Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen

Überblick und allgemeine Informationen

Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen beschäftigen sich mit gesundheitlichen Belangen, die die gesamte Bevölkerung oder bestimmte Bevölkerungsgruppen betreffen. Gesundheitsschutz, Prävention, Beratung und Gefahrenanalyse gehören unter anderem zu den Aufgaben eines Facharztes Öffentliches Gesundheitswesen. Alle Infos zum spannenden Beruf gibt es hier.

Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen: Aufgaben und Arbeitsgebiete

Langweilig ist der Arbeitsbereich eines Facharztes für Öffentliches Gesundheitswesen jedenfalls nicht: Nur in wenigen medizinischen Fachrichtungen findet man als Arzt ein derart vielfältiges Betätigungsfeld vor wie im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens.

Die Experten und Expertinnen für bevölkerungsmedizinische Belange sind in ihrem beruflichen Alltag mit Fragestellungen aus dem gesamten Spektrum der Heilkunde konfrontiert. Der Schwerpunkt liegt dabei jeweils auf Beratung, Information und Prävention – nur sehr selten führt man als Facharzt im Gesundheitswesen auch selbst Behandlungen durch.

Daneben zählen zum Aufgabenbereich eines Facharztes für Öffenliches Gesundheitswesen etwa die Planung und Koordination von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die Sicherstellung der Einhaltung von Normen und Standards der Gesundheitssicherung und die Gewährleistung von Qualitätsmaßnahmen, die die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung betreffen. Ebenso tragen sie mit ihrer Expertise und ihren Empfehlungen aktiv dazu bei, bestehende Gesundheitsschutzniveaus zu optimieren.

Ein wichtiges Teilgebiet des Berufsbildes ist auch das Erstellen von Statistiken zu gesundheitsmedizinischen Daten, die epidemiologische Überwachung von infektiösen Krankheiten, das Erheben von Gesundheitsindikatoren und die Gesundheitsberichterstattung. Im Rahmen dieser Tätigkeit beraten die Mediziner Einrichtungen, öffentliche Träger und Institutionen hinsichtlich Gesundheitsplanung und Gesundheitssicherung. Dazu zählt auch das hygienische Qualitätsmanagement in unterschiedlichsten Organisationen und Einrichtungen.

Maßnahmen, die zur Sicherstellung der öffentlichen Gesundheit getroffen werden, müssen stetig überprüft werden. Hier ist es die Aufgabe der Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen, die angewendeten Strategien zur Krankheitsvorbeugung, Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung in der Bevölkerung zu evaluieren und gegebenenfalls Vorschläge zur Adaptierung an eine veränderte Situation zu machen. Hier tragen sie große Verantwortung: Sie müssen etwa bei neu entstandenen gesundheitsmedizinischen Herausforderungen schnell reagieren und zielgerichtete Strategien zur Bewältigung von Gefährdungen entwickeln. Dabei kann es auch notwendig sein, Priorisierungen vorzunehmen und den Nutzen verschiedener Maßnahmen in einer bestimmten Situation genau abzuwägen. Besonders im Fall übertragbarer Krankheiten ist hier eine kompetente, gut koordinierte und zielgerichtete Reaktion wichtig.

Schließlich sind Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen erste Ansprechpartner für Personen, die Angebote der Gesundheitsämter in Anspruch nehmen oder ein amtsärztliches Gutachten benötigen. Auch in der Kinder- und Jugendgesundheitsvorsorge nehmen sie wichtige Aufgaben wahr, etwa die zielgruppengerechte Aufklärung über Themen wie gesunde Ernährung und Bewegung.

Wo arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen?

Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen haben ihren Arbeitsplatz gewöhnlich in einem Gesundheitsamt oder einer spezialisierten Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens. Das sind zum Beispiel Landesämter oder Bundesinstitute, die mit den Themen Gesundheitsschutz, Risikobewertung, Verbraucherschutz und Ähnlichem befasst sind.

Die Tätigkeit in einem Gesundheitsamt ist stärker mit direkten persönlichen Kontakten und teilweise auch ärztlicher Tätigkeit verbunden als jene in einem Institut, das sich ausschließlich mit Risikobewertung, Erstellen von Statistiken und ähnlichem befasst. Sie entspricht jedoch auch hier nicht einem klassischen ärztlichen Arbeitsalltag. Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen betreuen keine Patienten, sondern informieren verschiedene Bevölkerungsgruppen zu den unterschiedlichsten Themen der Gesundheitsförderung und Prävention, verabreichen Impfungen oder stehen in sozialpsychiatrischen Ambulanzen für Beratung und Krisenintervention zur Verfügung.

Weitere Arbeitsplätze finden sich in spezialisierten Einrichtungen wie Instituten für Risikobewertung, Umweltanalytik oder Infektionskrankheiten. In Deutschland sind dies:

  • das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • das Bundesinstitut für Risikobewertung
  • die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information
  • das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
  • sowie die beiden Institutionen, die für die Erforschung von Infektionskrankheiten und ihrer Behandlung zuständig sind – das Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als oberste Bundesbehörde ist als übergeordnete Stelle all dieser Organisationen ebenfalls ein möglicher Arbeitgeber für Fachärzte für öffentliches Gesundheitswesen.

Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen: Ausbildung

Voraussetzung für die Weiterbildung zur Fachärztin, zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen ist der Abschluss eines Medizinstudiums. Im Anschluss daran erfolgt die Weiterbildungszeit an einer anerkannten Weiterbildungsstätte. Sie dauert insgesamt fünf Jahre und unterteilt sich in folgende Bereiche:

  • 18 Monate in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitswesens
  • 36 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung

Wesentliche Inhalte der Weiterbildung sind zum Beispiel:

  • Kenntnis der Verfahren, Normen und Standards der öffentlichen Gesundheitssicherung
  • Epidemiologie und Statistik,
  • Gesundheitsindikatoren und Gesundheitsberichterstattung
  • medizinischen Beratung von Einrichtungen, Institutionen und öffentlichen Trägern
  • Erstellen von amtlichen und amtsärztlichen Gutachten
  • Umsetzung von bevölkerungsbezogenen rechtlichen und fachlichen Normen des Gesundheitsschutzes
  • Qualitätssicherung in der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung
  • hygienischem Qualitätsmanagement
  • Strategien und Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung, Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung von Bevölkerungsgruppen
  • Monitoring und Surveillance, Durchführung von Maßnahmen zur Reduktion übertragbarer Erkrankungen
  • Risikoanalyse, -bewertung, -kommunikation und -management von Infektionskrankheiten und umweltbedingten Belastungen

Verdienstmöglichkeiten für Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen

Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen werden grundsätzlich nach jeweils geltendem Tarifvertrag bezahlt. Die geltenden Tarifverträge unterschieden sich nach Arbeitgeber – Stadt, Land oder Bund – und auch nach dem Bundesland, in dem man tätig wird. Derzeit beträgt die durchschnittliche monatliche Bruttogrundvergütung zwischen 4.180 bis 5.879 Euro. Je nach Tätigkeit erhöht sich das Grundeinkommen durch Zulagen: Fachärzte und Fachärztinnen für Öffentliches Gesundheitswesen leisten zwar gewöhnlich keine Nacht-, Schicht und Wechseldienste, die das Einkommen von Spitalsärzten entsprechend steigern, sie können aber durch das Erstellen von Gutachten und die Übernahme zusätzlicher Aufgaben wie Risikobewertungen oder Beratungstätigkeiten ergänzende Einnahmen erzielen. Das Gehalt erhöht sich auch mit der Anzahl der Berufsjahre und bei Aufstieg in eine Leitungsposition.

Ausführliche statistische Daten zur Einkommenssituation von Fachärzten und Fachärztinnen in Deutschland finden sich zum Beispiel bei Statista

Spezialisierungen für Fachärzte der öffentlichen Gesundheitswesen

Zur Ausübung der berufsspezifischen Tätigkeiten erlernen zukünftige Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen folgende definierte Untersuchungs- und Behandlungsverfahren:

  • Analyse und gesundheitliche Bewertung von Planungen und Maßnahmen, die bevölkerungs- oder gemeindespezifische Auswirkungen haben
  • Bewertung der gesundheitlichen Versorgung und des Gesundheitszustandes bestimmter Bevölkerungsgruppen
  • Methodik, Umsetzung und Bewertung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Präventionsprogrammen
  • Gesundheitsmonitoring und Surveillance von Erkrankungen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung oder bestimmte Bevölkerungsteile
  • Analyse und Bewertung von Gesundheitsbeeinträchtigungen und- gefahren
  • Durchführung hygienischer Begehungen
  • Erstellen von Bewertungen und Gefährdungsanalysen

Innerhalb des Fachs sind unterschiedlichste Spezialisierungen möglich, die sich am besten über Fachgesellschaften und Berufsverbände erfragen lassen. Aktuelle Informationen zu Schulungen und Weiterbildungsveranstaltungen in den verschiedenen Bereichen der Public Health bietet zum Beispiel der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes an.

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Da sich Tarifsituation und Vergütungspraxis regelmäßig verändern und stark vom Einzelfall abhängen, sind alle Angaben ohne Gewähr.