Operations-technischer Assistent Jonas Röske: OP-Alltag, Magdeburg-Anschlag & Zeitarbeit

Folge 15: „Der Blaulichtregen über Magdeburg – das war total schockierend."

Was passiert wirklich hinter den Türen eines Operationssaals? Operationstechnische Assistenten wie Jonas Röske (28) sorgen dafür, dass bei jeder OP alles reibungslos läuft, von der Patientenannahme bis zum letzten Handgriff. In Folge 15 unseres Podcasts „Stationäre Aufnahme" spricht der OTA mit 8 Jahren Berufserfahrung über seinen Arbeitsalltag in der Unfallchirurgie, erzählt, wie er in der Nacht des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Anschlags zu den Ersten gehörte, die in den OP gerufen wurden und warum er 2025 seine Festanstellung gegen die Zeitarbeit bei doctari eingetauscht hat.

Dauer: 43 Minuten | Redaktion: Julia Schwiedergoll und Martha Nisi | Jetzt hören auf: Spotify | Apple Podcasts | YouTube

Wer ist Jonas Röske?

Jonas Röske ist operationstechnischer Assistent (OTA) mit rund 8 Jahren Berufserfahrung. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, hat er seinen Weg in die Medizin nicht über das klassische Studium gefunden, sondern bewusst eine Alternative gewählt: die dreijährige OTA-Ausbildung, die er mit der Note 1,3 abschloss.

Nach seiner Ausbildung sammelte er 5 Jahre Erfahrung in der Unfallchirurgie an einer Universitätsklinik – inklusive 24-Stunden-Diensten und Schichtarbeit. Dort war er unter anderem als sterile Assistenz tätig und spezialisierte sich auf verschiedene chirurgische Fachbereiche: Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie, Plastische Chirurgie, Kinderchirurgie, Urologie und HNO.

Seit 2025 nutzt er die Zeitarbeit bei doctari, um Beruf und Privatleben in Balance zu bringen. Dabei schätzt er besonders die Möglichkeit, verschiedene Kliniken und OP-Kulturen kennenzulernen. Mit seiner Körpergröße von 2,01 m stößt er sich im OP zwar regelmäßig den Kopf an der OP-Lampe, doch seine offene Art und sein Humor machen ihn überall schnell zum geschätzten Teammitglied.

Ich kann arbeiten, wo ich möchte, wann ich möchte und wie ich möchte. Mir geht es einfach besser.

OTA Jonas Röske

Jonas im Interview: 3 Fragen und Antworten aus dem Podcast

Jonas gehörte zu den ersten OTAs, die in der Nacht des 20. Dezember 2024 in den OP gerufen wurden. Rund 70 Schwerverletzte wurden in seine Klinik eingeliefert. Er selbst versorgte bis 4 Uhr morgens neun Patienten.

„Ich war eine Woche zuvor selbst auf dem Weihnachtsmarkt und habe noch zu meinem Kumpel gesagt: Guck mal, da stehen gar keine Steine – hier kannst du ja locker reinfahren. Eine Woche später schrieb er mir abends: Du, da ist gerade einer durchgefahren. Daraufhin rief ich meinen Assistenzarzt an: Muss ich kommen? Er sagte: Ja, wir lösen jetzt den MANV aus, komm schon mal. Auf dem Weg zur Klinik klingelte dann schon mein Handy – ähnlich wie dieses Notwarnsystem der Bundesregierung. Da wusste ich: Es ist ernst. Über Magdeburg sah man in den Wolken schon den Blaulichtregen. Das war total schockierend."

Jonas beschreibt den OP als einen Ort, an dem Teamarbeit und ehrliche Kommunikation wichtiger sind als Titel.

„Ich mache den Beruf jetzt seit knapp 8 Jahren und ich kenne die sogenannte Hierarchie nur aus Erzählungen. Wie einst mein leitender Oberarzt zu mir sagte: Wir stehen ja alle im selben Blut, wir brauchen keine Show machen. Der Doktor ist heutzutage so angewiesen auf die OP-Pflege, dass er sich gar nicht erlauben kann, bösartig hierarchisch zu sein. Im OP wird auch nicht geschwiegen – man hört Musik, redet über das letzte Wochenende. Solange die Arbeit kompromisslos und sorgfältig durchgeführt wird, kann man einfach auch Mensch sein."

Nach 5 Jahren in der Festanstellung war Jonas ausgelaugt. Ein Kollege von doctari ermutigte ihn zum Wechsel: eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut.

„Ich war ausgelaugt. 24-Stunden-Dienste, Schichtsystem – irgendwann war ich einfach k.o. Ob ich flexibel genug für die Zeitarbeit bin, wusste ich selbst nicht. Mein Kumpel Farid sagte dann einfach: Mach einfach. Und ich habe es gemacht und keine Sekunde bereut. Ich schätze jedes Wochenende zu Hause, jeden Feiertag im Garten mit Freunden. Irgendwann hat mich der Freundeskreis gar nicht mehr gefragt, ob ich mitkomme, weil ‚der ist doch eh arbeiten'. Das ist vorbei. Ich kann arbeiten, wo ich möchte, wann ich möchte und wie ich möchte. Mir geht es einfach besser."