Facharzt für Neuropathologie
Fundierte Untersuchung und Erforschung von NervenkrankheitenNeuropathologInnen diagnostizieren Erkrankungen im Bereich der Nerven. Entgegen mancher Vorurteile beschäftigen sich Fachärzte für Neuropathologie vorrangig mit den Belangen lebender PatientInnen. Hier sind alle Informationen zu Ausbildung, Tätigkeit und Gehalt zu finden.

Aufgaben und Tätigkeiten von Neuropathologen
Eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neuropathologie ist spezialisiert auf die Untersuchung und Erforschung von Nervenerkrankungen. Für diese Aufgaben analysiert sie oder er Gewebeproben aus dem zentralen Nervensystem, den peripheren Nerven der zugehörigen Organe und ihrer Muskulatur.
Neuropathologen widmen sich in der Diagnostik drei wesentlichen Bereichen: der Neuroonkologie, degenerativen Erkrankungen und neuromuskulären Erkrankungen. Dafür nutzen sie
- histologische (basierend auf der Wissenschaft der biologischen Gewebe),
- immunhistochemische (Gewebeuntersuchungen mithilfe immunchemischer Methoden wie durch Einfärben),
- elektronenmikroskopische,
- biochemische,
- zellbiologische und
- molekulargenetische Methoden.
Dabei zählt die Diagnostik von Hirntumoren zu den zentralen Aufgaben. Krebserkrankungen im Gehirn treten in größerer Variantenzahl auf als in anderen Organen. Dies begründet sich durch die hohe Vielfalt von Zellen, die entarten können. Über 130 Tumorarten können im Gehirn auftreten und jede von ihnen erfordert eine spezifische Therapie.
Auch bilden sich im Gehirn häufig Metastasen, deren Ursprünge in der Krebserkrankung eines anderen Organs liegen. Für diese Behandlungen liefern Fachärzte und Fachärztinnen für Neuropathologie ihren behandelnden Kollegen und Kolleginnen wesentliche Informationen. Etwa 8.000 Menschen erhalten jährlich in Deutschland die Diagnose Hirntumor (Stand 2016).
Bei der Erforschung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer-Demenz ist die Hirnautopsie ein wichtiges Verfahren für Neuropathologen und Neuropathologinnen. Außerdem beteiligen sich Fachärzte für Neuropathologie an der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Bei diesen meist seltenen Erkrankungen, häufig erblicher Natur, unterstützen sie mit ihren Diagnosen Therapiekonzepte. Viele Neuropathologen aus Deutschland bringen ihre Expertise in internationale Forschungsprojekte ein.

Wo arbeiten Neuropathologen?
Fachärztinnen und Fachärzte für Neuropathologie sind MedizinerInnen, die über hohe Spezialkenntnisse verfügen. Sie arbeiten häufig interdisziplinär mit ÄrztInnen anderer Fachgebiete wie etwa NeurologInnen zusammen. Daher gehören Kliniken zu den typischen Arbeitsorten von Neuropathologen. Innerhalb dieser Einrichtungen sind meist spezielle Fachabteilungen ihre Wirkungsbereiche. Die Neuropathologie ist in vielen deutschen Forschungseinrichtungen an den Universitäten und in der Krankenversorgung vertreten.
Weitere mögliche Arbeitsplätze befinden sich an pathologischen Instituten. Diese Einrichtungen unterstützen Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen mit ihrer Tätigkeit bei der Diagnose. Bei bestimmten Diagnosen, etwa der des malignen Lymphoms, arbeiten Referenzinstitute zusammen, um die Erkennung der Krebserkrankung abzusichern.
Die praktische Tätigkeit eines Facharztes für Neuropathologie spielt sich dabei meist im Büro und im Labor ab. Hier nimmt er die Untersuchungen von Gewebeproben anhand besonderer Verfahren vor. Grundsätzlich erweist sich das Feld der Neuropathologie als ein theoretisches Fach. Der direkte Kontakt zu PatientInnen gehört meist nicht zu den üblichen Tätigkeiten einer Neuropathologin bzw. eines Neuropathologen. Typisch ist vielmehr der Umgang mit den KollegInnen. Kommunikative Fähigkeiten erweisen sich in dem Beruf als vorteilhaft.
Auch wenn der größte Teil dieser Ärzte im Bereich der Klinik angestellt tätig ist, kann der ambulante Bereich für Fachärzte der Neuropathologie eine gute Option sein. In Deutschland arbeiten laut Statistik der Bundesärztekammer einige Neuropathologen im ambulanten Sektor. Es sind meist Praxen im Bereich der Pathologie, die im Auftrag von Kliniken oder von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Gewebeproben untersuchen. Ein weiteres Beschäftigungsfeld für Neuropathologen ist die akademische Lehre.
Was unterscheidet den Neuropathologen vom Pathologen?
Die Bezeichnung Fachärztin oder Facharzt für Neuropathologie verbinden manche Menschen mit der Obduktion von Leichen. Dafür bilden oft Kriminalfilme den Ausgangspunkt, bei denen die Aufklärung von gewaltsamen Todesfällen im Mittelpunkt steht. Entsprechende Szenen spielen häufig in der Pathologie, wo ein Arzt oder eine Ärztin das Opfer untersucht. Diese Aufgabe fällt im realen Leben jedoch nicht in das Kompetenzfeld einer Neuropathologin oder eines Neuropathologen, sondern wird von Rechtsmedizinern übernommen.
Pathologen untersuchen und erforschen Gewebe. Dies tun sie allerdings im Zusammenhang mit Erkrankungen, die keinen neurologischen Ursprung haben. Neben Autopsien beschäftigen sie sich auch mit Präparaten, die von lebenden PatientInnen stammen.
Fachärzte für Neuropathologie arbeiten in einem Teilgebiet der Pathologie. Das Gebiet, das als die Lehre von den Krankheiten bezeichnet wird, bildet das Mutterfach der Neuropathologie. Ein Teil der Methoden der Pathologie wurden übernommen. Die Neuropathologen konzentrieren sich allerdings ausschließlich auf die Gewebeuntersuchung und Erforschung bei neurologischen Erkrankungen.
Tatsächlich ist die Facharztbezeichnung Neuropathologie innerhalb der Europäischen Union nur in Deutschland anerkannt. In den meisten Ländern arbeiten Neuropathologen unter der Bezeichnung Pathologe. Sie verfügen dann über eine neuropathologische Weiterbildung.
Die Fachärzte für Neuropathologie bilden innerhalb der Ärzteschaft eine kleine Gruppe. Knapp 118 Mediziner in dieser Richtung sind für 2019 in der Statistik der Bundesärztekammer für Deutschland erfasst.

Facharzt Neuropathologie: Ausbildung und Spezialisierungen
Der Weg zum Facharzttitel in der Neuropathologie führt zunächst über ein Medizinstudium. Die Approbation oder die erteilte Erlaubnis für das Ausüben des ärztlichen Berufs bilden die Voraussetzung, um die Facharztausbildung beginnen zu können. Die Basis bildet eine 24-monatige Weiterbildung in der Pathologie. Die angehenden Ärzte erwerben Kenntnisse der pathologischen Anatomie des menschlichen Körpers, Methoden der morphologischen Diagnostik (Beschreibung der Form) und weiterer Bereiche.
Im Anschluss folgt der zweite Teil der Weiterbildung, der sich auf neopathologische Inhalte erstreckt. Neben dem Erwerb theoretischer Kenntnisse steht das Einüben von Untersuchungsmethoden im Mittelpunkt. Das Spektrum reicht von der Obduktion über die Aufbereitung von Präparaten bis zur neuromorphologischen Diagnostik. Außerdem lernen die angehenden Fachärzte das Vorgehen bei molekularpathologischen Untersuchungen. Dies sind beispielsweise DNA- und RNA-Analysen.
Die Richtlinien der Weiterbildung geben die Zahl der zu absolvierenden Untersuchungen vor. So schreibt die Sächsische Landesärztekammer den Assistenzärzten bei histopathologischen Untersuchungen eine Zahl von 1.000 vor. Gefordert werden vor allem neurohistologische Untersuchungen inklusive Schnellschnittuntersuchungen und Liquorzytologie.
Insgesamt dauert die Weiterbildung sechs Jahre. Als Untergruppe der Pathologen gelten Neuropathologen grundsätzlich als SpezialistInnen. Durch Forschungstätigkeiten können sie ihre Expertise bei bestimmten Erkrankungen wesentlich erweitern. Fachärzte für Neuropathologie, die eine Tätigkeit in der Forschung anstreben, sollten eine Promotion beziehungsweise eine Habilitation anstreben.

Gehalt von Fachärzten und Fachärztinnen für Neuropathologie
NeuropathologInnen arbeiten in Deutschland überwiegend im stationären Bereich, insbesondere an Universitätskliniken oder größeren spezialisierten Einrichtungen. Die Vergütung erfolgt in der Regel nach den Tarifverträgen für ÄrztInnen (TV-Ärzte TdL oder VKA), die fachrichtungsübergreifend gelten. Aktuell liegt das monatliche Bruttogehalt für AssistenzärztInnen – je nach Erfahrungsstufe – bei etwa 5.600 bis 7.200 Euro. Mit Abschluss der Facharztausbildung steigt das Einkommen auf etwa 7.400 bis 9.500 Euro brutto monatlich. In leitenden Positionen, etwa als OberärztIn, sind Gehälter von über 9.300 bis 10.600 Euro möglich. Die genaue Höhe hängt von Faktoren wie Berufserfahrung, Tarifvertrag und Arbeitgeber ab. Grundlage dieser Werte sind die aktuellen Tarifverträge des Marburger Bund.
NeuropathologInnen stellen eine vergleichsweise kleine Fachgruppe dar. Laut Bundesärztekammer liegt die Zahl der FachärztInnen in diesem Bereich weiterhin nur im niedrigen dreistelligen Bereich. Spezifische, ausschließlich auf die Neuropathologie bezogene Gehaltsauswertungen sind daher kaum verfügbar, weshalb häufig auf allgemeine tarifliche Strukturen zurückgegriffen wird.
Im ambulanten Bereich ist die Neuropathologie nur sehr selten vertreten. Wenn entsprechende Tätigkeiten erfolgen, werden diese meist unter dem Fachgebiet Pathologie erfasst. Laut Daten der Kassenärztliche Bundesvereinigung erzielen pathologische Praxen im Durchschnitt Honorarumsätze im mittleren sechsstelligen Bereich. Dabei handelt es sich jedoch um Umsätze und nicht um das persönliche Einkommen, da hiervon noch erhebliche Praxis- und Personalkosten abgezogen werden müssen. Insgesamt bleibt die Tätigkeit von NeuropathologInnen in Deutschland stark durch die klinische Versorgung geprägt, während ambulante Tätigkeiten die Ausnahme darstellen.

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Stand: August 2020