Dr. Umes: Herzchirurg, Bestsellerautor & Zeitarbeit

Folge 4: „Ich bin der, der das Herz repariert."

Ein 13-Jähriger flieht allein über Kontinente vor einem Bürgerkrieg, Jahre später operiert er Herzen. Dr. Umeswaran Arunagirinathan, genannt Dr. Umes, ist Facharzt für Herzchirurgie und erfolgreicher Buchautor. In Folge 4 unseres Podcasts „Stationäre Aufnahme" erzählt er von seiner monatelangen Flucht über Singapur, Togo und Nigeria nach Hamburg, vom Weg zum Abitur ohne Deutschkenntnisse, von Herztransplantationen und emotionalen Momenten auf der Intensivstation und warum er sich nach kritischen Erfahrungen im Klinikalltag für die Zeitarbeit bei doctari entschieden hat.

Dauer: ca. 35 Minuten | Redaktion: Martha Nisi & Julia Schwiedergoll | Jetzt hören auf: Spotify | Apple Podcasts | YouTube

Wer ist Dr. Umes?

Dr. Umeswaran Arunagirinathan – kurz Dr. Umes – ist Facharzt für Herzchirurgie und deutsch-tamilischer Bestsellerautor. 1978 auf Sri Lanka geboren, floh er mit 13 Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Nach einer achtmonatigen Odyssee über Singapur, Dubai, Togo, Ghana, Nigeria und Spanien kam er in Hamburg bei seinem Onkel an. Ohne ein Wort Deutsch zu kennen, lernte er die Sprache, machte Abitur und studierte Medizin. Seinen Kindheitstraum, Arzt zu werden, war geprägt durch die schwere Erkrankung seiner Schwester, die im Krieg nicht behandelt werden konnte und mit zwölf Jahren starb. Die Herzchirurgie wählte er, weil er sich im Herzen als Organ wiedererkennt: unabhängig und vielfältig. Seit August 2023 ist er über doctari in der Zeitarbeit tätig. 

Umes war zu Gast in Folge 4 der Stationären Aufnahme und hat uns mitgenommen in seinen Berufsalltag zwischen OP-Saal, Intensivstation und Schreibtisch. Was ihn besonders auszeichnet ist seine Mischung aus Dankbarkeit und gesundem Ehrgeiz. Er spricht offen darüber, was Vertrauen zwischen Arzt und Patient bedeutet, warum er den Stillstand fürchtet und weshalb er trotz eines vollen Klinikalltags noch Bücher schreibt, unter anderem zu Flucht, Integration und seiner pointierten Kritik an einem aus seiner Sicht zu profitorientierten Gesundheitssystem.

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Bei dieser Umarmung habe ich etwas gespürt, was man nicht bezahlen kann. Das muss man erleben.

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Herzchirurg Dr. Umes

Umes im Interview: 3 Fragen und Antworten aus dem Podcast

Dr. Umes beschreibt die achtmonatige Odyssee, die ihn mit 13 Jahren allein von Sri Lanka über mehrere Kontinente nach Hamburg brachte.

„Als meine Mama mir die Frage stellte, ob ich bereit wäre, nach Deutschland zu gehen, habe ich ja gesagt – nachdem ich gefragt hatte, ob ich dort zur Schule gehen kann. Am 6. Januar 1991 wurde ich abgeholt. Ich musste aufhören zu weinen. Meine Mutter ging auf die Knie, hielt meine Hände und sagte: ‚Es geht um die Familie.' Das ist der Moment, wo ich Verantwortung übernommen habe. Es ging von Colombo nach Singapur, Dubai, Togo, Ghana, Nigeria – und in der Nacht vom 9. auf den 10. September bin ich mit 13 Jahren in Frankfurt gelandet."

Dr. Umes erklärt seinen Umgang mit Hochdruck-Situationen.

„Ich habe Respekt vor jedem Eingriff. Bevor ich den OP-Saal betrete, schließe ich kurz die Augen und bete zum Tempel, wo ich geboren bin, dass alles gut verläuft. Sobald ich den Brustkorb eröffnet habe und das Herz sehe, bin ich der, der das Herz repariert. Man sollte sich nicht auf den Menschen konzentrieren – das könnte einen negativen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Man ist hoch konzentriert auf dem OP-Feld. Wenn es vorbei ist, sieht man den Menschen wieder als Ganzes."

Dr. Umes war selbst Kritiker der Zeitarbeit, bis eigene Erfahrungen im Klinikalltag ihn eines Besseren belehrten.

„Ich war eigentlich ein Kritiker des Zeitarbeitsmodells. Aber heute muss ich sagen: Ich bin dankbar und froh, dass wir das in Deutschland haben. Wir haben keine faire Ausbildungssituation für junge Ärzte und keine faire Vergabe von Oberarztstellen. Mir wurde eine Position versprochen, ich habe viel investiert – und am Ende habe ich sie nicht bekommen. Ich wollte das nicht akzeptieren. Ich bin froh, dass ich jetzt über doctari einen Job gefunden habe, wo ich gut Geld verdiene und ein neues Arbeitsfeld kennenlerne."

Bildquelle: iStock.com/Tempura