Stationäre Aufnahme Folge 11: Neonatologe Prof. Dr. Thomas Brune
„Neugeborene haben schon einen richtigen Charakter"Wer ist Prof. Dr. Thomas Brune?
Prof. Dr. Thomas Brune ist Oberarzt in der Kinder- und Jugendmedizin mit einer Laufbahn, die Forschung und Spitzenmedizin eng miteinander verbindet. Nach dem Medizinstudium in Münster startete er zunächst mit Stationen in der universitären Forschung und in der Transfusionsmedizin, später auch in Regensburg im Bereich klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Aus dieser Forschungsperspektive heraus fand er, eher „über Umwege“, seinen Weg in die Pädiatrie: Aus einem Projekt rund um Neugeborene wurde schnell eine echte Leidenschaft für das Fach. Seine klinischen Schwerpunkte sind heute Neonatologie und Kinderkardiologie, die Medizin der ersten Lebensphase und Erkrankungen des kindlichen Herzens.
Als Gast in Folge 11 der Stationären Aufnahme zeigt Prof. Dr. Brune, was ihn als Arzt und Mensch ausmacht: eine ruhige, reflektierte Art, große fachliche Präzision und ein spürbarer Respekt vor den Familien, die ihm begegnen. Denn auch wenn Schwangerschaft und Geburt als etwas Schönes beginnen, kann ein plötzlicher kritischer Verlauf Familien völlig unerwartet treffen. Nach jahrelanger Erfahrung in diversen Führungspositionen betont er im Gespräch seinen Anspruch, Dinge sauber zu begründen, evidenzbasiert zu arbeiten und Hierarchie nicht mit 'automatisch recht haben' zu verwechseln.
Die 'unteren Chargen' in Krankenhäusern, das sind eigentlich Helden des Alltages, die so den ganzen Betrieb aufrechterhalten, die vor Ort die Arbeit machen.
”Thomas im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst
1) Kannst du einen besonders herausfordernden Fall aus der Neonatologie schildern?
„Fälle in der Neonatologie - wenn sie schwierig sind, sind sie auch immer emotional sehr angespannt. Denn man muss sich als Laie einfach vorstellen, dass eine Schwangerschaft und die Geburt normalerweise ein gesunder Vorgang sind. Das ist erst mal nichts Krankes, sondern etwas Schönes, worauf sich alle freuen. Das Ganze ist also insgesamt mit sehr positiven Emotionen besetzt und wenn dann plötzlich etwas schiefgeht, also zum Beispiel eine Frühgeburt passiert oder bei der Geburt etwas nicht gut läuft und das Kind plötzlich auf der Intensivstation liegt, ist das in allen Fällen extrem psychisch belastend für die Eltern und natürlich auch für die Ärztinnen und Ärzte. Denn man ist letztlich nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit dem Rest der Familie konfrontiert."
2) Was liebst du an deinem Job besonders?
„Gerade die Arbeit mit kleinen Kindern hat mir immer extrem viel Freude gemacht. Ich hatte auch oft den Eindruck, dass selbst Neugeborene schon so etwas wie einen Charakter haben. Manche wirken von Anfang an wie Kämpfer. Da hat man das Gefühl: Der schafft das, der überlebt das. Und andere strahlen eher aus, dass sie gar nicht so aktiv am Leben teilhaben wollen, wenn sie extrem krank geboren werden. Da gibt es unheimliche Unterschiede. Auch die Interaktion mit den Eltern hat mir viel gegeben. Und was mir besonders Freude gemacht hat: Am Ende ist es Teamwork. Es ist ein großes Team, in dem jeder seine Aufgabe hat. Viele sagen, dass gerade Intensivstationen sehr hierarchisch sind. Das liegt natürlich auch daran, dass man, wenn es eng wird, nicht diskutieren kann. Aber sonst sind in der Neugeborenenmedizin alle Teildisziplinen extrem wichtig, und das wird – zumindest in den Kliniken, die ich kenne – auch wirklich so gelebt."
3) Du hast dich vor zwei Jahren entschieden, dich bei doctari anzumelden. Wie kam es dazu?
„Das war kurz nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin. Ein ehemaliger Kollege und Freund rief mich an, er ist inzwischen Chefarzt, und fragte, ob ich kurzfristig einen Hintergrunddienst übernehmen könnte, weil überraschend zwei Kolleginnen oder Kollegen mit den entsprechenden Qualifikationen krank geworden waren. Kurzfristig meldete sich dann aber die Personalabteilung und sagte, dass das 'so einfach' nicht gehe, wegen rechtlicher, juristischer und versicherungstechnischer Vorgaben müsse die Form sauber eingehalten werden. Die Klinik schlug mir dann selbst vor, mich einfach bei doctari anzumelden, weil das dort über einen vorbereiteten Zeitvertrag unkompliziert abgebildet werden kann. Also habe ich mich registriert und innerhalb von etwa einer Woche alle Unterlagen im Crash-Modus eingereicht und die Anforderungen erfüllt."

Besser als jede Krankenhausserie: unser Podcast
Im doctari Podcast „Stationäre Aufnahme“ geben ÄrztInnen und Pflegekräfte spannende, emotionale Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Was treibt ihren Puls in die Höhe? Welche Situationen rauben ihnen den Schlaf? Was motiviert sie, in jeder Schicht alles für ihre PatientInnen zu geben? Und: Was wollten sie als Kind werden? Unsere Gäste erzählen von den schönsten – und manchmal schlimmsten – Momenten ihres Berufslebens.

Noch weitere Einblicke in den Krankenhausalltag...
... gefällig? Wir lassen regelmäßig unsere Fachkräfte selbst zu Wort kommen, damit andere von ihren Erfahrungen profitieren oder sich inspirieren lassen können. Unsere Sammlung beinhaltet beispielsweise Berichte von Fachärztinnen aus der Psychiatrie oder von Pflegefachkräften, die als ZeitarbeitnehmerIn auf der Intensivstation arbeiten.