Stationäre Aufnahme Folge 7: Kinderchirurg Duarte Pimentel
„Du kannst das Leben eines Kindes verändern"Wer ist Dr. Duarte Pimentel?
Dr. Duarte Vaz Pimentel ist Facharzt für Kinderchirurgie. Nach mehreren Jahren chirurgischer Ausbildung und Tätigkeit in Deutschland erwarb er 2021 seine Facharztanerkennung. Anschließend führte ihn sein Weg ins Ausland: In einem großen Kinderkrankenhaus in Kapstadt arbeitete er ein Jahr lang als Fellow und vertiefte dort sein Wissen im Bereich der operativen Versorgung von Kindern. Was ihn besonders auszeichnet, ist die Kombination aus anhaltender, akademischer Neugier und praktischer Medizin: Er ist wissenschaftlich aktiv (inklusive einiger Publikationen) und interessiert sich gleichzeitig sehr für die Versorgungsumstände an Orten, an denen Ressourcen und Routinen ganz anders sind als in Kliniken des Westens. Humanitäre Einsätze führten ihn nach Ost- und Westafrika und ermöglichten ihm Erlebnisse, aus denen er einprägsame Fälle und eine Haltung zur medizinischen Praxis mitbringt, die man nicht aus dem Lehrbuch lernen kann.
In Folge 7 der Stationären Aufnahme spricht er darüber, was Kinderchirurgie so besonders macht und warum Kinder in Diagnostik, Kommunikation und chirurgischen Eingriffen eben nicht „kleine Erwachsene“ sind. Gleichzeitig gibt er Einblicke in seine Entscheidung, nach der Zeit im Ausland neue Arbeitsmodelle auszuprobieren. Zeitarbeit bedeutet für ihn nicht nur auszuhelfen, sondern als vollwertiges Teammitglied in den Einsatz zu starten: mit Verantwortung, Integration ins Team und einem Arbeitsalltag, der trotz hoher Anforderungen planbarer und bewusster gestaltet werden kann. Wie er seine Ansprüche an sein Privatleben und seine Arbeit als Arzt unter einen Hut bekommt, verrät er im Podcast.
Für mich ist das Alltag, aber für diese eine Person ist das eine komplette Ausnahmesituation, in der sie sich unsicher fühlt, in der sie Angst hat. Und da so aufzutreten, dass man ihr das nimmt und vielleicht sogar eine positive Erfahrung daraus macht – das ist ein großes, großes Privileg, eine große Verantwortung, eine große Macht.
”Duarte im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst
1) Wie schaffst du es, ein Kind schnell so weit zu bekommen, dass eine Untersuchung überhaupt möglich ist?
„Du musst in kürzester Zeit einen Nenner finden, damit das Kind eine Verbindung zu dir hat und weiß: „Okay, dieser Mensch möchte mir nichts Böses antun.“ Das können Kleinigkeiten sein: das Kuscheltier, was auf dem T‑Shirt steht, oder wenn Geschwister dabei sind und man sie einbindet. So entsteht schnell ein Grundvertrauen. Und das muss man auch schnell hinbekommen, weil diese kindgerechte Behandlung im System nicht wirklich vergütet wird. Eine Sprechstunde ist eine Sprechstunde, und es wird nicht darauf geachtet, dass man für ein Kind mehr Zeit braucht. Und dann kommt das Feingefühl mit den Eltern dazu: zu merken, wenn sie ängstlich sind oder nicht. Wirklich verstehen, worum es geht, und dann noch mal nachzufragen: „Kann ich noch was erklären?“ oder „Haben Sie noch eine Frage?“ Das ist ganz wichtig. Es reicht nicht zu sagen: „Ich erkenne das und das, das wird so und so gemacht – unterschreiben Sie hier.“ Das funktioniert in der Kindermedizin nicht. Man muss sich einfach Zeit nehmen.“
2) Wie gehst du mit Eltern in ethisch extremen Entscheidungen um?
„Also das ist wirklich von Situation zu Situation sehr unterschiedlich. Ich denke, ich darf nichts und ich möchte auch nichts vorschreiben – ich möchte und soll den Eltern nicht vorschreiben, wie sie sich zu entscheiden haben. Es gibt Menschen, die aus religiösem Glauben oder grundsätzlich sagen: ‚Jedes Leben ist ein Leben, es soll alles getan werden‘, und das müssen wir respektieren, bis zu bestimmten Punkten natürlich. Wir machen keine schmerzhaften Eingriffe, wenn das aussichtslos ist. Auf der anderen Seite gibt es Familien, die sagen: ‚Ein Leben mit so viel Leiden, das ist wahrscheinlich nicht, was wir uns für unser Kind wünschen‘. Entsprechende Maßnahmen kann man besprechen, festlegen und gemeinsam entscheiden. Es ist nicht meine Aufgabe und auch nicht mein Recht, den Eltern zu sagen, dieses Kind soll nicht weiter leben. Aber wenn ich realistisch zeige, was das heißt, wenn wir jetzt alles geben und dass manchmal die Natur auch weiß, was sie tut, dann sollen die Eltern die Entscheidung bewusst für sich treffen. Ich muss aber sagen: Auch in solchen Momenten ist diese Arbeit für mich extrem bedeutend und extrem erfüllend. Eltern in so schlimmen Situationen begleiten zu dürfen, das auf Augenhöhe besprechen zu können und gemeinsam eine informierte Entscheidung zu treffen: Das ist ein großer Teil davon, warum mein Job mir Spaß macht.“
3) Was hat dich zur Zeitarbeit gebracht und wie liefen deine ersten Einsätze über doctari?
„Also ich kam zurück aus Südafrika und war ein bisschen unentschlossen, ob ich weiter Uni-Karriere machen will, mit Forschung und Lehre und so weiter. Auf der anderen Seite hat die Kinderchirurgie im Grunde nur zwei Wege: entweder das Universitäre mit tollen Fällen und hoher Belastung, oder eben nicht universitätsnah – dann ist das Spektrum normalerweise etwas reduziert. Ich war mir noch nicht so sicher, wo ich mich in meiner Zukunft sehe, und hatte von Freunden gehört, dass sie sehr gute Erfahrungen bei doctari gemacht haben und dass man dort auch selbst bestimmen kann, wie die Belastung sein soll und wie lange und wo man arbeiten möchte. Und dann dachte ich: Okay, für eine bestimmte Zeit kann ich mir das gut vorstellen. Das habe ich dann gemacht und es war eine sehr schöne Erfahrung. Ich wurde auch komplett als Teammitglied in meinem Einsatz gesehen. Es ist nicht so, dass ich nur für Arztbriefe und Stationsarbeit eingesetzt wurde, was in der Chirurgie immer ein bisschen die Gefahr ist, wenn man nur als Aushelfer da ist. Aber so habe ich es überhaupt nicht erlebt. Ich war ein vollwertiges Mitglied vom Team und hatte meine eigenen OP-Tage, meine Dienste und meine Sprechstunde. Das war sehr, sehr schön.“

Besser als jede Krankenhausserie: unser Podcast
Im doctari Podcast „Stationäre Aufnahme“ geben ÄrztInnen und Pflegekräfte spannende, emotionale Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Was treibt ihren Puls in die Höhe? Welche Situationen rauben ihnen den Schlaf? Was motiviert sie, in jeder Schicht alles für ihre PatientInnen zu geben? Und: Was wollten sie als Kind werden? Unsere Gäste erzählen von den schönsten – und manchmal schlimmsten – Momenten ihres Berufslebens.

Noch weitere Einblicke in den Krankenhausalltag...
... gefällig? Wir lassen regelmäßig unsere Fachkräfte selbst zu Wort kommen, damit andere von ihren Erfahrungen profitieren oder sich inspirieren lassen können. Unsere Sammlung beinhaltet beispielsweise Berichte von Fachärztinnen aus der Psychiatrie oder von Pflegefachkräften, die als ZeitarbeitnehmerIn auf der Intensivstation arbeiten.
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