Der Zeitarbeits-Podcast: Einsatzbereit #12

Sündenbock medizinische Zeitarbeit?

Shownotes

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"Wie geht ihr mit dem allgemeinen Vorwurf um, das System der Zeitarbeit sei die Ursache für den Personalmangel in den Kliniken?" Mit dieser Frage einer Hörerin steigt Folge 12 von Einsatzbereit direkt ins Thema ein – und es ist eine Frage, die viele Zeitarbeitskräfte aus dem eigenen KollegInnenkreis kennen. Hörerin Viktoria bringt es in ihrer Sprachnachricht auf den Punkt: Wer in Arbeitnehmerüberlassung arbeitet, stehe den Kliniken angeblich nicht mehr für eine Festanstellung zur Verfügung und verschärfe damit den ohnehin bestehenden Personalmangel.

Die Antwort kommt von ganz oben

Statt die Frage nur unter sich zu diskutieren, holen sich Frieda und Elisa prominente Verstärkung: eine persönliche Sprachnachricht von Dr. Kai-Nikolas Ziegler, CEO der doctari Group. Seine Kernaussage direkt zu Beginn: "Wenn wir uns die Zahlen angucken, dann sind weniger als 1,5 % aller Ärztinnen und Ärzte in der Zeitarbeit tätig. Und bei der Pflege ist es leicht mehr. Also von daher kann von Massenabwanderung gar nicht die Rede sein." Vielmehr sagt er: "Wir sind die Feuerlöscher im Gesundheitssystem."

Ein Blick auf die Zahlen

Die Folge belegt diese Position mit Daten der Bundesagentur für Arbeit: Rund 2,5 % der Pflegekräfte und etwa 1,5 % der Ärzt:innen in Deutschland arbeiten in der Zeitarbeit, ein vergleichsweise kleiner Anteil. Auch die durchschnittliche Einsatzdauer spricht laut Podcast eine klare Sprache: bei ÄrztInnen unter 7 Tage, bei Pflegekräften unter 20 Tage. Kurz gesagt: Das ist eher ein Abfangen kurzfristige Lastspitzen statt dauerhafter Personalersatz. Selbst wenn rein rechnerisch alle verfügbaren Fachkräfte in Festanstellung wechseln würden, ließe sich der Personalmangel laut der Folge angesichts des demografischen Wandels – Stichwort Renteneintritt der Babyboomer-Generation – trotzdem nicht lösen.

Was ein Verbot wirklich bewirken würde

Besonders spannend: die Zahlen zu einem möglichen Verbot. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2023 würden bei einer Einschränkung der Zeitarbeit nur 18 % der Betroffenen tatsächlich in eine Festanstellung zurückkehren. 55 % würden stattdessen den Beruf wechseln, 11 % das Gesundheitswesen komplett verlassen. Diese Zahlen stehen im deutlichen Kontrast zu Positionspapieren wie dem der DKG, die eine Einschränkung der Zeitarbeit fordern.

Tipps für das nächste unangenehme Gespräch

Am Ende der Folge gibt es ganz praktische Tipps für den Umgang mit dem Vorwurf im eigenen Arbeitsalltag: Ruhe bewahren und zuhören, mit konkreten Zahlen argumentieren, die eigenen Beweggründe für die Zeitarbeit offen erklären und gemeinsame Ziele wie gute Arbeitsbedingungen und Patient:innensicherheit betonen. Der Kernsatz der Folge: "Ihr seid Teil der Lösung und nicht das Problem."

Studie des IW:Zeitarbeiterbefragung – Zeitarbeit in der Pflegebranche

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Bildquelle: iStock.com/Tempura