Stationäre Aufnahme Folge 9: Unfallchirurg Wladimir Fichmann
"Im Schockraum kann ich Leben retten!"Wer ist Wladimir Fichmann ?
Wladimir Fichmann ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Nach dem Abitur absolvierte er das Medizinstudium in Litauen. Seine klinische Ausbildung ist breit angelegt: Er durchlief zunächst eine interdisziplinäre chirurgische Grundausbildung und sammelte anschließend mehrere Jahre Erfahrung in orthopädischen und unfallchirurgischen Kliniken, inklusive Diensttätigkeit an Schnittstellen zur Allgemein- und Viszeralchirurgie. Ergänzend qualifizierte er sich in der muskuloskelettalen Bildgebung und im Strahlenschutz. Mit der Facharztanerkennung folgte die Weiterentwicklung zum spezialisierten unfallchirurgischen Arbeiten. Seit einigen Jahren ist er Oberarzt an einer Klinik für Unfall-, Hand- und orthopädische Chirurgie in Nordrhein-Westfalen.
Als Gast in Folge 9 der Stationären Aufnahme berichtet er von den Momenten, die seinen durchweg rasanten Arbeitsalltag bestimmen und erklärt, warum ihn der Moment, in dem ein Notfallteam zusammenkommt, so motiviert. Gleichzeitig spricht er offen über die Dinge, die im Klinikalltag Energie ziehen: technische Hürden, administrativer Aufwand und Systeme, die eher bremsen als unterstützen. Umso spannender ist sein Blick nach vorn: Er interessiert sich sehr für Technologien und glaubt an den praktischen Nutzen von KI als medizinisches Werkzeug, um Diagnostik, Dokumentation und Entscheidungen zukünftig deutlich zu erleichtern.
Und wenn am Ende im Schockraum alles gut geht, dann freuen wir uns natürlich umso mehr. Dann können wir uns auf die Schulter klopfen und sagen, wir haben heute wirklich das Leben eines Patienten retten dürfen und das ist ein ganz besonderes Privileg, finde ich.
”Wladimir im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst
1) Gab es mal einen Fall, bei dem es wirklich knapp war?
„Ja, definitiv. Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit einen Bauarbeiter, der von seinem Bagger gefallen ist und erst dachte: ‚Das ist ja nicht so schlimm‘. Der ist sogar noch nach Griechenland geflogen und dort ging’s ihm immer schlechter. Er kam dann bei uns in der Notaufnahme an: ‚Leute, ich kriege schlecht Luft.‘ Wir haben untersucht und festgestellt: Hämatopneumothorax, also freie Luft und Blut in der Pleura, definitiv ein Notfall. Er hat dann in kürzester Zeit eine Thoraxdrainage bekommen, da kam über ein Liter Blut raus, und die Luft wurde entlastet. Er konnte sofort wieder gut atmen, war sehr glücklich und dankbar. Und wenn man dann aus so einer Situation, die potenziell tödlich ausgehen kann, so schnell helfen kann, dann macht das unglaublich Freude und motiviert, dann gehst du da raus und denkst: ‚Yes, das habe ich gerockt. Dem Patienten geht’s gut, der Patient wird leben.‘“
2) Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in deinem Arbeitsalltag?
„Gerade in der Radiologie spielt KI eine große Rolle. Wir hatten kürzlich eine Patientin mit Auffälligkeiten am Unterschenkel, es war nicht so ganz klar, was das ist, und auch der Radiologe war sich nicht sicher, wie man es formulieren soll. Wir haben dann eine KI befragt und ihr mit Einverständnis der Patientin MRT-Bilder zur Verfügung gestellt. Die KI hat Millionen von Bildern verglichen und als Ergebnis geliefert, dass es ein gutartiger Tumor ist. Wir haben trotzdem eine Biopsie gemacht und es histologisch abgesichert, das hat sich dann auch bestätigt als gutartiger Tumor. In dem Moment hat KI uns und auch der Patientin einen riesen Stein vom Herzen genommen. Und genau da sehe ich ganz, ganz große zukünftige Chancen, dass KI uns in unserem täglichen Sein und Arbeiten unterstützt."
3) Wie bist du zur Zeitarbeit gekommen und was hat sich dadurch in deinem ärztlichen Alltag verändert?
„Was mich bewogen hat, war ursprünglich die Möglichkeit, noch mal ein bisschen etwas anderes zu sehen: andere Häuser kennenzulernen, andere Kollegen, vielleicht auch andere Behandlungstechniken und Verfahren. Und natürlich auch, was nicht ganz unwichtig ist, die finanzielle Situation. Das hat damals noch mal für einen zusätzlichen Schub in der Urlaubskasse gesorgt, was mich und meine Frau gefreut hat, denn wir konnten ein bisschen mehr in den Urlaub fahren. Und das ist gerade bei so einem stressigen Job, wo man so viel Verantwortung trägt, gar nicht schlecht: Regeneration ist einer der wichtigsten Aspekte, gerade in der Chirurgie. Dann ging das eigentlich immer so weiter, und letztendlich habe ich mich 2023 vollzeitumfänglich dafür entschieden, Teil des doctari-Teams zu werden, weil mich das Ganze einfach überzeugt hat. Für mich ist das die ideale Lösung und die ideale Kombination aus Berufsausübung, Freizeitgestaltung, Zeit für die Familie und Zeit für die Tochter und trotzdem weiterhin die Möglichkeit, dem Beruf nachzukommen, den ich so sehr liebe und den ich auch immer machen möchte."

Besser als jede Krankenhausserie: unser Podcast
Im doctari Podcast „Stationäre Aufnahme“ geben ÄrztInnen und Pflegekräfte spannende, emotionale Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Was treibt ihren Puls in die Höhe? Welche Situationen rauben ihnen den Schlaf? Was motiviert sie, in jeder Schicht alles für ihre PatientInnen zu geben? Und: Was wollten sie als Kind werden? Unsere Gäste erzählen von den schönsten – und manchmal schlimmsten – Momenten ihres Berufslebens.

Noch weitere Einblicke in den Krankenhausalltag...
... gefällig? Wir lassen regelmäßig unsere Fachkräfte selbst zu Wort kommen, damit andere von ihren Erfahrungen profitieren oder sich inspirieren lassen können. Unsere Sammlung beinhaltet beispielsweise Berichte von Fachärztinnen aus der Psychiatrie oder von Pflegefachkräften, die als ZeitarbeitnehmerIn auf der Intensivstation arbeiten.
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