Führungskräfte im Krankenhaus müssen mit vielen Herausforderungen gleichzeitig umgehen. Wirtschaftlicher Druck, chronischer Personalmangel und Veränderungsprozesse prägen ihren Alltag. Neue Erkenntnisse und technische Innovationen, allen voran die Digitalisierung, machen immer wieder neue Formen der Organisation notwendig.
Ob als Oberärztin, Leiter eines Pflegeteams oder ärztlicher Direktor – auch bei hoher Arbeitsbelastung müssen sie Motivation und Zusammenhalt der Mitarbeitenden fördern, damit die Patientenversorgung zuverlässig funktioniert – und das oft zusätzlich zu ihren eigenen klinischen Aufgaben. Dabei müssen sie unterschiedlichste Interessen unter einen Hut bringen: die optimale Behandlung der PatientInnen, die Erwartungen von ÄrztInnen und Pflegekräften sowie der Klinik als Unternehmen.
Autoritärer Führungsstil funktioniert nicht mehr
Traditionell sind Krankenhäuser Orte, an denen ein autoritärer und stark hierarchischer Führungsstil vorherrschte. Klare Anweisungen von oben nach unten hielten den Betrieb aufrecht. Das alte Modell stößt jedoch zunehmend an seine Grenzen. Vor allem junge, engagierte Mitarbeitende finden starre Hierarchien und fehlende Mitgestaltungsmöglichkeiten zunehmend unattraktiv. Sie erwarten Kommunikation auf Augenhöhe, Wertschätzung und Beteiligung. In Kliniken, in denen weiterhin autoritär geführt wird, verlassen sie häufig aus Unzufriedenheit den Arbeitgeber.
Junge ÄrztInnen und Pflegekräfte haben heute andere Erwartungen an ihren Beruf als frühere Generationen. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben etwa in Form von verlässlichen Dienstplänen sowie eine gute, strukturierte Weiterbildung sind Faktoren, die ihnen wichtig sind.
Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte heute?
Führungskräfte verbinden fachliche Kompetenz mit zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Es gibt jedoch nicht den einen Führungsstil, der immer passt. In einer akuten Notfallsituation braucht es klare, direkte Anweisungen. In einem Mitarbeitergespräch eher Empathie, Zuhören und Dialog. Gute Führung ist situativ und flexibel. Das richtige Gespür für die jeweilige Situation ist entscheidend. Wichtige Kompetenzen sind außerdem:
Partizipation ermöglichen
Führungskräfte sollten nicht immer alles selbst erledigen – auch wenn das im ersten Moment vielleicht schneller gehen mag. Zeigen sie Vertrauen, geben Aufgaben ab und trauen Mitarbeitenden zu, Verantwortung zu übernehmen, ermöglicht das nicht nur Entwicklung, es entlastet sie auch selbst. Statt Mitarbeitende eng zu kontrollieren, schaffen moderne Führungskräfte Rahmenbedingungen, die diese befähigen, gut, sicher und eigenverantwortlich zu arbeiten. Das schafft auch Freiräume für Innovationen.
Zusammenhalt im Team stärken
Das nationale Gesundheitsziel „Patientensicherheit“, an dem etwa das Bundesministerium für Gesundheit mitgearbeitet hat, empfiehlt Kliniken kooperative Führungsstrukturen, da dies auch zur guten Versorgung der PatientInnen beitrage. Dabei beziehen Führungskräfte Mitarbeitende aktiv ein. Das Team definiert gemeinsam Ziele und reflektiert regelmäßig im Arbeitsalltag, wie diese umgesetzt wurden.
Klare Strukturen etablieren
Um fachgerechte Entscheidungen zu treffen und in akuten Situationen schnell und effektiv handeln zu können, brauchen Mitarbeitende ein transparentes Regelwerk. Führungskräfte müssen Standards für Behandlungen schaffen, Aufgaben, Abläufe und Verantwortlichkeiten klar strukturieren und kommunizieren.
Wertebasierte Führung
Moderne Führungskräfte handeln glaubwürdig und leben ihre Werte im Alltag selbst vor. Durch eine eigene Vision inspirieren und motivieren sie ihr Team. Ein bewusster innerer Kompass hilft ihnen, ihre Richtung zu bestimmen: Welche Werte sind mir besonders wichtig? Wie will ich mein Handeln im Spannungsfeld zwischen bestmöglicher Patientenversorgung, wirtschaftlichen Anforderungen und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden gestalten?
Wertschätzung und Empathie
Gerade in Zeiten des Wandels ist es wichtig, dass Führungskräfte Orientierung geben, ansprechbar sind und Entscheidungen verständlich für alle erklären. Sie betrachten Mitarbeitende als ganze Menschen, hören zu und nehmen ihre individuellen Bedürfnisse ernst. In regelmäßigen Mitarbeitergesprächen geben sie wertschätzendes Feedback, gleichen Ziele und Erwartungen ab und fördern die individuelle Entwicklung.
Konflikte und Teamfrust frühzeitig erkennen
Gute Führungskräfte sprechen Frustration, Anspannung und Überlastung im Team offen und regelmäßig an. Behandeln sie Konflikte nur im Vorbeigehen oder rein tagesbezogen, stauen sich negative Emotionen langfristig an. Auch Mobbing und latent schwelende Konflikte kosten Energie und belasten die tägliche Arbeit. Vorgesetzte sollten sie ernst nehmen, frühzeitig thematisieren und klären, bevor sie die Patientenversorgung beeinträchtigen.
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Gute Führung wirkt sich auf die alltägliche Arbeit aus
Moderne Führung hat messbare Auswirkungen auf Teams im Klinikbetrieb. So zeigte sich etwa in einer Studie, die in mehr als 100 deutschen Krankenhäusern durchgeführt wurde, dass dort, wo Mitarbeitende statt Druck zu bekommen, ermutigt werden, Probleme offen anzusprechen und Abläufe kritisch zu hinterfragen, Fehler häufiger berichtet werden. So können Risiken frühzeitig erkannt und die Patientensicherheit erhöht werden.
Die Sozialwissenschaftlerin Petra Rixgens zeigte bereits 2017 in einer Untersuchung, dass die Art der Führung direkt beeinflusst, wie gut ein Krankenhaus arbeitet. Führung, die auf Zusammenarbeit, Beteiligung und gegenseitigem Respekt zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden beruht, verbessere demnach das Teamgefühl und die organisatorischen Abläufe.
So werden Kliniken wettbewerbsfähiger
Moderne Führung ist damit nicht nur ein Mittel zur Personalorganisation, sie ist auch ein Hebel, um strategische Ziele zu erreichen. Wird die Leistung des Teams gesteigert, die Fluktuation reduziert und die Patientensicherheit verbessert, trägt das direkt zur Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Stabilität eines Krankenhausbetriebs bei.
Leider werden Führungskompetenzen im Medizinstudium oder in der Facharztausbildung kaum vermittelt. Viele ÄrztInnen geraten in entsprechende Rollen, ohne darauf vorbereitet zu sein. Gerade deshalb ist es wichtig, Führung als erlernbaren Prozess zu betrachten. Weiterbildungsangebote können hier unterstützen. Neben klinikinternen Programmen bieten auch Bundesärztekammer und die jeweiligen Landesärztekammern, medizinische Fachgesellschaften sowie Hochschulen entsprechende Fort- und Weiterbildungen an.
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