarbeitende sowie der Umwelt erfolgt. Damit garantiert es ein Höchstmaß an Sicherheit für alle Beteiligten.

Nuklearmediziner/Nuklearmedizinerin: Ausbildung

Ärzte und Ärztinnen, die nach Abschluss ihres Medizinstudiums eine Tätigkeit als Nuklearmediziner beziehungsweise Nuklearmedizinerin anstreben, müssen eine 60-monatige Weiterbildung an einer geeigneten Weiterbildungsstätte absolvieren. Hiervon verbringen sie zwölf Monate in der stationären Patientenversorgung. Davon sind sechs Monate in einem anderen Gebiet oder bis zu zwölf Monate in der Radiologie anrechenbar. Genauere Angaben sind den Weiterbildungsordnungen der verschiedenen Landesärztekammern zu entnehmen.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Nuklearmedizin dient dem Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Erfahrungen in folgenden und weiteren Bereichen:

  • Grundlagen der Strahlenbiologie,
  • Grundlagen der Strahlenphysik, speziell die Anwendung von ionisierender Strahlung am Menschen,
  • Strahlenschutz beim Patienten und Personal,
  • Indikationsstellung, Diagnostik und Therapie mit radioaktiven Substanzen,
  • nuklearmedizinsche In-vitro- und In-vivo-Diagnostik,
  • Strahlentherapie und Nachsorge,
  • molekulare Bildgebung, schwerpunktmäßig mit Radiopharmazeutika,
  • Radiochemie und gebietsbezogene Immunologie,
  • Messtechnik einschließlich Datenverarbeitung,
  • Therapieplanung unter Beachtung der Dosisberechnung.

Darüber hinaus stehen allgemeine Inhalte wie ethische, rechtliche und wissenschaftliche Grundlagen ärztlichen Handelns, Strukturen des Gesundheitswesens und medizinische Notfallsituationen auf dem Stundenplan. Des Weiteren üben angehende Nuklearmediziner und Nuklearmedizinerinnen während der  Facharztausbildung Untersuchungs- und Behandlungsverfahren aus, etwa:

  • Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse, des Abdomens, der Urogenitalorgane sowie von Gesichtsweichteilen und Weichteilen des Halses,
  • nuklearmedizinische Therapieverfahren bei Tumoren und Schilddrüsenerkrankungen,
  • nuklearmedizinische Untersuchungen inklusive tomographischer PET- und SPECT-Technik.

Fachärzte für Nuklearmedizin: Gehalt und Perspektiven

Praxen der Fachgebiete Nuklearmedizin, Strahlentherapie und Radiologie gehören in Sachen Reinertrag zu den Vielverdienern. Allerdings ist dieser nicht mit dem Gewinn zu verwechseln. Aufgrund der kontinuierlichen technischen Entwicklung müssen niedergelassene Nuklearmediziner/Nuklearmedizinerinnen alle drei bis sieben Jahre in ihre technische Ausstattung investieren, um stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Internisten oder Hausärzte haben diesbezüglich deutlich geringere Kosten.

Neben diesen Faktoren hängen die Einkünfte selbstständiger Fachärzte für Nuklearmedizin auch von der genauen Tätigkeit und von der Struktur der Praxis, den Personalkosten und weiteren Nebenkosten ab. Siehe Statistisches Bundesamt 2015

Das Einkommen angestellter Ärzte ist im Allgemeinen durch Tarifverträge oder Hausverträge geregelt. Je nach Tarifvertrag, Entgeltgruppe und Entwicklungsstufe können Nuklearmediziner mit folgenden Gehältern rechnen:

  • Assistenzärzte: rund 55.000-71.000 Euro
  • Fachärzte: rund 73.000-94.000 Euro
  • Oberärzte: rund 91.000-104.000 Euro
  • Chefärzte: 107.000-115.000 Euro

Mit Ärzten in höheren Positionen schließen die Krankenhäuser und Kliniken häufig außertarifliche Verträge. Dadurch können die Einkommen bei diesen auch höher sein.

Quelle: TV-Ärzte-VKA

Ein weiterführendes Studium eröffnet Fachärztinnen und Fachärzten für Nuklearmedizin zusätzliche Berufs- und Karriereoptionen. Eine Promotion erleichtert nicht nur den Zugang zu einer gehobenen Position in einem Krankenhaus oder einer Klinik, sie ist auch für eine wissenschaftliche Laufbahn an einer Hochschule erforderlich. Wer sein Wissen im Rahmen einer Hochschulprofessur weitergeben möchte, benötigt eine Habilitation.

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Alle Angaben ohne Gewähr. Insbesondere Tarifsituation und Vergütungspraxis verändern sich regelmäßig und sind stark vom Einzelfall abhängig.