Der Zeitarbeits-Podcast: Einsatzbereit #7
Wenn Kompetenz nicht schützt - Rassismus in der MedizinShownotes
Triggerwarnung: In dieser Podcastfolge thematisieren wir Rassismus gegenüber medizinischem Fachpersonal. Die Inhalte können belastend sein und beinhalten Berichte von Diskriminierung und rassistischer Gewalt. Wir raten dazu, die Episode mit Bedacht zu hören und bei Bedarf Pausen einzulegen.
"Wir positionieren uns wirklich eindeutig: Rassismus in jeglicher Form ist für uns nicht akzeptabel." Mit diesem klaren Satz beginnt Frieda die siebte Folge von Einsatzbereit und macht gleichzeitig transparent, aus welcher Position heraus die beiden Hosts sprechen: "Wir müssen hier aber auch ganz klar sagen, dass du und ich ja aus einer Perspektive der nicht betroffenen Person sprechen [...] wir sind beide weiße, privilegierte Frauen in Deutschland."
Zwei Erfahrungsberichte, die bewegen
Im Zentrum der Folge stehen zwei Sprachnachrichten von Fachkräften mit eigener Rassismuserfahrung. Chinmay, Arzt, schildert eine Situation aus der Notaufnahme, in der ein Patient jede Behandlung durch ihn ablehnte und ihn wiederholt aufgrund seiner Herkunft abwertete, obwohl eine akute Herzrhythmusstörung vorlag und Behandlungsbedarf bestand. Sein Fazit: "Diese rassistische Rede zerstört diese Verbindung zwischen Arzt und Patient." Parfait, Pflegekraft, berichtet von mehreren Situationen über Jahre hinweg: von einer Familie, die ihn während der Ausbildung in der häuslichen Krankenpflege nicht ins Haus ließ, bis zu KollegInnen und ÄrztInnen im OP, die ihm zunächst nicht zutrauten, seinen Job zu können, bis er es wiederholt unter Beweis stellte. Sein nüchterner Umgang damit: "Wenn einer mich will, wie ich bin, okay. Wenn der nicht will, dann gehe ich woanders."
Was ist eigentlich Alltagsrassismus?
Die Folge unterscheidet bewusst zwischen offener Diskriminierung und dem, was oft übersehen wird: "Alltagsrassismus ist [...] Rassismus, der im ganz normalen täglichen Leben passiert, oft ohne dass es die Person, die ihn äußert, überhaupt wirklich bemerkt." Als Beispiele werden genannt: das vermeintliche Kompliment "Sie sprechen aber gut Deutsch", die automatische Annahme mangelnder Sprachkenntnisse bei Migrationsgeschichte, oder wenn Fachkräfte aufgrund ihres Namens oder Aussehens erst mal nur einfache Aufgaben zugetraut bekommen. Ein Satz, den viele Fachkräfte laut Podcast zu hören bekommen und der die Diskussion darüber häufig abwürgt: "Du hast dir diesen Job doch ausgesucht, also stell dich mal nicht so an."
Was das Gesetz sagt
Die Folge ordnet auch rechtlich ein: Im akuten Notfall besteht Behandlungspflicht, Eine Verweigerung wäre unterlassene Hilfeleistung, außer die eigene Sicherheit ist konkret gefährdet. Bei planbaren Behandlungen dürfen ÄrztInnen auch PatientInnen ablehnen, solange kein Notfall vorliegt und die Ablehnung nicht selbst diskriminierend motiviert ist – etwa nach wiederholtem rassistischem Verhalten, unter Wahrung der Sorgfaltspflicht. Rechtlicher Rahmen ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Die klare Haltung der Folge dazu: "Rassismus darf kein Randthema sein. Punkt. Aus. Ende."
Was hilft – und wo es Unterstützung gibt
Genannt werden klare Strukturen im Team, Deeskalationstrainings, Schulungen zu Diskriminierung sowie kollegiale Unterstützung, etwa durch ein Buddy-System nach schwierigen Vorfällen. Als positives Praxisbeispiel dient das Projekt "Empowerment für Diversität" der Charité, das gemeinsam mit sieben Partnerkliniken bundesweit an diesem Thema arbeitet.
Ein exklusiver Einblick in eine laufende Studie
Statt der gewohnten Mini Mad Note gibt es diesmal einen besonderen Programmpunkt: eine Sprachnachricht aus einem laufenden Forschungsprojekt des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) im Rahmen des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors. Die Studie untersucht Rassismuserfahrungen angeworbener Pflegefachpersonen in deutschen Krankenhäusern und findet unter anderem: umfassende Diskriminierung durch Team und PatientInnen, häufig abgesprochene Kompetenzen (oft vermittelt über Sprachbarrieren), Mikroaggressionen im Alltag sowie gesundheitliche Folgen wie Schlafstörungen, Depression oder Haarausfall. Hier geht es zur Studie: Rassismus in der Pflege, DeZIM Briefing Note, 2025.
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