Notfallmedizinerin Anke Overbeck: Neurologie, Notaufnahme und die Freiheit des Buslebens
Folge 8: „Ich brauche ein bisschen Stress und Zeitdruck, um zu funktionieren."
Was bewegt eine Notfallmedizinerin, den klassischen Karriereweg aufzugeben und stattdessen im ausgebauten Bus zu leben? Anke Overbeck ist Ärztin mit Schwerpunkte in Neurologie und Notfallmedizin, hat sich aber für einen außergewöhnlichen Weg entschieden: Nach einer Phase der Burnout-Prävention und beruflichen Neuorientierung arbeitet sie nun flexibel als Zeitarbeitende bei doctari und gestaltet ihr Leben komplett neu. In Folge 8 unseres Podcasts „Stationäre Aufnahme" erzählt sie von ihrer Ausbildung in den Niederlanden, warum sie nach der Berliner Zeit fast die Medizin aufgegeben hätte, wie Visuelle Anthropologie mit ihrer ärztlichen Arbeit verbunden ist und wie das Busleben zur perfekten Lösung für ihre Balance zwischen Beruf und Kreativität wurde.
Dauer: ca. 38 Minuten | Redaktion: Martha Nisi und Julia Schwiedergoll | Jetzt hören auf: Spotify | Apple Podcasts | YouTube
Wer ist Anke Overbeck?
Anke Overbeck ist Ärztin für Notfallmedizin und Neurologie mit einem ungewöhnlichen Karriereweg und bewussten Lebensentscheidungen. Nach ihrem Medizinstudium in Rotterdam (mit Auszeichnung „Cum Laude") und einem Master in Neuroscience Research spezialisierte sie sich auf die Notfallmedizin – eine Fachrichtung, die ihre Leidenschaft für schnelle Entscheidungsfindung und Teamarbeit unter Druck widerspiegelt.
Das Besondere an Ankes Werdegang: Sie ist eine der seltenen Ärztinnen, die nicht dem klassischen Karrieremodell (Facharzt → Oberarzt → Chefarzt) folgt. Stattdessen kombiniert sie bewusst ihre klinische Erfahrung mit kreativen Projekten: Sie hat parallel zum Arztberuf einen Master in Visual Anthropology absolviert und beschäftigt sich intensiv mit der Schnittstelle zwischen Kultur, Medizin und Gesellschaft.
Seit 2016 arbeitet Anke in der Arbeitnehmerüberlassung. Sie erkannte, dass Flexibilität und Pausen nicht nur wichtig für ihre Gesundheit sind, sondern sie auch zu einer besseren, empathischeren Ärztin machen. Heute lebt sie bewusst im Wohnbus und kombiniert ihre Einsätze in verschiedenen Kliniken mit der Freiheit, ihr Leben selbst zu gestalten. Mit ihrer Mehrsprachigkeit (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch) und spezialisierten Fortbildungen im Notfallmanagement ist sie eine vielseitig einsetzbare Fachkraft in der Notaufnahme.
Ich muss auch nicht Oberärztin sein. Ich arbeite gerne am Patienten und für mich ist es wichtiger, noch Freizeit zu haben nebenbei.
”Anke im Interview: 3 Fragen und Antworten aus dem Podcast
Ankes Bus-Leben ist kein spontaner Trend, sondern eine durchdachte Lösung, die sich aus ihrer Arbeitssituation entwickelt hat.
„Ursprünglich habe ich den alten Bus selbst ausgebaut, auch zum Kitesurfen und am Strand zu sein. Dann hatte ich diese Arbeit mit Diensten hier und da überall in Deutschland verteilt, und es war praktisch, im Bus zu wohnen. Ich hatte parallel noch eine Wohnung in Berlin, aber dann musste ich dort akut ausziehen wegen Wasserschadens und dachte: ‚Eigentlich brauche ich die Wohnung gerade gar nicht.' Jetzt ist das eine Zwischenlösung, aber es funktioniert perfekt mit meiner Flexibilität in der Zeitarbeit."
Die Jahre als Assistenzärztin in Berlin waren für Anke ein Wendepunkt und ein wichtiger Lernprozess.
„Das war eine furchtbare Zeit. Wir hatten eine ganze Woche jeden Tag zwölf Stunden, dann am Samstag 24 Stunden Dienst. Ich hatte ca. 300 Stunden im Monat gearbeitet - das war nicht gesund. Plötzlich hatte alles nicht mehr so viel medizinische Gründe, sondern vor allem forensische oder finanzielle. Da dachte ich: ‚Medizin ist vorbei, ich mache das nicht mehr.' Das hat sich zum Glück geändert - durch die Zeitarbeit bei doctari. Diese Flexibilität hat mir die Freude an Medizin zurückgegeben. Und ich bin seither ein besserer Arzt, weil ich Pausen nehme und Patienten mit mehr Geduld begegnen kann."
Ankes Master-Abschluss in Visual Anthropology ist kein Hobby nebenbei, sondern hat tiefe Verbindungen zur medizinischen Praxis.
„Es gibt auf jeden Fall eine Verbindung zur Medizin. Ich habe meine Abschlussarbeit über das Zusammenleben mit mikrobiellem Leben geschrieben, also das Unsichtbare versus das Visuelle. Aber vor allem gibt es die Medizinanthropologie: In der Notaufnahme sehen wir täglich, dass es unterschiedliche Erklärmodelle gibt. Patienten aus verschiedenen Kulturen erklären sich Symptome ganz unterschiedlich – von Geistern bis zu ‚ich habe was Falsches gegessen oder kalte Füße.' Das deckt sich nicht immer mit unserer medizinischen Sicht. Anthropologen beschäftigen sich damit, wie wir Leute zu Compliance bringen, also dass sie ihre Medikamente nehmen. Das ist ein wichtiges Feld für gute medizinische Praxis. Und ich brauche kreative Arbeit, das ist mir immer wichtig. Ich liebe Film und Fotografie, und Filmfestivals sind mein Happy Place."

Besser als jede Krankenhausserie: unser Podcast
Im doctari Podcast „Stationäre Aufnahme“ geben ÄrztInnen und Pflegekräfte spannende, emotionale Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Was treibt ihren Puls in die Höhe? Welche Situationen rauben ihnen den Schlaf? Was motiviert sie, in jeder Schicht alles für ihre PatientInnen zu geben? Und: Was wollten sie als Kind werden? Unsere Gäste erzählen von den schönsten – und manchmal schlimmsten – Momenten ihres Berufslebens.

Noch weitere Einblicke in den Krankenhausalltag...
... gefällig? Wir lassen regelmäßig unsere Fachkräfte selbst zu Wort kommen, damit andere von ihren Erfahrungen profitieren oder sich inspirieren lassen können. Unsere Sammlung beinhaltet beispielsweise Berichte von Fachärztinnen aus der Psychiatrie oder von Pflegefachkräften, die als ZeitarbeitnehmerIn auf der Intensivstation arbeiten.
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