Stationäre Aufnahme Folge 3: Intensivpflegerin Michaela Weber
„Der Tod macht das Leben wertvoll“Wer ist Michaela Weber?
Michaela Weber ist examinierte Pflegekraft mit langjähriger Erfahrung auf der Intensivstation und einem Werdegang, der sie früh in den Berufsalltag und mittlerweile auch in eine zweite, ganz eigene Rolle geführt hat. Bereits mit 16 Jahren begann sie ihre Pflegeausbildung und arbeitet seither mit Menschen in oft sehr intensiven Lebensphasen. Über viele Jahre war sie in einer großen Klinik festangestellt, bevor sie sich nach einer Phase hoher Belastung bewusst für einen neuen Weg entschied. Parallel zu ihrer pflegerischen Tätigkeit hat sie Gesundheitspsychologie studiert, eine einjährige Coaching-Ausbildung abgeschlossen und sich in diesem Rahmen viel mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Heute begleitet sie als selbstständiger Coach Menschen dabei, eigene Bedürfnisse, Ziele und innere Antreiber besser zu verstehen.
Seit 2022 ist Michaela als Pflegekraft in Zeitarbeit im Einsatz: ein Schritt, der ihr nach eigenen Worten geholfen hat, im Beruf zu bleiben. In Folge 3 der Stationären Aufnahme war sie zu Gast und hat uns mitgenommen in ihren Pflegealltag, in bewegende Begegnungen mit Patientinnen und Patienten und in die Frage, wie man als Pflegekraft langfristig gut für sich selbst sorgen kann. Sie spricht ehrlich über Belastung, Wertschätzung und Fachkräftemangel, ohne dabei ihre Begeisterung für den Beruf zu verlieren.
Es ist ein Grundsatz von mir, es immer möglich zu machen, dass die Patienten nicht alleine gehen müssen.
”Michaela im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst
1) Was würdest du einer jungen Person raten, die überlegt, in die Pflege zu gehen? Warum sollte sie in die Pflege gehen?
„Weil sie für Menschen und mit Menschen arbeiten kann. Und weil das ein Beruf ist, der immer gebraucht wird. Ich würde aber eine Einschränkung machen: Gehe in den Pflegeberuf und lerne gleichzeitig, für dich selbst zu sorgen. Hole dir Unterstützung für dein Stressmanagement, für deinen Körper, für dein Mindset, dann ist das ein wirklich erfüllender Beruf. Und such dir das aus, wo es dir Spaß macht. Denn es darf Spaß machen. Es muss nicht immer nur schwer sein, es soll auch schön sein. Und dann kann ich den Beruf absolut empfehlen."
2) Was würdest du dir konkret an Veränderungen für die Pflege wünschen?
„Wenn ich mir alles wünschen könnte, würde ich mir wünschen, dass wir bei den bestehenden Pflegekräften anfangen. Also nicht nur Neue zu akquirieren, sondern bei den Bestehenden anfangen, wertschätzender zu sein. Das ist ja immer so ein schwammiger Begriff, sagt man irgendwie auch immer. Aber ich finde, ganz konkret könnte das heißen: Ich will regelmäßig Gespräche mit meinem Vorgesetzten. Ich will regelmäßig Entwicklungsgespräche. Ich will, dass man mir zuhört, was ich noch machen kann. Wie kann ich mich weiterqualifizieren? Wie kann ein Pflichtfortbildungsprogramm aussehen, abgesehen von Brandschutz und Hygiene? Ich muss mich nämlich auch psychisch mit mir selbst auseinandersetzen. Ich muss mich mit Themen auseinandersetzen, die für mich im Berufsalltag vielleicht total normal sind, gleichzeitig aber wichtig sind, weil sie eben nicht für jeden Menschen normal sind und Extremsituationen einen unter Druck und Stress setzen."
3) Warum bist du in die Zeitarbeit gewechselt und wie bist du auf doctari gekommen?
„Ich bin vor rund einem Jahr in die Zeitarbeit gewechselt. Das war eine schwere Entscheidung. Ich hatte am Anfang viele Vorurteile gegenüber Zeitarbeitenden, die sich alle nicht bestätigt haben. Auf Station ist das ja oft so ein Ding: Die haben bessere Konditionen und kommen jetzt hier her und machen nur Dienst nach Vorschrift. Am Anfang ist das manchmal nicht so leicht, aber es war für mich die beste Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, mir mein Umfeld gezielt auszusuchen. Also die Art des Einsatzortes und einfach bessere Konditionen für mich und mein Leben zu haben. Denn letztendlich ist Arbeitszeit Lebenszeit, und die muss so gut wie möglich verbracht sein, sonst ist sie weg."

Besser als jede Krankenhausserie: unser Podcast
Im doctari Podcast „Stationäre Aufnahme“ geben ÄrztInnen und Pflegekräfte spannende, emotionale Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Was treibt ihren Puls in die Höhe? Welche Situationen rauben ihnen den Schlaf? Was motiviert sie, in jeder Schicht alles für ihre PatientInnen zu geben? Und: Was wollten sie als Kind werden? Unsere Gäste erzählen von den schönsten – und manchmal schlimmsten – Momenten ihres Berufslebens.

Noch weitere Einblicke in den Krankenhausalltag...
... gefällig? Wir lassen regelmäßig unsere Fachkräfte selbst zu Wort kommen, damit andere von ihren Erfahrungen profitieren oder sich inspirieren lassen können. Unsere Sammlung beinhaltet beispielsweise Berichte von Fachärztinnen aus der Psychiatrie oder von Pflegefachkräften, die als ZeitarbeitnehmerIn auf der Intensivstation arbeiten.