Stationäre Aufnahme Folge 8: Assistenzärztin Anke Overbeck

„Die Notaufnahme kann nur im Team funktionieren!”

Wer ist Anke Overbeck?

Anke Overbeck ist Assistenzärztin mit Schwerpunkt auf Neurologie und Akutmedizin. Ihr Weg in die Medizin führte sie zuerst in die Niederlande, wo sie ihr Studium erfolgreich abschloss und sich zusätzlich wissenschaftlich in den Neurowissenschaften vertiefte. Beruflich sammelte sie klinische Erfahrung als Ärztin in Weiterbildung in Berlin und arbeitet seit einigen Jahren in der medizinischen Zeitarbeit in wechselnden Kliniken, meistens in der Notaufnahme und in neurologischen Akutbereichen. Sie absolviert regelmäßig Weiterbildungen, zum Beispiel im Bereich der Reise- und Tropenmedizin.

In Folge 8 der Stationären Aufnahme nimmt sie uns mit in ihren doch eher außergewöhnlichen Alltag. Anke lebt in einem Bus und legt nicht nur was ihren Wohnsitz angeht viel Wert auf Freiheit und Flexibilität. Ihre beruflichen Einsätze kombiniert sie gerne mit Dingen, die sie nach dem Arbeitstag abschalten lassen - dazu gehören bei ihr vor allem Aktivitäten draußen und am Wasser. Wer Tipps und Tricks für ein ausgeglichenes Privatleben trotz turbulentem Klinikalltag sucht, ist bei ihr an genau der richtigen Adresse. 

Ich muss auch nicht Oberärztin sein. Ich arbeite gerne am Patienten und für mich ist es wichtiger, noch Freizeit zu haben nebenbei.

Assistenzärztin Anke Overbeck

Anke im Interview: Die spannendsten 3 Fragen zusammengefasst

1) Was hat dich gestört am Arbeitsalltag als Ärztin in Festanstellung?

„Das war eine furchtbare Zeit, in jeglicher Hinsicht. Man kommt aus dem Studentendasein mit viel Freiheit und wird dann ins kalte Wasser geworfen, mit einer Überforderung, die einfach extrem ist. Während Freunde, die andere Wege gegangen sind, oft noch ein einigermaßen normales Leben hatten, waren es bei uns plötzlich Wochen mit jeden Tag zwölf Stunden, dazu am Samstag ein 24‑Stunden‑Dienst. Für ein soziales Leben blieb da eigentlich nichts mehr übrig und ich habe gemerkt: Das ist für mich nicht gesund. Ich wurde unkonzentriert, hatte plötzlich mehr kleine Unfälle, bin vom Fahrrad gestürzt, und ich habe mich ernsthaft gefragt, ob sowas auch psychosomatische Ursachen haben kann – ich glaube schon. Danach war ich wirklich an dem Punkt, an dem ich dachte: Medizin ist vorbei, ich mache das nie wieder – auf keinen Fall zurück ins Krankenhaus. Das hat sich inzwischen geändert: Ich mache den Job gern, aber man muss eine Balance finden. Das ist für mich der entscheidende Punkt."

2) Wie bist du dann letztendlich doch wieder im Krankenhaus gelandet? Und warum in Zeitarbeit?

„Ich habe erst mal alles Mögliche andere gemacht: ein bisschen Geld verdienen musste ich natürlich, aber ich habe in einer Reisepraxis gearbeitet, Ergotherapiestudierende unterrichtet, kurz ins Pharmafeld reingeschnuppert (war gar nicht meins), viel ausprobiert, einen Blog geschrieben und das Leben auch erst mal wieder genossen. Das hat eine Weile gedauert. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass es doch viel bedeuten kann, mit den eigenen Skills Menschen zu helfen – und dass ich als Assistenzärztin eigentlich auch gern klinisch arbeite. Dann habe ich Zeitarbeit einfach ausprobiert, erst mal unverbindlich, um zu sehen, ob es funktioniert. Über doctari war ich dann relativ schnell in einer Klinik angestellt und das hat mir die Freude an der Medizin ein Stück weit zurückgegeben."

3) Was sind für dich die Vorzüge an der medizinischen Zeitarbeit?

„Die Auszeiten zwischen den Einsätzen. Ich glaube, was in der Medizin wichtig ist, ist sich Pausen zu gönnen in einem Beruf, der einen ständig mit Leid und Stress konfrontiert. Ich bin dadurch eine bessere Ärztin geworden, nach einer Pause kann ich wieder geduldiger mit Patientinnen und Patienten umgehen und einfach besser arbeiten. Genau das ermöglicht Zeitarbeit für mich auch."

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