Stationäre Aufnahme Folge 15 mit OTA Jonas Röske

„Der Blaulichtregen über Magdeburg – das war total schockierend."

Wer ist Jonas Röske?

Jonas Röske ist operationstechnischer Assistent (OTA) und kennt das Innere eines OP-Saals so gut wie kaum jemand sonst. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, hat er seinen Weg in die Medizin nicht über den klassischen Studienweg gefunden, sondern ganz bewusst eine Alternative gewählt: eine dreijährige, hochspezialisierte OTA-Ausbildung. Nach mehreren Jahren in der Unfallchirurgie, inklusive der typischen Nachtschichten und 24-Stunden-Dienste, hat er 2025 dann den Schritt gewagt und seine Festanstellung gegen die Zeitarbeit bei doctari eingetauscht.

Jonas war zu Gast in Folge 15 der Stationären Aufnahme und berichtet dort viel über seinen Alltag im OP: Über das Treiben hinter den Türen, über Hierarchien, die überraschenderweise im Saal kaum eine Rolle spielen und über den OP-Humor, den man von außen vielleicht nicht erwartet. Er erzählt außerdem, wie er in der Nacht des Magdeburger Weihnachtsmarkt-Anschlags zu den Ersten gehörte, die in den OP gerufen wurden und was diese Erfahrung bis heute bei ihm hinterlässt. 

Pflegefachkräfte verdienen gutes Geld, aber nicht entsprechend der Leistung, die sie bringen.

OTA Jonas Röske

Jonas im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst

1) Wie hast du die Nacht des Anschlags erlebt?

„Ich weiß das noch ganz genau. Ich war als Ortsansässiger eine Woche zuvor selbst auf dem Weihnachtsmarkt und habe noch zu meinem Kumpel gesagt: Guck mal, da stehen gar keine Steine – hier kannst du ja locker reinfahren. Wie kann das sein? Eine Woche später schrieb er mir abends: Du, da ist gerade einer durchgefahren. Daraufhin rief ich meinen Assistenzarzt in der Notaufnahme an: Muss ich kommen? Er sagte: Ja, wir lösen jetzt den MANV aus, komm schon mal. Auf dem Weg zur Klinik klingelte dann bereits mein Handy, so ähnlich wie dieses Notwarnsystem der Bundesregierung. Da wusste ich: Es ist ernst."

2) Wie ist das Verhältnis zwischen OTA und Chirurginnen und Chirurgen? Spürt man Hierarchie?

„Ich mache den Beruf jetzt seit knapp 8 Jahren und ich kenne die sogenannte Hierarchie nur aus Erzählungen. Wie einst mein leitender Oberarzt zu mir sagte: Wir stehen ja alle im selben Blut, wir brauchen keine Show machen. Der Doktor ist heutzutage so angewiesen auf die OP-Pflege, dass er sich gar nicht erlauben kann, bösartig hierarchisch zu sein. Im OP wird auch nicht geschwiegen. Man hört Musik, redet auch über das letzte Wochenende. Solange die Arbeit kompromisslos und sorgfältig durchgeführt wird, kann man einfach auch Mensch sein."

3) Warum hast du deine Festanstellung gegen die Zeitarbeit eingetauscht?

„Ich war ausgelaugt. 24-Stunden-Dienste, Schichtsystem, irgendwann war ich einfach k.o. Ob ich flexibel genug für die Zeitarbeit bin, wusste ich selbst nicht. Mein Kumpel Farid sagte dann: Mach einfach. Und ich habe es gemacht und keine Sekunde bereut. Ich schätze jedes Wochenende zu Hause, jeden Feiertag im Garten mit Freunden. Irgendwann hat mich der Freundeskreis gar nicht mehr gefragt, ob ich mitkomme, weil 'der ist doch eh arbeiten'. Das ist vorbei. Ich kann arbeiten, wo ich möchte, wann ich möchte und wie ich möchte. Mir geht es einfach besser."